Darum zählte der Treffer von Luis Diaz nicht
Vier Tore des FC Bayern wurden beim 2:2 in Augsburg zurückgenommen, drei davon unstrittig. Das erste von Luis Diaz hätte jedoch trotz der Argumente des DFB besser zählen sollen, die Entscheidung konterkarierte den Sinn des Spiels.

Schön, aber wertlos: Luis Diaz fliegt, FCA-Torwart Finn Dahmen patzte, doch der Treffer zählt wegen einer Abseitsstellung zuvor nicht. IMAGO/MIS
Tore sind bekanntlich das, wofür die Fans beim Fußball ins Stadion gehen oder vor ihren Bildschirmen mitfiebern. Bei denen des deutschen Rekordmeisters folgte auf den Jubel am Samstag oft genug die Ernüchterung, der VAR meldete sich. Große Fragezeichen hinterließ nach mehrminütigem Check vor allem die Szene in der 51. Minute, als Luis Diaz nach Flanke von Ismael Saibari artistisch zum Seitfallzieher ansetzte, der Ball durch die Hände von FCA-Keeper Finn Dahmen ins Tor kullerte. Doch das Tor zählte nicht.
Was war passiert? In der unmittelbaren Entstehung war alles korrekt, nicht jedoch davor. Bei einer Freistoßflanke von Joshua Kimmich stand Zielspieler Josip Stanisic hauchdünn im Abseits, als er köpfte. Anschließend klärte Augsburgs Han-Noah Massengo die Situation, allerdings so unzureichend, dass der Ball wenige Sekunden später doch im Tor lag. Die entscheidende Frage: War dadurch eine neue Spielsituation entstanden oder nicht?
Spielbericht
Ein Anruf bei Alex Feuerherdt, dem Leiter Kommunikation und Medienarbeit der DFB Schiedsrichter GmbH, bringt zumindest Klarheit, warum die Entscheidung so ausfiel. Abgewogen werde demnach erstens, wie kontrolliert Massengo klären konnte, sprich Zeit und Gegnerdruck, zweitens, ab wann es sich wirklich um eine neue Angriffssituation für die Bayern handelte. Der VAR kam zu der Entscheidung, dass der Ball nicht weit genug weg war, also keine neue Situation.
Fehler liegt beim Assistenten
Allerdings, so Feuerherdt, habe er auch Verständnis für die Argumentation einer neuer Spielsituation. Der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich sah eine solche bei Sky gegeben, der kicker schloss sich in seiner Bewertung des Schiedsrichter-Teams dieser Linie an. Massengo konnte kontrolliert klären, es wäre sein Pech gewesen, dass er es nicht sauber genug tat.
Viel gravierender übrigens: Die Aufregung wäre nie entstanden, hätte Assistent Eduard Beitinger die Abseitsposition von Stanisic sofort erkannt, Jablonski daraufhin das Spiel unterbrochen und auf Freistoß Augsburg entschieden. So bleibt aufgrund eines aberkannten Tores ein fader Beigeschmack, weil im hier vorliegenden Zweifel bzw. Graubereich eben nicht für die angreifende Mannschaft entschieden wurde. Stichwort Tore als Sinn des Spiels.
Müßig bleibt ganz nebenbei die Spekulation, ob ein gegebenes Tor Einfluss auf den Spielausgang gehabt hätte. Schließlich schüttelten sich die Bayern kurz und trafen eine Minute nach der Entscheidung durch Saibari doch zum 1:1. Ein Tor, das ohne die VAR-Entscheidung so wohl nicht gefallen wäre.
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