Im Luxusauto geschmuggelt: Schweizer «Gentleman-Gangster» mit 1 Million Euro im SUV erwischt
Im Luxusauto geschmuggelt
Schweizer «Gentleman-Gangster» mit 1 Million Euro im SUV erwischt
Im Mietwagen des 60-jährigen Italo-Schweizers Jörg W. fanden Grenzpolizisten in Lindau (D) eine Million Euro und Gold. Der als «Lupin des Tessins» bekannte Kriminelle bleibt untergetaucht. Der Prozess soll am Dienstag starten.
Publiziert: vor 20 Minuten
Darum gehts
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- Jörg W., 60, wird mit Millionen und Gold an Grenze erwischt
- Als «Lupin des Tessins» bekannt, beging er Einbrüche unter 17 Namen
- Prozess startet am Dienstag, aber sein aktueller Aufenthaltsort ist unbekannt
Tiefenentspannt sitzt der 60-jährige Italo-Schweizer Jörg W.* im September 2025 bei einer Grenzkontrolle in Lindau (D) in seinem gemieteten DS 7. Die Fahnder fragen, ob er hohe Geldbeträge oder verbotene Gegenstände in seinem Luxusschlitten mitführe. Jörg W. verneint.
Doch die Fahnder lassen sich nicht täuschen – und finden im Mietwagen eine Million Euro in bar (aktuell rund 944'000 Franken), zwei Goldbarren im Wert von 176'000 Euro (166'000 Franken) und eine Tüte voller Goldspäne, wie die «Bild» berichtet.
Nach einer Abfrage im System merken die Beamten, mit wem sie es zu tun haben. Ihnen ging soeben der «Gentleman-Gangster», wie Medien ihn nennen, ins Netz. Bekannt ist er auch als «Lupin des Tessins», angelehnt an den französischen Meisterdieb Arsène Lupin. W. sass jahrelang hinter Gittern und soll unter 17 Decknamen Einbrüche begangen haben.
Die Anklage gegen den «Lupin des Tessins»
Der Fund in der Mittelkonsole, im Heck und in der Lüftung hatte Folgen: Das Landgericht Kempten in Bayern hat Anklage wegen Geldwäscherei erhoben.
Doch die Richter machten der Staatsanwaltschaft vorerst einen Strich durch die Rechnung: Wegen mangelnder Indizien zu einer Tat, die der Geldwäscherei vorausgehen müsse, wurde der Haftbefehl fallengelassen. Jörg W. kam frei. Sein aktueller Aufenthaltsort? Unbekannt.
Einspruch der Staatsanwaltschaft
Der Generalstaatsanwaltschaft passte das nicht. Sie legte Beschwerde beim Oberlandesgericht in München ein – und hatte Erfolg damit. Wegen verschlüsselter Chatnachrichten auf dem Handy von Jörg W. ist der Prozess doch zugelassen worden. Der Prozess soll am Dienstag beginnen. Fraglich ist nur, ob der untergetauchte Gentleman-Gangster im Gerichtssaal erscheint.
Die Spur führt nach Köln: Bei Jörg W. entdeckten die Ermittler drei Juwelieradressen. Das Navi zeigt, dass er genau dort parkiert hatte. Sowohl das Geld als auch das Gold, das Jörg W. bei sich führte, liegen derzeit in der Asservatenkammer.
Blick fasst das kriminelle Leben des «Lupin des Tessins» zusammen.
1980er-Jahre: Geburt einer Verbrecher-Legende
Jörg W. wurde mit 16 Jahren das erste Mal straffällig. Schnell entwickelte er eine Fähigkeit: das lautlose Knacken von Schlössern. Sie ermöglichte ihm unbemerkten Zugang zu Wohnhäusern. Die Medien tauften ihn aufgrund seiner ausgefeilten Technik den «Magier des Zylinders». In den kommenden Jahren beging der berüchtigte Schlossknacker zahllose Einbruchdiebstähle.
1990er-Jahre: Ausbruch und Fahndung
W. floh 1998 aus der Haft. Dann tauchte er mit gefälschten Papieren unter. Sogar «Aktenzeichen XY … ungelöst» suchte 1999 nach dem «Gentleman-Gangster». Es wurde gewarnt, Jörg W. sei gefährlich und bewaffnet.
Im Mai 1999 flog er auf: Die Polizei fasste Jörg W. bei einer Fahndung im Zug. Er wies sich mit einem gefälschten kroatischen Pass aus.
2000er- und 2010er-Jahre: Es wird ruhig
Bis etwa 2008 sass der berüchtigte Einbrecher diverse Haftstrafen ab. 2009 wurde W. in der Schweiz erneut straffällig und verbüsste eine weitere Haftstrafe. Als er diese abgesessen hatte, kam er 2011 wieder frei und zog nach Italien.
Medien spekulierten, Jörg W. wolle sich nun aus den kriminellen Geschäften zurückziehen und sich der Familie widmen. Doch der «Lupin des Tessins» hatte anderes im Sinn.
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