Angriffe auf Ölterminal – Was nützt Saudi-Arabien Frankreichs Hilfe gegen die Huthi?

Frankreich schickt Soldaten und Luftabwehr nach Saudi-Arabien. Sie sollen das Ölterminal Yanbu am Roten Meer schützen. Dieses Ölterminal haben die Huthi aus dem Jemen zuletzt schwer beschädigt. Nun hat Saudi-Arabien angekündigt, zusammen mit der Türkei und Pakistan ein Dringlichkeitstreffen abzuhalten. Saudi-Arabien sucht also Verbündete gegen die Huthi. Nahost-Korrespondent Thomas Gutersohn zu den aktuellen Entwicklungen.
Thomas Gutersohn
Nahost-Korrespondent
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Thomas Gutersohn lebt seit 2023 in Amman und berichtet für SRF aus dem Nahen Osten. Von 2016 bis 2022 war er als Südasien-Korrespondent tätig, zuvor hatte er aus der Westschweiz berichtet. Gutersohn arbeitet seit 2008 bei SRF und hat in Genf internationale Beziehungen studiert.
Was bringt den Saudis die Unterstützung von Frankreich?
Yanbu ist ein wichtiger Hafen im Roten Meer, durch den Saudi-Arabien noch Öl exportieren kann. Aber er liegt in Reichweite der Huthi. Er wurde auch in der Nacht auf Freitag erneut von den Huthi angegriffen. Saudi-Arabien konnte diese Angriffe abwehren, wird aber künftig auf Unterstützung angewiesen sein. Denn die Hafenanlage in Yanbu sowie die wichtige Ost-West-Pipeline, durch die Saudi-Arabien in letzter Zeit sein Öl quer durchs Land nach Yanbu pumpte, wurden beide angegriffen. Die Anlagen wurden notdürftig repariert, aber sie bleiben auf absehbare Zeit Ziele, die jederzeit und einfach anzugreifen sind. Insofern ist da die Unterstützung aus Frankreich aus Sicht Saudi-Arabiens sicherlich sehr willkommen.
Welchen Nutzen hätte Saudi-Arabien von einem Pakt mit Pakistan und der Türkei?
Dieser Pakt ist bisher lediglich ein Papiertiger. Es sind mächtige Partner, die sich Saudi-Arabien da geschaffen hat. Das dient der Abschreckung. Pakistan ist eine Atommacht, die Türkei eine regionale Macht. Zusammen mit dem Königreich hätten sie eine enorme Schlagkraft. Das Problem ist, dass diese Partner unterschiedliche Probleme und Interessen haben und sich kaum in diesen Konflikt hineinziehen lassen werden. Saudi-Arabien führte bereits sieben Jahre Krieg gegen die Huthi, ohne diesen gewonnen zu haben. Dieser Krieg war an sich schon asymmetrisch. Saudi-Arabien besitzt über eine weitaus besser ausgerüstete Armee als die Huthi und nur durch ein noch grösseres Ungleichgewicht dieser Waffenstärke lässt sich dieser Krieg wohl kaum gewinnen. Insofern nützt dieser Pakt Saudi-Arabien bisher herzlich wenig.
Warum steht Saudi-Arabien als wichtiger Öllieferant trotzdem allein da?
Einerseits, weil es eben so schwierig ist, Krieg gegen die Huthi zu führen. Man fürchtet einen weiteren nicht enden wollenden Krieg in der Region. Andererseits wird der Krieg im Jemen nach wie vor als lokaler Krieg betrachtet. Die Ambitionen der Huthi beschränken sich auf den Jemen. Die Huthi sagen, dass für die internationale Schifffahrt von ihnen keine Gefahr ausgeht. Das dürfte sich nun ändern und auch Schiffe mit französischer Flagge auf die Abschussliste der Huthi kommen – nun, da Frankreich die USA aktiv unterstützt. Das dürfte wiederum andere abschrecken, sich einzumischen. Es scheint, als wolle sich niemand an den Huthis die Finger verbrennen – allen voran Saudi-Arabien, denn ein langer Krieg wäre schlecht für den Handel auf längere Frist.
Wie geht es weiter für Saudi-Arabien?
Saudi-Arabien steckt tatsächlich in einem Dilemma. Es hat Krieg geführt gegen die Huthi. Das hat nichts gebracht. Es hat auch mit den Huthi verhandelt. Auch das mit geringem Erfolg. Es wurde ein Waffenstillstand erzielt, der vier Jahre lang hielt, aber nichts an der Situation im Jemen änderte und jetzt durch die Offensive der Huthi vor zwei Wochen hinfällig geworden ist. Momentan weiss wohl noch nicht einmal Riad, wie es künftig mit den Huthi umgehen will.
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