«Kann tödlich enden»: Feuerwerk-Choreo bei Zürcher Derby

- Beim Zürcher Derby im Letzigrund zündeten FCZ-Fans eine Feuerwerkchoreo mit Raketen und römischen Lichtern – trotz generellem Verbot in Schweizer Stadien.
- Feuerwerksexperte Janosch Bär warnt: Aus der Hand abgeschossene Feuerwerkskörper können unkontrolliert explodieren.
- In den sozialen Medien war von einem verbrannten Pulli und Verbrennungen an einer Hand zu lesen.
Das 295. Derby zwischen GC und dem FCZ lieferte viele Geschichten – ein verschossener Elfmeter, ein Trainer ohne Stimme, Legenden auf der Tribüne und eine Vertragsauflösung. Doch schon vor Anpfiff wurde eine weitere Geschichte geschrieben – jene von Feuerwerkskörpern im Stadion.
Die Zürcher Südkurve liess es beim Einlauf der Teams so richtig krachen. Raketen, römische Lichter – es knallte und blitzte. Der FCZ postete die Videoaufnahmen auch in den sozialen Medien. «Eine beeindruckende Choreo», schreibt der Club. Auch viele Fans waren dieser Meinung. Allein auf Instagram hatten zwei Beiträge über 22'000 «Gefällt mir»-Angaben.
Doch es gab auch negative Stimmen – denn Feuerwerkskörper jeglicher Art sind in den Schweizer Stadien eigentlich verboten. Eigentlich, denn die Sicherheitskontrollen sind nicht ganz auf die Verhinderung solcher Aktionen ausgelegt. Nicht nur im Letzigrund, sondern in zahlreichen Stadien der Schweiz. Beim Derby waren die GC-Sicherheitskräfte für die Kontrolle zuständig, und nicht nur die FCZ-Anhänger brachten zahlreiche Feuerwerkskörper ins Stadion, sondern auch die Fans des Heimteams. Was von der Liga auch mit einer Geldstrafe sanktioniert wirf
«Mir hat es den ganzen Magen zusammengezogen»
Auch die Hoppers veranstalteten ein Feuerwerk, dazu kamen Böller. Besonders die beiden gezündeten Böller machten Probleme. Denn während man mit der Aktion der FCZ-Anhänger gerechnet hatte, kamen diese Böller ohne Vorwarnung. Ein Besucher der Partie zu 20 Minuten: «Ich gehe jetzt schon viele Jahre ins Stadion, aber so erschrocken bin ich noch nie. Mir hat es den ganzen Magen zusammengezogen.»
20 Minuten hat mit dem Feuerwerksexperten Janosch Bär von «AKindofFire» gesprochen. Dieser nahm die Aktion der Fanlager mit Kopfschütteln zur Kenntnis. Der Grund: Die Produkte seien zwar legal, doch man halte sich in der Kurve definitiv nicht an den Sicherheitsabstand. «Der ist gleich null in der Menge. Die Feuerwerksbatterien müssen im Boden verankert werden, doch in solchen Situationen werden diese aus der Hand abgeschossen oder stehen auf Holz-Podesten.»
Feuerwerk prallt vom Dach zurück
Der 31-Jährige weiter: «Das kann fatal sein. Die Produkte geben einen Rückstoss wie auch eine Pistole. Der stoppt aber nirgends. Das heisst, das Produkt fliegt aus der Hand eventuell weniger hoch und kommt dann vor der Explosion zurück und kann in der Menschenmenge explodieren.» Bär, der zahlreiche Diplome im Bereich der Feuerwerkskörper erworben hat, sagt: «So etwas kann tödlich enden.» In den Videos aus dem Stadion war zu sehen, wie zahlreiche Raketen am Dach des Stadions abprallten und zurückflogen.

Zumindest in den Kommentaren in den sozialen Medien war von einem verbrannten Pulli und Verbrennungen an einer Hand zu lesen. «Wahnsinnig unverantwortlich. Man gefährdet jegliche anderen Menschen im Stadion. Wir reden von Verbrennungen, Hörstürzen und Augenverletzungen. Damit ist nicht zu scherzen», so der Zürcher Oberländer. Natürlich sei es imposant, solche Feuerwerke zu beobachten. «Aber wenn man die Kraft dahinter kennt, wenn man mal daneben steht, dann ist das schon eine Wucht.»
Für Bär ist übrigens sicher, dass die ganze Feuerwerksbranche gegen das Abfeuern im Stadion sei. Dann fügt er an: «Ich meine, die ganzen Leute in der Kurve sahen ja auch nichts, standen einfach im Rauch. Warum also nicht einfach eine organisierte Choreo eines Profis?» Platz habe es im Letzigrund aufgrund der Laufbahn ja genügend.
20 Minuten stellte eine Anfrage bei der Liga, bei GC und dem FCZ.
Sven Forster (fss) arbeitet seit 2018 für 20 Minuten. Er ist seit Anfang 2024 als Blattmacher im Einsatz. Dazu leitet er seit September 2024 das Sportressort.
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