Canva: Umstrukturierung und Stellenabbau
Das australische Softwareunternehmen Canva hat Stellenstreichungen und eine grundlegende Umstrukturierung angekündigt. Betroffen ist mehr als ein Fünftel der Belegschaft. Die „überaus schwierige Nachricht“ kündigte Canva-CEO Melanie Perkins in einer am Dienstag auf der Website des Unternehmens veröffentlichten Mitteilung an die Belegschaft an. Demnach werden 1.271 Mitarbeitende, das entspricht 22 Prozent der Belegschaft, ihren Arbeitsplatz verlieren, eine andere Rolle übernehmen oder an einen der zentralen Standorte des Unternehmens wechseln.
Ohne künstliche Intelligenz direkt zu erwähnen, schreibt Perkins, dass „neue Technologien verändern, was Menschen erschaffen können, wie sie es tun und was sie von den Produkten erwarten, die sie nutzen“. Zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt habe sich das Wachstum des Unternehmens verlangsamt. „Kleine Anpassungen“ reichten nicht aus, um sich für das nächste Jahrzehnt richtig aufzustellen, so Perkins.
Umstrukturierung wegen KI-Boom
Canva vertreibt Software zur Bild- und Videobearbeitung. Wie andere Softwarefirmen ist das australische Unternehmen vom allgemeinen Umbruch in der Branche durch den KI-Boom betroffen. KI-Modelle wie Claude von Anthropic oder ChatGPT von OpenAI untergraben das bestehende Geschäftsmodell, da sie Usern ermöglichen mehr Aufgaben ohne spezialisierte Software zu erledigen. Gleichzeitig benötigen Softwareunternehmen durch den Einsatz von KI selbst weniger Personal. Gerade erst hat Open-Source-Softwareunternehmens SUSE einen massiven Stellenabbau aufgrund von „Automatisierung und KI“ angekündigt.
Canva-Chefin Perkins nannte keine genaue Zahl, wie viele Mitarbeitende ihren Hut nehmen müssen. Sie erklärte lediglich, dass das Unternehmen schlanker aufgestellt werden müsse und man künftig auf kleine, eigenverantwortliche Teams setzen wolle. Zu starke Spezialisierungen würden reduziert und Hierarchien abgeflacht, um Verantwortungsbereiche zu erweitern, so Perkins. „Wir möchten wieder mehr Zeit in die eigentliche Produktentwicklung investieren – und weniger Zeit damit verbringen, Prozesse zu koordinieren“, erklärte sie.
Sydney wird zum zentralen Standort für einen Großteil der Produktteams von Canva. Perkins erklärte, dass künftig wieder mehr Mitarbeiter direkt vor Ort zusammenarbeiten werden. Ab Januar sollen die meisten „Hybrid-Beschäftigten“ etwa 2 bis 3 Tage pro Woche im Büro verbringen.
Geplanter Börsengang
Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg bereitet sich Canva auf einen möglichen Börsengang vor. Die nun eingeleitete Umstrukturierung versetze das Unternehmen aber in eine finanziell sensible Lage, so Bloomberg.
Erreichte die Unternehmensbewertung von Canva im Jahr 2021 noch einen Höchststand von 40 Milliarden US-Dollar, sank sie im darauffolgenden Jahr auf rund 26 Milliarden US-Dollar. Zwar habe sich der Unternehmenswert seitdem wieder erholt, schreibt Bloomberg, die Auswirkungen der jüngsten Turbulenzen aber seien noch unklar.
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