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Wednesday, September 23, 2026

Zwangsrekrutierungen für russische Armee: In Shorts und Badeschlappen entführt

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Wegen hohen Verlusten braucht die russische Armee neues Kanonenfutter für die Front. Immer öfter werden auch kranke Menschen zwangsrekrutiert.

Tigran Petrosyan

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Mediazona öffnet mit dem folgenden Beitrag ein Fenster nach Russland. Den ganzen Beitrag finden Sie hier auf Russisch.

Vitali Smidowitsch litt unter epileptischen Anfällen und starb vergangene Woche im russischen Angriffskrieg in der Ukraine. Angelockt wurde er mit dem Angebot, durch Drohnen beschädigte Häuser zu reparieren. Als er das erledigt hatte, wurde er zwangsrekrutiert und an die Front geschickt.

Immer öfter werden Menschen durch Täuschung oder Drohungen dazu gebracht, einen Vertrag mit dem russischen Verteidigungsministerium zu unterzeichnen. Die Zahl derjenigen, die sich der russischen Armee freiwillig anschließen wollen, sinkt, gleichzeitig steigt der „Bedarf“ an der Front weiter. Mediazona hat bekannte Fälle zusammengetragen, in denen russische Männer einzeln auf der Straße aufgegriffen werden.

Etwa der 49-jährige Sergej Skrjabin aus Kirow, das circa 800 Kilometer nordöstlich von Moskau liegt. Er wurde unter dem Vorwand eines Bußgeldes „wegen Biertrinkens auf der Straße“ von zu Hause abgeholt, auf eine Polizeiwache und anschließend zu einer militärischen Sammelstelle gebracht.

Nach Angaben seiner Ehefrau wurde ihm an einem Wochenende „innerhalb von 15 Minuten ein Pass ausgestellt“. Anschließend sei er „unter Androhung von Gewalt“ gezwungen worden, trotz seiner diagnostizierten Epilepsie einen Vertrag mit dem russischen Verteidigungsministerium zu unterzeichnen. Danach wurde er in die selbsternannte „Volksrepublik Donezk“ (DNR) geschickt.

„Ich will meinen Mann gesund nach Hause zurückholen“

Zuletzt kontaktierte Skrjabin seine Frau am 23. Juli 2026. Vier Tage später erhielt sie einen Anruf vom Politoffizier der Einheit. Ihr Mann gelte bereits als vermisst. Laut Skrjabins Frau wurde dieser Status jedoch erst im August offiziell festgestellt.

Wegen der Situation ihres Mannes wandte sich die Frau aus Kirow an die Staatsanwaltschaft. Dort habe man ihr geantwortet, Skrjabin habe den Vertrag freiwillig unterzeichnet. „Auch bei den Zahlungen wurden wir getäuscht. Mein Mann ist inzwischen seit fast einem halben Jahr im Krieg, aber ich habe keinen einzigen Kopeken erhalten. Ich will dieses Blutgeld nicht. Ich will meinen Mann lebend und gesund nach Hause zurückholen“, sagte die Frau im Gespräch mit Mediazona.

Über ähnliche Fälle wird nicht nur in Kirow, sondern auch in anderen Städten berichtet. Der 33-jährige Alexander Stepanow aus Pensa wurde von Unbekannten entführt, als er am Abend ein Geschäft verließ – er trug nur Shorts, ein T-Shirt und Badeschlappen.

„Unbekannte legten ihm Handschellen an und setzten ihn in einen Pkw. Sie brachten ihn irgendwohin – mein Sohn sagte, wohl zu einem Kreiswehrersatzamt –, schlugen ihn und zerrissen sein T-Shirt“, sagte seine Mutter Tamara Stepanowa. „Und das so lange, bis er den Vertrag unterschrieb.“

„Er ist kein Soldat, er kann nicht kämpfen“

Nach Angaben seiner Mutter seien ihm im Kreiswehrersatzamt „innerhalb von 20 Minuten neue Dokumente ausgestellt“ worden. Am 23. August teilte Stepanow mit, dass er sich in Donezk aufhalte. Seine Mutter wandte sich an die Militärstaatsanwaltschaft, den Menschenrechtsbeauftragten und die Bürgerstelle des Leiters des Ermittlungskomitees, Alexander Bastrykin, und über die Website des Verteidigungsministeriums an die Behörde. Antworten hat sie bislang keine erhalten.

Der 26-jährige Nikita Konscheserow aus Petrosawodsk wurde betrunken auf der Straße aufgegriffen und in die Ausnüchterungsstation einer suchtmedizinischen Klinik gebracht. Nach Angaben seiner Freunde passierte das Ende Juli. Man habe ihm einen Vertrag untergeschoben, Konscheserow könne sich nicht einmal daran erinnern, wie es dazu gekommen sei, berichtet das norwegische Onlinemedium Barents Observer unter Berufung auf eine Quelle aus dem Umfeld seiner Familie.

„Er hatte das überhaupt nicht vor und wollte es auch nicht. Er ist kein Soldat, er kann nicht kämpfen“, sagte die Quelle der Zeitung. Bereits am frühen Morgen des 29. Juli wurde Konscheserow in einen Zug gesetzt und zu einer militärischen Sammelstelle im Gebiet Leningrad gebracht.

Kurz zuvor war Konscheserows Sohn zur Welt gekommen. Zudem sind beide Elternteile behindert. „Er ist der einzige Ernährer der Familie und seine plötzliche Einberufung zum Militärdienst bringt seine Angehörigen in eine äußerst schwierige Lage“, heißt es in einem Beitrag über Konscheserows Geschichte.

Es ist nicht der erste Fall dieser Art in der Region. Wie der Barents Observer berichtete, machen Anwerber Menschen gezielt betrunken und unterschieben ihnen anschließend einen Vertrag mit dem russischen Verteidigungsministerium.

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