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Tuesday, September 15, 2026

«Kinder wie Uber-Fahrten verkauft»: Ermittlungen gegen Schweizer

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  • Ein 47-jähriger Schweizer soll eine der grössten französischen Escort-Plattformen betreiben, auf der Hunderte Inserate mutmasslich Minderjähriger geschaltet sind.
  • Der Mann lebt mutmasslich in Dubai und soll mit seinen Portalen jährlich über 18 Millionen Franken einnehmen.
  • Die französischen Behörden haben die Schweiz um Rechtshilfe ersucht – das Portal ist trotz laufender Ermittlungen weiterhin zugänglich.

Ein schwerer Fall von mutmasslicher Kinderprostitution erschüttert Frankreich – der Gründer und Betreiber des Portals soll derweil ein Schweizer sein. Die Website gilt laut dem «Corriere del Ticino» als eine der grössten Plattformen für Escort-Inserate in Frankreich und verzeichnet gemäss SRF im Schnitt täglich über 400'000 Besuche.

Bereits vor knapp einem Jahr veröffentlichte der öffentlich-rechtliche Rundfunk France Inter eine Recherche zum Portal, auf dem über 45'000 aktive Prostitutionsannoncen geschaltet sind. Dabei kamen die Journalisten zum Schluss, dass die Seite Hunderte Inserate von mutmasslich minderjährigen Personen enthält, die dort aber als volljährig ausgewiesen werden.

«Dünn» als Codewort für Minderjährige

«Die Fotos, oft auch mit Gesichtern, zeigen die Körper von Teenagern. In den Anzeigen wird ihr Gewicht betont: um die 40 kg, oft mit dem Begriff «dünn», heisst es in der Recherche des Radiosenders. Dies sei ein Codewort für minderjährige Mädchen, die auf der Website angeboten werden. Die Betroffenen würden nie länger als zwei Tage in einer Stadt bleiben, wobei ihre Wohnorte jeweils durch Zuhälter im Hintergrund gebucht würden.

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Die Rekrutierung der Mädchen finde dabei meist in von Jugendämtern geführten Jugendhäusern statt, laut France Inter kommen drei Viertel der betroffenen Minderjährigen aus solchen Heimen. Auch diverse andere Escort-Plattformen, ebenfalls betrieben vom 47-jährigen Schweizer, sind betroffen. Landesweit sollen sich über 20'000 minderjährige Mädchen in der Prostitution befinden, wobei das Durchschnittsalter bei 13 bis 14 Jahren liege.

Nach Veröffentlichung der Recherche reichte die französische Kinderbeauftragte Sarah El Haïry Meldung ein, woraufhin die Strafverfolgungsbehörden Ermittlungen einleiteten. «Ich habe alle zuständigen Behörden informiert, die diese Seite schliessen können, da dies dringend und notwendig ist», sagte sie am 10. September. Stand 15. September ist das Portal weiterhin zugänglich.

Spur führt über die Schweiz nach Dubai

Nach Informationen von SRF, die sich mit der Recherche von France Inter decken, ist der Eigentümer und Gründer der Website ein 47-jähriger Schweizer. Er wurde demnach in Frankreich schon 2011 wegen schwerer Zuhälterei zu drei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt – die Schweizer Behörden weigerten sich aber, den international gültigen Haftbefehl zu vollstrecken.

Der Schweizer hat sich mutmasslich schon vor mehreren Jahren nach Dubai abgesetzt und soll mit seinen Plattformen jährlich über 18 Millionen Franken einnehmen. Im Zuge der aktuellsten Ermittlungen gegen den 47-Jährigen haben die französischen Behörden die Schweiz laut dem «Corriere del Ticino» um Rechtshilfe ersucht. Die helvetischen Strafverfolgungsbehörden seien nun dabei, Beweise zu sammeln, um die französischen Ermittler zu unterstützen.

Experte kritisiert Behörden scharf: «Nichts passiert»

Angesichts des Umstands, dass das im aktuellsten Fall betroffene Portal weiterhin zugänglich ist und der mutmassliche Serien-Zuhälter auch für seine vergangenen Taten nicht bestraft wurde, zeigt sich Kinderschutz-Anwalt Michel Amas schockiert. Auf den Plattformen würden «Kinder in Sekundenschnelle gekauft, wie eine Uber-Fahrt.» Dass die Täter noch nicht hinter Gitter sitzen, kann er nicht verstehen: Schliesslich seien in zahlreichen Fällen Telefonnummern und Kreditkartendaten der Täter vorhanden, zudem könne man die Drahtzieher auch über das Portal orten. «Alle Instrumente zum Eingreifen sind vorhanden, doch nichts passiert», beklagt er.

Bist du minderjährig und von sexualisierter Gewalt betroffen? Oder kennst du ein Kind, das sexualisierte Gewalt erlebt?

Hier findest du Hilfe:

Kokon, Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene

Castagna, Beratungsstelle bei sexueller Gewalt im Kindes- und Jugendalter

Clickandstop.ch, Online-Meldestelle der Stiftung Kinderschutz Schweiz

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Bist du selbst pädophil und möchtest nicht straffällig werden? Hilfe erhältst du bei Forio, Beforemore und bei den UPK Basel.

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, sexuell belästigt?

Hier findest du Hilfe:

Belästigt.ch, Onlineberatung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

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Benedikt Hollenstein

Benedikt Hollenstein (bho) ist seit 2021 bei 20 Minuten. Er schreibt für den Newsdesk und übernimmt dort auch Tagesleitungsschichten.

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