Rigi-Projekt der Ruag – Endmontage von F-35A bei der Ruag – ein Geschäft mit Fragezeichen

Für die Ruag ist «Rigi» eines der wichtigsten Projekte für die nächsten Jahre. In diesem Projekt war vorgesehen, dass vier Kampfjets des Typs F-35A in der Schweiz zusammengebaut werden. Nun hat die Ruag angekündigt, dass es ein Kampfjet weniger sein wird. Der Grund dafür dürfte auch bei den hohen Kosten der Ruag liegen.
Die Ruag schreibt dazu: «Die Reduktion von vier auf drei Flugzeuge geschah nach einer Kosten-/Nutzen-Abwägung. Mit dieser Massnahme wird sichergestellt, dass der Kostenrahmen eingehalten wird. Auf die Erreichung der Zielsetzung betreffend Technologie-Transfer sowie den Know-How-Aufbau hat die Reduktion der Flugzeuge keinen Einfluss.»
Der Aufbau von Know-How ist das grosse Ziel des Rigi-Projekts. Schon bei den aktuell im Einsatz stehenden Kampfflugzeugen, den F/A-18, wartet die Ruag alle 30 Kampfjets. Das ist einerseits wichtig für die Schweizer Armee, damit sie jederzeit einsatzbereit und nicht auf Serviceleistungen aus dem Ausland angewiesen ist. Andererseits ist es für die Ruag eine wichtige Einnahmequelle.
Ruag und der Hersteller Lockheed Martin haben deshalb vertraglich vereinbart, dass die Ruag die drei Kampfjets endmontieren, Know-How aufbauen und die Luftwaffe als sogenannter «Life-Cycle-Support-Provider» unterstützen kann.
Beim F-35A darf die Ruag weniger selbst machen
Allerdings ist der F-35A kaum mit dem F/A-18 vergleichbar. Beim F/A-18 hatte die Ruag auch die Fähigkeit, einzelne Komponenten zu reparieren oder auszutauschen, wie aus einem Hintergrundgespräch der Ruag hervorgeht. Beim F-35A ist das anders. Der moderne Kampfjet ist in Komponenten unterteilt, wie etwas das Cockpit oder das Triebwerk. Für diese Komponenten gibt es im weltweiten F-35A klar definierte Zentren.
Für Triebwerke beispielsweise befinden sich diese Zentren in den Niederlanden oder Norwegen. Ginge also an einem Schweizer F-35A ein Triebwerk kaputt, könnte es im luzernischen Emmen ausgebaut und in eines dieser Zentren gebracht werden. Die Ruag hat neben dem Standort Cameri in Italien in Europa die Fähigkeit, Kampfflugzeuge wieder zusammenbauen und zu testen, bevor sie wieder in Einsatz gehen.
Wartung von F-35A bringt Ruag weniger ein
Weil die Ruag beim F-35A aber weniger selbst warten kann als beim F/A-18, wird die Armee auch weniger dafür bezahlen. Die Ruag gibt zu den detaillierten Vertragsverhandlungen keine Auskunft, räumt aber auf Anfrage von SRF ein: «Es ist absehbar, dass ein signifikanter Einnahmenverlust im Vergleich mit der Wartung und Instandhaltung der F/A-18 entstehen wird.»
Eine allfällige Verlagerung des Produktportfolios biete aber möglicherweise auch die Option, neue Geschäftsfelder zu erschliessen, so die Ruag. Das bedeutet auch: Andere Länder wie Belgien, Finnland, Norwegen oder Deutschland, die ebenfalls F-35A kaufen, davon zu überzeugen, ihre Flugzeuge in der Schweiz zu warten. Und in Zukunft hoffen, dass die strengen Regeln für die Reparaturen an Komponenten gelockert werden.
Offenbar ist die Ruag derzeit mit einer Handvoll Staaten im Gespräch, auch wenn sie keine Angaben zum Inhalt laufender Gespräche macht. Wegen der tieferen Einnahmen durch den F-35A steht die Ruag unter Druck, neue Kunden im Ausland zu finden. Ob das klappt und ob nicht das Schweizer Neutralitätsrecht einen Strich durch die Rechnung machen könnte, ist aber offen. Viele Fragezeichen bleiben.
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