Umgang mit Konflikten – Mobbing: So wehren sich Arbeitnehmende richtig

Plötzlich kürzt die Vorgesetzte den Lohn. Oder: Der Chef macht anzügliche Bemerkungen. Oder: Sie fühlen sich von Kolleginnen und Kollegen ausgeschlossen. Konflikte am Arbeitsplatz sind einschneidend und können Arbeitnehmende zermürben. Der Grat zwischen einem Konflikt und systematischem Mobbing ist schmal. Für beide Fälle ist es gut zu wissen, wie sich Arbeitnehmende wehren können.
Irmtraud Bräunlich Keller
Arbeitsrechtsexpertin und Buchautorin
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Irmtraud Bräunlich Keller arbeitete jahrelang als Juristin und Arbeitsrechtsexpertin für den Beobachter. Sie schrieb mehrere Ratgeber zu Themen aus der Arbeitswelt, unter anderem auch zum Thema Mobbing.
SRF: Wo liegt die Grenze zwischen einem Konflikt bei der Arbeit und Mobbing am Arbeitsplatz?
Irmtraud Bräunlich Keller: Konflikte können sehr unterschiedlich sein. Das kann mal kurz aufflammen, löst sich dann irgendwann wieder. Mobbing ist immer ein längerer, destruktiver Prozess.
Man sollte darauf achten, zwischen Tatsachen und dem eigenen Interpretieren zu unterscheiden.
Laut Definition des Bundesgerichts ist Mobbing ein systematisches, feindseliges Verhalten, mit dem eine Person gezielt schikaniert und ausgegrenzt wird. Mobbing besteht aus vielen Einzelhandlungen und wenn man diese isoliert betrachtet, dann sind sie vielleicht gar nicht so dramatisch. Man grüsst mich nicht oder man verdreht die Augen, wenn ich etwas sage, und so weiter. Wenn das aber immer wieder vorkommt, über eine längere Zeit, dann wirkt das sehr zerstörerisch.
Reden wir vom Konflikt – wie soll ich als Betroffene in so einem Fall vorgehen?
Wenn ich merke, dass einzelne Vorfälle mich belasten, ist es gut, einmal in einer ruhigen Minute zu überlegen, was eigentlich ganz konkret passiert. Und dabei soll man darauf achten, zwischen Tatsachen und dem eigenen Interpretieren zu unterscheiden. Es ist nicht immer alles bös gemeint.
Es ist wichtig, immer korrekt und lösungsorientiert zu bleiben.
In einer ersten Phase würde ich die Situation ansprechen, und zwar nicht anklagend, sondern im Sinne von: Da läuft etwas nicht mehr optimal. Wie können wir das lösen? Bei Belästigung oder bei Beleidigungen kann man auch deutlicher werden und sagen: Stopp, das akzeptiere ich nicht. Ich erwarte einen kollegialen Umgang und sonst müsste ich mir andere Schritte überlegen.
Wenn das nicht fruchtet, was ist der nächste Schritt?
Man kann schriftlich nachdoppeln. Dann würde ich auch die Vorgesetzten einbeziehen, das Gespräch mit allen Beteiligten vorschlagen und dort erklären, was mich stört. Es ist wichtig, immer korrekt und lösungsorientiert zu bleiben.
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Vorgesetzte haben Pflichten. Sie müssen mich als Arbeitnehmerin schützen. Was heisst das konkret?
Das ist die gesetzliche Fürsorgepflicht. Vorgesetzte müssen Persönlichkeit und Gesundheit der Angestellten schützen. Konkret müssen sie für ein konstruktives Arbeitsklima sorgen. Bei Mobbing, sexueller Belästigung und in anderen Konflikten müssen sie Massnahmen ergreifen, um die Situation zu entspannen.
Bei wiederkehrenden Schikanen, etwa bei Mobbing, würde ich so rasch wie möglich Hilfe holen.
Das können Gespräche sein mit allen Beteiligten, eventuell eine interne Untersuchung der Vorfälle, Teamcoaching, organisatorische Massnahmen, Verwarnungen und so weiter. Darauf kann man sich als Arbeitnehmer oder Arbeitnehmerin berufen, notfalls schriftlich.
Dokumentieren Sie den Verlauf eines Konflikts
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Wer sich auf anständige Weise für seine Rechte wehrt, sollte das belegen können. Das heisst, Mails sicherstellen, schriftlich nachfragen, weshalb etwa ein Vorgesetzter nichts unternehmen will. Und wichtig ist auch im Hinblick auf eine mögliche Kündigung, die Beweise so zu sichern, dass man noch Zugriff darauf hat, auch wenn man nicht mehr im Betrieb ist.
Sollte sich eine Kündigung später als rechtswidrig herausstellen, kann eine betroffene Person eine Entschädigung einklagen von bis zu sechs Monatslöhnen, je nach Schwere der Situation.
Wo bekomme ich Hilfe, wenn Vorgesetzte wegschauen?
Gerade bei wiederkehrenden Schikanen, etwa bei Mobbing, würde ich so rasch wie möglich Hilfe holen. Das kann bei einer neutralen Anlaufstelle im Betrieb sein, bei einem Berufsverband oder bei einer spezialisierten Beratungsstelle.
Man kann sich auch zeitweilig krankschreiben lassen. Man sollte in dieser Zeit dann aber Hilfe holen, zum Beispiel bei einer Psychologin.
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