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Saturday, September 19, 2026

Wahlkampf in Berlin-Marzahn – Die Berliner Linke nimmt Kurs aufs Rote Rathaus

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«Wohnen ist Menschenrecht, muss bezahlbar sein», singt der Chor auf einer Demo-Bühne vor dem Roten Rathaus mitten in Berlin. «Umverteilen, umverteilen, selbst verwalten, selbst verwalten...» Die hohen Mieten, leer stehende Wohnungen als Spekulationsobjekte, das viel zu kleine Angebot sind das zentrale Wahlkampfthema der Stadt, in der rund 85 Prozent der Wohnungen Mietwohnungen sind.

Menschenmenge vor einem grossen roten Backsteingebäude mit Fahnen und Bannern.
Legende: Das Rote Rathaus in Berlin. SRF

Längst ist der politische Graben zwischen Innenstadt und Aussenbezirken grösser als der Unterschied zwischen Ost und West. Jung und gut ausgebildet im Zentrum, alt oder zugewandert und arm am Stadtrand, das bringt es – etwas zugespitzt – auf den Punkt.

Doch die ganze Stadt leidet unter der Wohnungsnot – auch der Bezirk Marzahn-Hellersdorf im Osten Berlins mit den Plattenbauten und den vielen Grünflächen. Hier lebe es sich wunderbar, sagt ein Marzahner, aber die fehlende Sauberkeit sei ein «unheimliches Problem».

Er ist an den Wahlkampfanlass der Linken in Marzahn gekommen. Es gibt Musik, Politprominenz und eine Tombola.

Eine linke Bürgermeisterin mit Migrationsgeschichte?

Elif Eralp will diese Probleme lösen, sollte sie nächste regierende Bürgermeisterin werden, woran sie nicht zweifelt. Tatsächlich liegt die Linke in Umfragen knapp vor der CDU. «Ich bin die Antwort auf den Erfolg der AfD in Sachsen-Anhalt», sagt sie. «Eine Berliner Bürgermeisterin mit Migrationsgeschichte wäre ein grossartiges Zeichen.» Mieten beschränken und grosse Wohnkonzerne vergesellschaften sind das Ziel der Linken. Die Berliner Bevölkerung hatte diesem Anliegen in einem Volksentscheid schon mal zugestimmt.

Die Enteignungen sind hochumstritten und könnten eine Regierungsbildung erschweren.

Die Linke gewinnt viele neue Mitglieder. Vor allem junge Frauen wollen sich in der Partei engagieren. Doch es gibt auch radikale Aktivisten mit antisemitischer Haltung. Eine mögliche Verschiebung an der Basis sieht Lokalpolitiker Björn Tielebein aus Marzahn aber nicht als Problem. «Wir haben eine Beschlusslage, was die klare Abgrenzung von Antisemitismus angeht; ich gehe davon aus, die grosse Mehrheit steht dahinter.»

Marzahn war lange eine Hochburg der Linken, doch der Bezirk hat sich blau gefärbt. Die AfD ist hier angesagt.

Vom Mut, eine Regenbogenfahne ans Haus zu hängen

Jennifer hat an ihrem Fenster eine Regenbogenfahne. Das würden sich viele gar nicht trauen, wegen drohender Folgen durch Rechtsextremisten, erzählt sie. Doch dank zunehmender Vernetzung vieler junger Menschen und vermehrter Sichtbarkeit der Linken im Kiez, ändere sich gerade die Stimmung.

«Bei mir in der Strasse gibt es Neonazis, die sich in den letzten Jahren viel getraut haben. Das tun sie jetzt nicht mehr. Weil mehr Sichtbarkeit da ist. Wir sagen, wir lassen uns das nicht mehr gefallen», sagt Jennifer. Nun hofft die Linkspartei, dass sie den Bezirk bei der Wahl auch politisch zurückholt.

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