Heftige Unwetter in Spanien – Zwei Jahre nach der Katastrophe: Wurden die Lehren gezogen?

Heftige Unwetter in Spanien Zwei Jahre nach der Katastrophe: Wurden die Lehren gezogen?
Im Herbst 2024 starben über 220 Menschen in der Region Valencia. Nun sorgten heftige Regenfälle erneut für Verwüstungen.
Sintflutartige Regenfälle haben in Spanien zu Überschwemmungen geführt. Betroffen waren vor allem die Regionen Valencia und Alicante. Die Bilder wecken Erinnerungen an die Flutkatastrophe vor knapp zwei Jahren, als in der Region Valencia über 220 Menschen ums Leben gekommen sind. Die Journalistin Julia Macher sagt, ob die Lehren aus der Katastrophe von damals gezogen wurden.
Julia Macher
Freie Journalistin in Barcelona
Julia Macher lebt in Barcelona und berichtet für verschiedene Medien aus Spanien.
SRF News: Wie ist die Situation vor Ort?
Julia Macher: Es regnet noch, aber lange nicht mehr so heftig wie am Montag. Das Sturmtief «Adam» verabschiedet sich langsam aus der Region Valencia. Dort herrscht statt Alarmstufe Rot nur noch Orange und Gelb. Das heisst, dass etwa rund um Alicante nur noch 40 Liter Wasser pro Quadratmeter runterkommen sollen – also kein Vergleich zu den 600 Litern vom Montag.
Ist man heute besser auf solches Extremwetter vorbereitet als vor zwei Jahren?
Der Umgang mit dem Katastrophenschutzsystem hat sich verbessert. Dieses lässt in den betroffenen Regionen die Handys schrillen und informiert die Bevölkerung über Kurznachrichten, wie man sich zu verhalten hat. Meistens werden die Menschen aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Oft wird ihnen mitgeteilt, die oberen Stockwerke aufzusuchen oder Garagen und Erdgeschosse zu meiden. Arbeitgeber werden aufgefordert, für die Sicherheit ihrer Mitarbeitenden zu sorgen. So schliessen etwa Supermärkte früher, damit die Angestellten sicher nach Hause kommen.
Vor zwei Jahren wurde dieser Alarm in Valencia erst ausgelöst, als das Wasser in den Garagen und Erdgeschossen meterhoch stand und die Flüsse über die Ufer getreten waren. Auch dort, wo es gar nicht geregnet hatte. Inzwischen reagieren die Behörden sehr viel früher und konsequenter. Auch lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.
Halten sich die Menschen an die Anweisungen des Alarmsystems?
Ja. Eine Sache muss aber nachjustiert werden: Der Alarm auf den Handys schrillt wahnsinnig laut. Oft drücken die Menschen den Alarm deswegen instinktiv weg. Das führt dazu, dass sie gar nicht mehr lesen können, wie sie sich zu verhalten haben.
Haben sich in der Prävention solcher Katastrophen auch andere Dinge verbessert?
Generell die Zusammenarbeit der Behörden, auch auf den unterschiedlichen Verwaltungsebenen. Nachholbedarf besteht, was die Infrastruktur angeht. Das lässt sich nicht von heute auf morgen beheben. In Spanien wurde bis 2015 eigentlich überall gebaut, wo die Behörden das erlaubt hatten. So auch in Gebieten, die durch Überschwemmungen gefährdet sind – also nahe an der Küste oder an Flussbetten. In Spanien leben insgesamt 2.7 Millionen Menschen in solchen Risikozonen.
Wie verläuft die politische Debatte über die Prävention von Unwetterschäden?
Sie verläuft entlang der gleichen Fronten wie beim Klimaschutz: Setzt man auf Minderung von Emissionen oder will man dem Problem mit infrastrukturellen Massnahmen begegnen? Die linken Parteien setzen eher auf die Reduktion von Emissionen und fordern, Städte anzupassen, indem die Böden entsiegelt, mehr Grünflächen gebaut oder Flussbetten renaturiert werden.
Die konservativen Parteien und die rechtsextreme Vox sind der Ansicht, dass es grosse Infrastrukturprojekte braucht: so etwa Staudämme oder die Begradigung und Umleitung von Flüssen. In der Wissenschaft gelten solche Rezepte meist als veraltet. Auch, weil sie gar nicht so einfach umzusetzen sind. Denn niemand weiss, wo und wie stark es als Nächstes regnet.
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