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Saturday, October 24, 2026

Lula gegen Bolsonaro – Brasilien vor Stichwahl um Präsidentenamt: Trump macht Druck

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Lula gegen Bolsonaro Brasilien vor Stichwahl um Präsidentenamt: Trump macht Druck

Die Wahl am Sonntag entscheidet über Brasiliens Rolle in der Welt – und darüber, wie nahe das Land an die USA rückt.

24.10.2026, 16:46

Vor einem neuen Kaufhaus im Grossraum Rio de Janeiro stehen Menschen Schlange. 16'000 Quadratmeter voller Waren aus China. Zur Eröffnung seien 35'000 Menschen gekommen, sagt Geschäftsführer Ebenezer Ferreira de Barros. Schon plant er die nächste Halle: «Das hier wird eine ganze chinesische Stadt.»

China liefert nicht nur Konsumgüter nach Brasilien, es kauft auch kräftig ein: Soja, Rindfleisch und Erdöl. Und es investiert in Autofabriken und Stromversorgung. Brasilien war 2025 weltweit das wichtigste Zielland neuer chinesischer Investitionen.

US-Präsident Donald Trump will Chinas Einfluss in Lateinamerika zurückdrängen. Ob sich die Staaten zwischen Washington und Peking entscheiden müssten? «In gewisser Weise», sagte er in einem Fernsehinterview. Die amerikanische Vorherrschaft auf dem Kontinent werde nie wieder infrage gestellt: «Won't happen».

Brasilien als «geopolitischer Schlüsselstaat»

Die Stichwahl in Brasilien ist eine Richtungsentscheidung: Präsident Lula setzt auf Eigenständigkeit und war im Wahlkampf als Kandidat für «Souveränität». Sein Herausforderer Flávio Bolsonaro sucht Trumps Nähe. Der Politologe Leonardo Paz von der Fundação Getulio Vargas nennt Brasilien einen «geopolitischen Schlüsselstaat». Ein Schulterschluss mit Washington könne die Machtverhältnisse in Lateinamerika verändern.

Zwei Männer in Anzügen in einer Diskussion auf einer Bühne.
Legende: Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva (rechts) und sein Herausforderer Flávio Bolsonaro diskutieren während der ersten Präsidentschaftsdebatte in São Paulo. (18.10.2026) Keystone/AP Photo/Andre Penner

Wie Trump Druck ausübt, zeigte sich 2025. Er forderte die Einstellung des Strafverfahrens gegen Flávios Vater Jair Bolsonaro und verhängte Zölle von bis zu 50 Prozent auf gewisse brasilianische Waren. Das Oberste Gericht verurteilte Jair Bolsonaro dennoch wegen Putschversuchs. Seinen Sohn empfing Trump im Mai im Weissen Haus.

Flávio verspricht ein grosses Handels- und Investitionsabkommen. Für die USA sind Brasiliens Seltene Erden attraktiv, die für Hightech und Rüstung gebraucht werden. Auf der konservativen CPAC-Konferenz erklärte Bolsonaro, Brasilien könne die USA bei Seltenen Erden unabhängiger von China machen.

Beziehungen zu USA je nach Wahlausgang offen

Laut Recherchen brasilianischer Medien hatte Washington der Regierung Lula bereits 21 Forderungen zur Zollsenkung vorgelegt. Darunter: China von Geschäften mit brasilianischen Seltenen Erden auszuschliessen. Die Lula-Regierung wies die Bedingungen zurück.

Die US‑Regierung macht keine Geschenke. Sie verhandelt manchmal zu ungleichen Bedingungen.

Politologe Paz urteilt, der Katalog komme «fast einer Unterwerfung Brasiliens gleich». Unter Flávio würden sich die Beziehungen zu Trump sicherlich schnell verbessern. Doch er warnt: «Die US‑Regierung macht keine Geschenke. Sie verhandelt auch mit Verbündeten, manchmal zu ungleichen Bedingungen.» Er fürchtet, Bolsonaro könnte Zugeständnisse machen, «die Brasilien mittel- und langfristig schwer schaden».

Allerdings könnte auch Bolsonaro im Fall eines Wahlsiegs kaum auf China verzichten. Die Agrarwirtschaft, in der er viele Wähler hat, verkauft vorwiegend nach China. Paz erwartet daher eher eine politische Abkühlung als einen wirtschaftlichen Bruch.

Gewinnt Lula, muss Washington mit weiterem Gegenwind rechnen. Mit Flávio Bolsonaro hingegen würde Donald Trump einen Verbündeten gewinnen – und seinem Führungsanspruch auf dem Kontinent ein grosses Stück näherkommen.

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