Historische Merz-Blamage: «Wir sind in Schockstarre»

- Friedrich Merz trat noch vor Schliessung der Wahllokale vor die Kameras und bezeichnete das CDU-Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern als «Desaster».
- Die CDU kam auf 4,9 Prozent und scheiterte damit erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik bei einer Landtagswahl an der Fünf-Prozent-Hürde.
- Der frühe Auftritt von Merz sorgt parteiintern für Kritik – eine CDU-Abgeordnete bezeichnet seine Ansprache ironisch als «Ruck-Rede».
Kurz vor der Schliessung der Wahllokale kündigte die CDU am Sonntag überraschend ein Statement von Bundeskanzler und Parteichef Friedrich Merz an. In Berlin machten laut «Focus Online» daraufhin Gerüchte die Runde, der 70-Jährige könnte seinen Rücktritt vom Parteivorsitz erklären.
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Doch dazu kam es nicht. Merz machte klar, dass er weitermachen will – als Parteichef und als Kanzler. Bemerkenswert war vor allem der Zeitpunkt: Laut MDR trat Merz noch vor die Mikrofone, bevor die CDU in Mecklenburg-Vorpommern in den Hochrechnungen unter die Fünf-Prozent-Marke fiel.
«Ich übernehme diese Verantwortung»
In seiner kurzen Ansprache bezeichnete Merz das Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern bereits als «Desaster». Gleichzeitig kündigte er an, seinen Reformkurs als Kanzler fortsetzen zu wollen. «Ich übernehme diese Verantwortung, denn ich möchte dieses Land voranbringen», sagte Merz gemäss MDR.
Wie gross das Desaster tatsächlich werden würde, war zu diesem Zeitpunkt noch offen. Erst kurz nach Mitternacht stand fest: Die CDU kam auf 4,9 Prozent und verpasste den Einzug in den Landtag. Damit scheiterte die CDU erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik bei einer Landtagswahl an der Fünf-Prozent-Hürde.
Wie findest du, dass Friedrich Merz schon vor dem vollständigen Wahlergebnis vor die Kameras trat und von einem «Desaster» sprach?
«Unsere Mitglieder sind nur noch in Schockstarre»
Gerade der Zeitpunkt von Merz’ Auftritt sorgt parteiintern für Kritik. Eine CDU-Bundestagsabgeordnete bezeichnete die Ansprache gegenüber «Focus Online» ironisch als «Ruck-Rede».
Die Politikerin aus dem Wirtschaftsflügel vermutet hinter dem frühen Auftritt den Versuch, unabhängig vom Wahlausgang die Kontrolle zu behalten. «Er dachte sich: ‹Jetzt sind die Wahlen rum und ich gehe schnell vor die Kameras, bekenne das Desaster und dann mache ich weiter wie bisher›», sagte sie. In den internen Partei-Chats sei es auffällig ruhig geblieben, wie bereits nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt: «Ich glaube, unsere Mitglieder sind nur noch in Schockstarre.»
Wollte ursprünglich die AfD halbieren
Deutliche Kritik kam auch vom Spandauer CDU-Politiker Bernhard Schodrowski. Merz sei einst angetreten, um die AfD zu halbieren. «Doch stattdessen hat er uns, die CDU, halbiert», sagte er laut «Focus Online».
Auch ein Bundestagsabgeordneter sagte zur Lage in der Partei: «Das kann so nicht ewig funktionieren.» Eine Alternative zu Merz konnte er laut «Focus Online» allerdings nicht nennen.
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Jasmin Steiger (jst) arbeitet seit 2026 für 20 Minuten. Sie arbeitet am Newsdesk und schreibt über verschiedenste Themen.
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