The Daily Newsstand · Free, Always
Thursday, September 17, 2026

Ende des Kulturzentrums? – Trump schliesst das renommierte Kennedy Center

Translate

Monatelang wurde unter US-Präsident Trump über Namen, Einfluss und die Zukunft des nach dem früheren Präsidenten John F. Kennedy benannten Kulturzentrums gestritten. Nun ist das traditionsreiche Kennedy Center in Washington geschlossen. Wie geht es jetzt weiter mit dem Zentrum für Theater, Tanz und Musik? USA-Korrespondentin Barbara Colpi ordnet ein.

Barbara Colpi

USA-Korrespondentin

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Barbara Colpi berichtet seit Juli 2022 als Korrespondentin für Radio SRF und News Digital aus den Vereinigten Staaten. Sie ist seit 2005 bei Radio SRF und begann als Redaktorin in der Sportredaktion, wo sie 2008 die stellvertretende Leitung übernahm. Im Frühling 2016 wechselte die studierte Sozialanthropologin auf den Korrespondentenposten nach Lausanne.

Mehr Artikel von Barbara Colpi

Wie konkret ist die Schliessung und wie begründet man sie?

Das Kennedy Center ist derzeit tatsächlich geschlossen, der Spielbetrieb wurde eingestellt. Grosse Veranstaltungen fanden ohnehin schon seit Monaten keine mehr statt. Ob die Schliessung jedoch dauerhaft bleibt, ist offen. Als Begründung wurden notwendige Renovierungsarbeiten und Sicherheitsprobleme genannt. Tatsächlich war unter anderem kürzlich ein Teil der Decke im Eingangsbereich eingestürzt.

Donald Trump und der Kampf um das Kennedy Center

Box aufklappen Box zuklappen

US‑Präsident Trump hatte das Washingtoner Kulturzentrum kurz nach seinem Amtsantritt im Januar 2025 unter seine Kontrolle gebracht und einen Kampf gegen «anti-amerikanische Propaganda» in der Kulturwelt angekündigt: Er entliess mehrere Mitglieder des Verwaltungsrats und liess sich selbst zum Vorsitzenden wählen.

Im Dezember 2025 wurde das Kennedy Center dann in Trump Kennedy Center umbenannt, Trumps Name wurde an der Fassade des Gebäudes angebracht. Es folgte grosser Protest, Künstler sagten Auftritte ab.

Im Mai 2026 entschied ein Bundesrichter, dass das Center nicht ohne ein Gesetz des Kongresses umbenannt werden darf. Trumps Name wurde wieder von der Fassade entfernt.

Der mit Trump-Vertrauten besetzte Verwaltungsrat kündigte folgend an, eine andere Würdigung an der Fassade anbringen zu wollen: «von Donald J. Trump renoviert und restauriert».

Ein Bundesrichter stoppte nun den geplanten Umbau. Kurz darauf stimmte das Gremium für die Schliessung der Institution.

Warum spielt die Justiz in der Causa eine so wichtige Rolle?

Ein Bundesrichter hatte sowohl die Umbenennung des Hauses als auch den weitgehenden Abbau des Programms gestoppt. Seine Begründung: Das Kennedy Center ist gesetzlich als Gedenkstätte für Präsident John F. Kennedy definiert. Über Name und grundlegende Ausrichtung kann deshalb nicht einfach der Verwaltungsrat entscheiden. Dafür ist der Kongress zuständig. Zudem müsse der Spielbetrieb auch während Umbauten zumindest teilweise weitergeführt werden.

Grosses modernes Gebäude am Fluss unter blauem Himmel mit weissen Wolken.
Legende: Das Kennedy Center in Washington, D.C. Um das renommierte Kulturhaus rumorte es unter Trump seit einer Weile. Nun wurde es geschlossen. IMAGO/ZUMA Press Wire

Wie geht es nun weiter?

Wir haben es momentan mit einer ungewöhnlichen Situation zu tun: Das Gebäude ist geschlossen, gleichzeitig streiten Politik und Justiz darüber, unter welchen Bedingungen es überhaupt wiedereröffnet und renoviert werden kann.

Ist das Ganze der Höhepunkt der bisherigen Querelen?

Die Schliessung markiert zumindest eine neue Eskalationsstufe. Die Auseinandersetzung hat sich inzwischen weit über eine Personal- und Namensfrage hinaus entwickelt. Begonnen hatte der Streit, nachdem Trump den Verwaltungsrat und das Kuratorium neu besetzt, selbst den Vorsitz übernommen und seinen Namen an die Fassade hat anbringen lassen. Inzwischen geht es um weit mehr: Diskutiert werden die künstlerische Ausrichtung, die Finanzierung und die grundsätzliche Frage, wie gross der Einfluss eines Präsidenten auf eine nationale Kultureinrichtung sein darf. Fakt ist aber: So schnell werden dort nicht wieder kulturelle Veranstaltungen stattfinden. Die Zukunft des Centers ist völlig ungewiss.

Gibt es auch Stimmen für den Erhalt des Kennedy Centers?

Ja, und zwar sehr laute. Die entscheidende Frage lautet allerdings: Welches Kennedy Center kann und soll erhalten bleiben? Nicht nur Künstlerinnen und Künstler haben Auftritte abgesagt. Besonders schwer wog der Wegzug des National Symphony Orchestra und der National Opera, die ihre Produktionen inzwischen an anderen Orten zeigen. Gleichzeitig wächst auch in der Öffentlichkeit der Druck, die Institution zu bewahren und nicht zu einem politischen Projekt Trumps werden zu lassen. Das Thema bewegt in Washington.

Geht die Debatte inzwischen sogar über die Institution hinaus?

Ja, es geht sogar um das Gebäude selbst. Es geht die Angst um, dass Trump womöglich das ganze Gebäude abreissen lassen möchte. Trump hat bereits angedeutet, dass ihm eigentlich vorschwebt, dort, wo jetzt das Kennedy Center steht, hinter dem Lincoln Memorial am Potomac River (was auch in Sichtweite seines geplanten Triumphbogens wäre) ein Amphitheater zu bauen. Und spätestens nachdem Trump den Ostflügel des Weissen Hauses abreissen liess, scheint diese Angst durchaus berechtigt.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 16.9.2026, 17:10 Uhr ;  luec/lics

View the original on SRF News

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.