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Sunday, September 27, 2026

Editorial über Schweizer Standort-Sünden: Wir killen unsere Besten

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Editorial über Schweizer Standort-Sünden

Wir killen unsere Besten

Der Umgang mit Firmen wie On und UBS zeigt: Die Schweiz hat einen gefährlichen Grössen-Komplex.

Publiziert: 00:00 Uhr

Aktualisiert: 00:03 Uhr

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Reza RafiChefredaktor SonntagsBlick

Die Schweiz ist ein Land des Diminutivs, der Verkleinerungsform. Chuchichäschtli. Töffli. Guetzli. Mit der Endung -li wird Grosses gestutzt. Sprachlich eine durchaus charmante Marotte, standortpolitisch aber tödlich. Wer in Helvetien über das Mittelmass hinauswächst, gerät ins Visier.

Vorletzte Woche kündigte der Schweizer Schuhhersteller On seine Expansion in den Fussball an und konnte dafür Weltstar Kylian Mbappé gewinnen. Die Geschichte des 2010 gegründeten Unternehmens, das in Zürich 1300 Mitarbeiter beschäftigt, Steuern zahlt und Lehrlinge ausbildet, ist verrückt. Die Reaktion: Neid, Argwohn und ein Parlament, das die Firma wegen eines kleinen Schweizerkreuzes auf ihren Sneakern tadelt. Protest statt Podest für das eigene Wunderkind. Wäre das anderswo denkbar?

Dasselbe Bundesparlament hat diese Woche harte Eigenkapitalregeln für die UBS beschlossen. Nach dem Untergang der CS ist dieser Reflex verständlich: Nie wieder sollen die Steuerzahler eine Bank retten müssen. Laut UBS-Chef Sergio Ermotti gefährdet die Vorlage die globale Wettbewerbsfähigkeit. Über der Bahnhofstrasse kreisen die Übernahmegeier. Der Finanzplatz droht in die C-Liga abzurutschen – mit Risiken für den gesamten Wirtschaftsstandort. Nur der Aktienkurs steigt: Den Investoren ist es egal, unter welcher Flagge das Wealth Management der UBS betrieben wird.

Dass die Grossbank kaum noch Freunde hat, ist auch selbst verschuldet. Das Schulterzucken jedoch, mit dem ein möglicher Abfluss von Milliarden an Steuern und Sponsoringgeldern hingenommen wird, ist irritierend.

Das gilt auch für die Pharma in Basel. Die US-Regierung unter Trump versucht mit allen Mitteln, die Industrie, die sieben Prozent unseres BIP ausmacht, über den Atlantik zu locken. Novartis will massiv in den USA investieren. Wertschöpfung, Forschung und Arbeitsplätze hierzulande stehen auf dem Spiel – und das Land quittiert es scheinbar mit Gleichgültigkeit.

Für einen Begriff kennt das Schweizerdeutsche kein Diminutiv: Geld. Das sprudelt nach wie vor. Wie lange noch, wenn wir unsere Mentalität nicht ändern?

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