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Tuesday, September 1, 2026

Literaturnobelpreisträgerin – «Der goldene Faden»: So schreibt Han Kang ihre Bestseller

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Vor zwei Jahren erhielt die südkoreanische Schriftstellerin Han Kang den Literaturnobelpreis. Nun erscheint mit «Der goldene Faden» ein sehr persönliches Buch auf Deutsch. Darin gibt die Autorin Einblick in ihr Schreiben und in die Fragen, die sie seit ihrer Kindheit begleiten.

«Wo könnte die Liebe sein? In meinem pochenden Herzen ist sie verborgen. Was ist Liebe? Ein goldener Faden, der Herz mit Herz verbindet.»

Diese Zeilen schrieb Han Kang als Achtjährige. Das Kindergedicht steht am Anfang und am Ende ihres neuen Buches und liefert ihm seinen Titel.

Literatur als goldener Faden

«Der goldene Faden» ist kein Roman. Han Kang verbindet Essays und autobiografische Reflexionen, kurze Prosastücke, Gedichte und ein mit Fotografien illustriertes Gartentagebuch. Zusammen ergeben sie eine Art Poetik des Lebens und Schreibens.

Han Kangs bisherige Werke

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  • «Die Vegetarierin». Der internationale Durchbruch, auch ausgezeichnet mit dem International Booker Prize 2016.
  • «Menschenwerk». Ein Roman über das Massaker von Gwangju 1980 und die Spuren politischer Gewalt.
  • «Weiss». Ein poetisches Buch über Trauer, Verlust und Erinnerung.
  • «Griechischstunden». Die Begegnung zweier Menschen, die auf unterschiedliche Weise Sprache und Wahrnehmung verlieren.
  • «Unmöglicher Abschied». Roman über Freundschaft, Erinnerung und das Massaker auf der Insel Jeju.
  • «Der goldene Faden». Essays, autobiografische Texte, Gedichte und Gartentagebuch.

Dabei blickt Han Kang zurück auf ihre bisherigen Bücher und erkennt eine Verbindung zwischen ihnen: Letztlich kreisen sie alle um die Liebe, selbst wenn sie von Gewalt, Verlust und Schmerz erzählen. Sprache ist für Han Kang der Versuch, die Distanz zwischen Menschen zu überwinden. 2024 erhielt sie dafür den Literaturnobelpreis. Die Jury würdigte ihre «intensive poetische Prosa», die sich historischen Traumata stellt und die Zerbrechlichkeit menschlichen Lebens sichtbar macht.

Drei Spiegel für einen Garten

Besonders schön zeigt sich Han Kangs Blick auf die Welt in ihrem Gartentagebuch. 2019 kaufte sie ein kleines traditionelles Haus in Seoul. Im winzigen, schattigen Innenhof wollte sie einen Garten anlegen. Doch den Pflanzen fehlte das Licht. Also stellte Han Kang drei Spiegel auf, um die Sonnenstrahlen einzufangen und auf Flieder, Ahorn, Blaubeersträucher und Hortensien zu lenken. Es funktionierte.

Es ist eine kleine Episode, die viel über diese Schriftstellerin erzählt: über ihre Geduld, ihre Aufmerksamkeit und ihre Fähigkeit, im Alltäglichen etwas Grundsätzliches zu entdecken.

Auch ihr Schreiben erscheint als langsame, konzentrierte Arbeit. Han Kang erzählt vom frühen Aufstehen, vom Schreiben und Spazierengehen und von einer kleinen Tasse Tee, für die sie ihre Arbeit mehrmals täglich bewusst unterbricht. Schreiben entsteht hier nicht aus einem plötzlichen Inspirationsrausch, sondern aus Disziplin, Achtsamkeit und einer fast meditativen Konzentration auf die Wirklichkeit.

Ein verbindendes Buch

«Der goldene Faden» ist ein stilles Buch. Gerade darin liegt seine Stärke. Wer Han Kangs Romane kennt, versteht nach der Lektüre besser, woher ihre Literatur kommt. Hinter den grossen Themen ihres Werks stehen erstaunlich einfache Bilder: ein pochendes Herz, ein selbst getackertes Gedichtheft, eine Teetasse und ein Mini-Garten voller Spiegel. Sie alle führen zurück zu jener Frage, die Han Kang schon als Kind stellte: Was verbindet einen Menschen mit einem anderen?

Vielleicht ist Literatur für sie genau das: ein goldener Faden von Herz zu Herz.

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