«Wir fanden kaum Essen»: Schweizerin erlebt Unruhen auf Mauritius

- Auf Mauritius kommt es wegen Wasserknappheit und steigender Lebenshaltungskosten zu gewaltsamen Protesten.
- Nachdem ein Polizist einer Frau in den Hals geschossen hat, eskaliert die Lage mit Plünderungen und Angriffen auf Polizeistationen.
- Die nächtliche Ausgangssperre ist aufgehoben, am Dienstag wurden 93 Menschen festgenommen, darunter 15 Minderjährige.
- Auch Schweizer Feriengäste sind betroffen: Eine Touristin berichtet von geschlossenen Geschäften und Restaurants.
Auf der Ferieninsel Mauritius eskaliert die Lage. Wegen einer seit fast zwei Wochen anhaltenden Wasserknappheit und steigender Lebenshaltungskosten gehen Menschen auf die Strasse. Es kommt zu gewaltsamen Ausschreitungen, Plünderungen und Angriffen auf Polizeistationen. Die Regierung hat für Teile der Insel eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Auch Schweizer Feriengäste sind betroffen.
Die Ausgangssperre galt bis Dienstagabend in zehn Verwaltungsregionen, die etwa ein Drittel der Insel umfassen. Zwischen 20.30 Uhr und 6 Uhr morgens durften die Menschen dort ihre Unterkünfte nicht verlassen. Die Ausgangssperre wurde mittlerweile aufgehoben.
«Wir hatten Mühe, etwas zu essen zu finden»
Laura*, eine Westschweizerin, verbringt ihre Ferien in Grand Baie im Norden der Insel. Sie schildert gegenüber 20 Minuten eine angespannte Situation. «Die Lage ist ziemlich stressig. Alle Geschäfte und Restaurants sind geschlossen. Wir hatten Mühe, etwas zu essen zu finden», erzählt sie.
Schliesslich habe die Gruppe einen kleinen Laden entdeckt, der seine Rollläden bereits heruntergelassen hatte. Dort hätten sie dennoch Wasser, Brot und Teigwaren kaufen können. Auch in den Hotels ist die Ausgangssperre spürbar. «Die Polizei patrouillierte durch die Strassen, damit alle vor 20.30 Uhr wieder drinnen waren, auch in den Hotels», berichtet Laura.
Die Einheimischen würden die Touristen eindringlich warnen. «Man spürt die Anspannung. Die Einheimischen sagen uns immer wieder, dass wir uns ab 18 Uhr in Sicherheit bringen und nicht mehr hinausgehen sollen.»
Polizist schiesst Frau in den Hals
Die Proteste hatten wegen der Wasserknappheit und der steigenden Lebenshaltungskosten begonnen. Demonstranten blockierten unter anderem Strassen mit brennenden Reifen. Besonders stark eskalierte die Situation, nachdem ein Polizist auf eine Frau geschossen und sie am Hals schwer verletzt hatte.
Laut Augenzeugen hat der Beamte ohne vorherige Warnung geschossen. Er wurde inzwischen festgenommen und der Justiz übergeben. Die verletzte Frau befinde sich weiterhin im Spital. Den Ärzten sei es gelungen, die Kugel zu entfernen.
Nach dem Vorfall kam es zu weiteren Ausschreitungen. Unter anderem wurden zwei Supermärkte geplündert und Polizeistationen angegriffen. Dabei wurden mehrere Polizisten verletzt.
Touristen sollen vorsichtig sein
Die Schulen bleiben auf der gesamten Insel bis Ende der Woche geschlossen. Flüge scheinen bislang weiterhin stattzufinden.
Die britische und die französische Botschaft riefen ihre Staatsangehörigen dazu auf, vorsichtig zu sein und grössere Menschenansammlungen zu meiden.
Das Schweizer Aussendepartement EDA hat bislang keine spezifischen Informationen zur aktuellen Lage veröffentlicht. In seinen allgemeinen Reisehinweisen gilt Mauritius grundsätzlich als sicheres Reiseziel.
93 Menschen festgenommen
Nach Angaben der Polizei wurden am Dienstag insgesamt 93 Menschen festgenommen, darunter 15 Minderjährige. Das berichtet das lokale Nachrichtenportal «Défi Media». Die Sicherheitskräfte sind vielerorts mit einem grossen Aufgebot präsent.
Mauritius gilt normalerweise als eines der politisch stabilsten Länder Afrikas. Zuletzt war es 1999 nach dem Tod eines Sängers in Polizeigewahrsam zu schweren Unruhen gekommen.
*Name geändert
Mit Material der AFP
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