So groß ist das Risiko für einen Gas-Engpass
Deutschlands Gasspeicher sind Ende Juli 2026 nur zu rund 47 Prozent gefüllt. Vor Beginn der Heizsaison stellt sich die Frage: Braucht Deutschland eine nationale Gasreserve?
23.09.2026 | 2:29 minDie Füllstände der Gasspeicher in Deutschland sind auf einem historischen Tiefstand und die Zeit, zusätzliches Gas einzuspeichern, wird knapp. Darum gab es zuletzt vermehrt Diskussionen darüber, wie gut Deutschland auf den Winter vorbereitet ist - und ob eine neue Gasknappheit droht.
Aktuell sind die Gasspeicher in Deutschland zu rund 57 Prozent gefüllt. Das sind 20 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Laut der gesetzlichen Füllstandsvorgabe für Gasspeicher sollen diese insgesamt bis zum 1. November zu durchschnittlich 70 Prozent gefüllt sein. Ob die Zielvorgabe in diesem Winter noch erreicht werden kann, ist fraglich.
Laut "Heizspiegel 2026" müssen Verbraucher in diesem Jahr wohl erneut mit höheren Heizkosten rechnen. ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann ordnet ein.
22.09.2026 | 1:38 minIran-Krieg macht Gaskäufe teurer
Dass die Gasspeicher kurz vor dem Winter noch so leer sind, liegt laut Sebastian Heinermann vom Gasspeicherverband INES an zwei Faktoren: "Zum einen sind wir aus dem letzten Winter mit sehr niedrigen Füllständen gestartet und das zweite ist, dass die Schließung der Straße von Hormus zu einem starken Anstieg der Preise im Sommer geführt hat und damit die Befüllung teurer war als in den Vorjahren."
Früher kauften die Gashändler im Sommer günstig Gas ein und speicherten es, um es im Winter teurer zu verkaufen. Nun ist das Einspeichern für die Unternehmen nicht mehr wirtschaftlich. Die Folge: Die Gasspeicher bleiben leer.
Für viele Hausbesitzer wird die Heizsaison deutlich teurer. Seit Januar stieg der Preis für 100 Liter Heizöl von unter 100 auf rund 179 Euro. Mit Beginn des Irankriegs nahm der Anstieg Fahrt auf.
16.09.2026 | 1:31 minExperten: Gasversorgung für Winter 2026/2027 gesichert
Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, sieht die Gashändler in der Verantwortung. Die Gasversorgung sei trotz niedriger Füllstände gesichert, da die Gashändler ihren Verpflichtungen gegenüber Stadtwerken und der Industrie vertraglich nachkommen müssen. Müller sagt:
Die Verantwortung ist klar und die Bundesnetzagentur erwartet auch, dass die Gashändler sie erfüllen.
Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur
Auch Professor Aaron Praktiknjo, Energieökonom an der RWTH Aachen, sieht die Gasversorgung für den kommenden Winter vorerst nicht in Gefahr: "Für einen normalen Winter und wenn nichts Unerwartetes passiert, sind wir auf jeden Fall gut ausgerüstet. Ich sehe es nicht, dass die Haushalte frieren werden. Das Risiko liegt eher bei der Industrie. Wenn es wirklich zu einer großen Gasknappheit kommen würde, dann hat unsere Industrie enorme Probleme."
Füllstand der deutschen Gasspeicher
ZDFheute Infografik
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Teure Gas-Importe
Bei einem Winter mit milden Temperaturen sollte das Gas laut den Experten nicht knapp werden. Doch je weniger Gas in den Speichern ist, desto mehr muss teuer importiert werden. "All das Erdgas, was wir in Deutschland verbrauchen, importieren wir überwiegend durch Pipelines aus Norwegen oder LNG-Terminals in Deutschland oder im europäischen Ausland", sagt Praktiknjo.
Wir sind schon sehr importabhängig.
Aaron Praktiknjo, Energieökonom RWTH Aachen
Trotz 21 Sanktionspaketen fließen weiter Milliarden nach Russland. Bei Schattenflotte, Gasimporten und Visa hat die EU noch Spielraum für schärfere Maßnahmen.
01.09.2026 | 1:26 minRisiko: Sabotage an Pipelines oder LNG-Terminals
Verlässliche Handelsbeziehungen und eine sichere Infrastruktur sind also wichtige Voraussetzungen für die Gasversorgung in diesem Winter. Ausfälle von Gaslieferungen, etwa durch Sabotage an Pipelines oder LNG-Terminals, sind ein zusätzliches Risiko. Sebastian Heinermann vom Gasspeicherverband INES sagt: "Mit niedrig gefüllten Gasspeichern jetzt dazustehen, ist verheerend und sollte in Zukunft verlässlicher organisiert werden. Das heißt, wir brauchen an der Stelle wirklich Reformen, die Resilienz in die Praxis überführen."
TotalEnergies wird Beihilfe zu Völkerrechtsverbrechen in Ostafrika vorgeworfen, die 2021 passierten. Trotzdem soll Siemens Energy für dessen Flüssiggasprojekt zukünftig Bauteile liefern.
01.07.2026 | 11:26 minUm besser auf Krisenfälle vorbereitet zu sein, plant die Bundesregierung ab 2027 eine strategische Gasreserve. Dafür sollen zehn Prozent der Speicherkapazitäten genutzt und für den Notfall zurückgehalten werden. Das hilft in diesem Winter aber noch nicht. Es bleibt also die Hoffnung auf einen milden Winter, dass die USA zuverlässig Gas liefern und die Pipelines aus Norwegen und den Nachbarländern intakt bleiben.
Theresa Freund arbeitet im ZDF-Landesstudio Nordrhein-Westfalen.
Quelle: ZDF
Über dieses Thema berichtete das ZDF-Mittagsmagazin am 23.09.2026 ab 12 Uhr.
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