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Monday, October 12, 2026

Wahlen in Frankreich – Die Sozialisten schicken Glucksmann ins Rennen

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Frankreich wählt im Frühling einen neuen Präsidenten oder eine neue Präsidentin. Bereits in Stellung gebracht haben sich einige, darunter die Rechtspopulistin Marine Le Pen, der Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon und der Mitte-Rechts-Politiker und frühere Premierminister Édouard Philippe. Seit Sonntagabend haben auch die Sozialisten ihren Präsidentschaftskandidaten: Raphaël Glucksmann von der Partei Place publique. SRF-Frankreich-Korrespondentin Zoe Geissler ordnet Glucksmanns Kandidatur ein.

Zoe Geissler

Frankreich-Korrespondentin

Zoe Geissler berichtet für Radio SRF aus Paris über das Geschehen in Frankreich. Zuvor war sie Auslandredaktorin und Produzentin bei Radio SRF 4 News. Zoe Geissler hat Internationale Beziehungen, Politikwissenschaften und Gender Studies an den Universitäten Zürich und St. Gallen (HSG) studiert.

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Warum wird Raphaël Glucksmann manchmal als «zweiter Macron» bezeichnet?

Die Bezeichnung kommt vor allem von Gegnern und Gegnerinnen auf der linken Seite, zum Beispiel von der Partei La France Insoumise (LFI), weil Glucksmann eine gemässigte linke Linie vertritt. Damit versucht LFI auch, seine linke Glaubwürdigkeit infrage zu stellen. Übrigens lehnt Glucksmann bislang eine Zusammenarbeit mit LFI kategorisch ab. Einige Überschneidungen mit Macron gibt es. Glucksmann ist wie Macron ein Proeuropäer und wie Macron auch eine Art politischer Selfmademan. So hat er mit Place publique eine eigene Partei gegründet. Glucksmann selbst lehnt diese Bezeichnung entschieden ab. Er sagt, er werde der Kandidat des Bruchs mit dem Macronismus sein.

Wie weit links ist Glucksmann – gemessen an seinen politischen Ideen?

Glucksmann steht für das gemässigte linke Lager und bekennt sich zu sozialdemokratischen Positionen. Er will etwa mehr Umverteilung, grosse Vermögen stärker besteuern oder den Mindestlohn erhöhen. Auch der Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel gehören zu seinen politischen Prioritäten. Und er will das gesetzliche Rentenalter wieder dauerhaft auf 62 Jahre setzen. Grosso modo kann man sagen, er ist deutlich linker als Macron.

Es wird gemunkelt, dass der frühere Präsident François Hollande darauf wartet, dass Glucksmann im Wahlkampf glücklos handelt und dann selbst kandidiert – ist das realistisch?

Glucksmann hat am Sonntag die sozialdemokratische Vorwahl deutlich gewonnen, das stärkt ihm den Rücken. Hollande hält sich bisher bedeckt, ob er gedenkt, ins Rennen zu steigen oder nicht. Aber die Möglichkeit wird immer mal wieder diskutiert. In Frankreich ist Glucksmann weniger bekannt als auf europäischer Ebene. Dazu kommt, dass Kommentatoren und politische Gegner und Gegnerinnen ihn für zu wenig charismatisch für die Präsidentschaftswahl halten. Er ist zwar dossiersicher und kann gut argumentieren, aber es fehlt ihm zumindest bislang etwas an Strahlkraft. Falls Glucksmann in den Umfragen nun abhebt, scheint mir das Hollande-Szenario weniger realistisch. Wenn nicht, dann könnte sich Hollande durchaus als Alternative anbieten, sozusagen als Retter in der Not.

Wer hat die besten Aussichten, neuer Präsident oder neue Präsidentin Frankreichs zu werden?

Für eine Prognose ist es noch zu früh. Derzeit hat Marine Le Pen grosse Chancen, in die Stichwahl zu kommen. Sie liegt in allen Umfragen vorne. Je nach Umfrage könnten es auch Édouard Philippe oder Jean-Luc Mélenchon in die Stichwahl schaffen. Glucksmann steht im Moment etwas im Schatten von Mélenchon, er liegt in den Umfragen auch hinter ihm. Mélenchon kommt vor allem bei den jungen Wählergruppen gut an, und die laufenden Schülerproteste könnten ihn zusätzlich stärken. Aber Umfragen sind im Moment bedingt aussagekräftig. Glucksmann muss sich auf jeden Fall warm anziehen und mit Angriffen von linksaussen wie von rechts rechnen.

Potenzielle künftige Präsidenten und Präsidentinnen Frankreichs

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  • Bild 1 von 8. Die sieben Kandidierenden auf einen Blick. (v.l.): Bruno Retailleau, Raphaël Glucksmann, Marine Le Pen, Édouard Philippe, Jean-Luc Mélenchon, Marine Tondelier und Gabriel Attal. Bildquelle: Reuters/Stephanie Lecoq.

    Sieben Personen stehen auf einer gelben Bühne, Publikum im Hintergrund.
  • Bild 2 von 8. Gabriel Attal. Geburtsjahr: 1989. Partei: Renaissance. Attal war von Januar 2024 bis September 2024 Premierminister Frankreichs. Bildquelle: Reuters/Stephanie Lecoq.

  • Bild 3 von 8. Marine Le Pen. Geburtsjahr 1968. Partei: Rassemblement National (RN). Le Pen kandidierte 2012, 2017 und 2022 für die Präsidentschaft. 2017 und 2022 kam sie in die Stichwahl gegen Emmanuel Macron. Bildquelle: Reuters/Stephanie Lecoq.

  • Bild 4 von 8. Jean-Luc Mélenchon. Geburtsjahr: 1951. Partei: La France insoumise (LFI). Mélenchon kandidierte 2012 mit dem Wahlbündnis Front de gauche für die Präsidentschaft. 2017 kandidierte er als parteiunabhängiger Kandidat. 2022 trat er für die Partei LFI an. Bildquelle: Reuters/Stephanie Lecoq.

  • Bild 5 von 8. Raphaël Glucksmann. Geburtsjahr: 1979. Partei: Place publique (PP). Bildquelle: Reuters/Stephanie Lecoq.

  • Bild 6 von 8. Édouard Philippe. Geburtsjahr: 1970. Partei Horizons. Von 2017 bis 2020 war er Premierminister unter Macron. Von seiner damaligen Partei Les Républicains wurde er ausgeschlossen. Seit 2021 ist er in der von ihm selbst gegründeten Partei Horizons, die in Macrons Regierung mitarbeitet. Bildquelle: Reuters/Stephanie Lecoq.

  • Bild 7 von 8. Marine Tondelier. Geburtsjahr: 1986. Partei: Les Écologistes. Sie war Mitglied des Nouveau Front Populaire (NFP), einem Bündnis Linker und Grüner, das 2024 die Wahlen gewann. Bildquelle: Reuters/Stephanie Lecoq.

  • Bild 8 von 8. Bruno Retailleau. Geburtsjahr: 1960. Partei: Les Républicains. Er war Innenminister im Kabinett von Michel Barnier (2024) und blieb auch unter François Bayrou im Amt bis Oktober 2025. Bildquelle: Reuters/Stephanie Lecoq.

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