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Thursday, October 8, 2026

WWF-Biodiversitätsbericht 2026 – Das Artensterben geht weiter – es gibt aber Hoffnung

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Das weltweite Artensterben setzt sich fort, wie der neue Bericht des WWF zur Biodiversität zeigt. Der «Living Planet Report» beschreibt alle zwei Jahre den Zustand der weltweiten Wildtierbestände vom Tiger in Indien bis zum Fischotter in der Schweiz. Ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten in der Schweiz ist demnach vom Aussterben bedroht. Thomas Vellacott, Chef von WWF Schweiz, kennt die Hintergründe.

Thomas Vellacott

CEO WWF Schweiz

Thomas Vellacott arbeitet seit 2001 für den WWF und ist seit 2012 Chef der Organisation. Zuvor war er für Citibank und McKinsey tätig.

SRF: Woran liegt die Abnahme der Biodiversität in der Schweiz?

Thomas Vellacott: Das hat mit den politischen Rahmenbedingungen zu tun, dass wir in verschiedenen Bereichen – zum Beispiel bei den Schutzgebieten – hinter anderen Ländern hinterherhinken. In der Schweizer Öffentlichkeit hat man immer das Gefühl: Die Schweiz sei Musterschülerin. Aber wir haben da Aufholbedarf im Vergleich zu anderen Ländern.

Also liegt es an den Schutzgebieten?

Das ist ein Teil davon. Man kann Arten nur schützen, indem man auch ihre Lebensräume schützt und die Systeme angeht, die dazu beitragen, dass die Populationen zurückgehen. Das sind primär drei Systeme: die Energieproduktion, die Nahrungsmittelproduktion und der Finanzsektor. Indem wir in diesen drei Sektoren ansetzen und für mehr Nachhaltigkeit sorgen, können wir auch dafür sorgen, dass sich die Wildtierpopulationen erholen.

Klimawandel und Biodiversität werden oft im gleichen Atemzug genannt. Wie sehr hilft die Energiewende der Biodiversität?

Man muss die Biodiversitätskrise und die Klimakrise gemeinsam betrachten. Indem wir von den fossilen Energien zu erneuerbaren wechseln, leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Biodiversität – weil der Klimawandel ein wichtiger Treiber des Biodiversitätsverlustes ist.

Wichtig ist, dass man miteinander Lösungen sucht.

Aber: Wenn wir auf nachhaltige Energien umsteigen, müssen wir sicherstellen, dass sie nachhaltig betrieben werden. Bei der Wasserkraft etwa muss genug Restwasser in den Flüssen bleiben, damit die Biodiversität profitiert und nicht zu Schaden kommt.

Offenbar sieht der WWF auch Hoffnung. Worauf stützen Sie diese Hoffnung und Zuversicht?

Diese 73‑Prozent-Reduktion der Populationen ist eine dramatische Entwicklung. Es ist wichtig, dass man sich dessen bewusst ist. Aber man sieht auch, dass rund die Hälfte der untersuchten Populationen heute stabil sind respektive wachsen. Es gibt Arten, deren Populationen auch wieder ansteigen. Man kann diese negativen Trends also umkehren.

In der Hasliaare erholen sich die Bestände der Seeforelle.

Das sieht man zum Beispiel in der Schweiz bei der Seeforelle: In der Hasliaare erholen sich die Bestände. Man trifft die Seeforelle dort wieder an. Sie kann dort laichen, weil Gewässer renaturiert und genügend Restwasser gegeben wurden. Das zeigt, dass man die Energiewende biodiversitätsfreundlich ausgestalten kann. Wichtig ist, dass man miteinander Lösungen sucht.

Wieso sind solche Erfolgsgeschichten möglich?

Viele Menschen setzen sich lange dafür ein, dass die Rahmenbedingungen stimmen. Beispielsweise, dass es für Tiere wie den Fischotter möglich ist, den Weg zurückzufinden, indem man Flüsse renaturiert und die Qualität der Gewässer verbessert.

Es ist eine Win-Win-Situation, in der wir am Schluss mehr Biodiversität und besseren Schutz für die Menschen haben.

Solche Beispiele sind unglaublich wichtig, damit die Menschen sehen: Es ist möglich. Wir können etwas bewegen. Es ist nicht hoffnungslos. Wenn wir etwa Gewässer renaturieren, profitiert davon die Natur, aber auch der Mensch. So schützen renaturierte Gewässer häufig besser vor Hochwasser. Es ist also eine Win-Win-Situation, in der wir am Schluss mehr Biodiversität und besseren Schutz für die Menschen haben.

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