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Saturday, September 12, 2026

Zentrum beleben – City-Management: Die Hoffnung der Kleinstädte

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Marion Ernst geht durch die Liestaler Innenstadt. Sie grüsst da und dort, und hält ein Schwätzchen mit einem Foodtruck-Betreiber. Er lacht ihr von Weitem freudig zu und bedankt sich: Ernst habe ihm zu einem Ladenlokal verholfen, sagt er. «Sie hat mir sogar das Lokal gezeigt.»

Zwei Personen unterhalten sich auf einer belebten Strasse.
Legende: Marion Ernst im Gespräch mit einem Foodtruck-Betreiber, der mit ihrer Hilfe ein Ladenlokal gefunden hat. SRF

Marion Ernst ist die City-Managerin von Liestal, dem Kantonshauptort von Baselland. In der kleinen Stadt leben 16'000 Menschen.

«Ich bin die Drehscheibe vom Zentrum», erklärt Ernst. «Man kann mich auch Brückenbauerin, Vermittlerin oder Impulsgeberin nennen.» In ihrer Funktion als City-Managerin sorgt sie dafür, dass das «Stedtli», wie die Menschen in Liestal das Zentrum nennen, mehr Leute anlockt. Besonders wichtig ist ihr dabei, dass Ladenlokale nicht leer stehen.

Kürzlich sei jemand von einer Hundetagesstätte auf sie zugekommen, die ein Lokal suchte, erzählt Ernst aus ihrem Arbeitsalltag. «Gleichzeitig hat mir jemand einen Leerstand gemeldet, der gut zu dieser Hundetagesstätte passen würde.» Sie habe die Parteien zusammengebracht und so einen Leerstand vermeiden können.

Nicht nur Coiffeursalons und Dönerbuden

Als City-Managerin arbeitet Marion Ernst seit eineinhalb Jahren in Liestal. Stadtpräsident Daniel Spinnler sagt, ein Management sei für den Mix und damit die Attraktivität des Liestaler «Stedtlis» zentral.

«Immobilieninhaberinnen oder -inhaber sind vor allem dran interessiert, ihre Objekte schnell zu vermieten», sagt er. Sie würden nicht in erster Linie auf den Ladenmix im Stadtzentrum achten. So könne es zu einem Einheitsbrei kommen. «Plötzlich haben wir nur noch Coiffeursalons und Dönerbuden. Das ist nicht attraktiv.»

Um diesen «Einheitsbrei» zu verhindern und das Zentrum grundsätzlich zu beleben, setzt Liestal auf ein City-Management. Dieses kostet jährlich eine knappe halbe Million Franken. Liestal bezahlt einen Drittel, den Rest teilen sich Baselland Tourismus und der lokale KMU-Verein.

Rheinfelden als Schweizer Pionierin

Vorbild für Liestal war Rheinfelden AG. Die kleine Stadt war 2020 die erste in der Schweiz, die eine City-Managerin einstellte. Eingeführt hatte man den Posten, nachdem eine Befragung ergeben hatte, dass eine ausgestorbene Altstadt eine der grössten Sorgen der Bevölkerung ist.

«Ich bekomme viele Anrufe aus andern Städten, die sich ebenfalls für ein City-Management interessieren», sagt Corinne Caracuta, City-Managerin von Rheinfelden.

Viele sind in der Nähe von grösseren Städten und deshalb starker Konkurrenz ausgesetzt.

Mittlerweile haben etwa 20 Städte eine City-Managerin oder einen City-Manager. Oft handle es sich dabei um kleinere Städte wie Aarau, Bremgarten, Rheinfelden oder Liestal, die als regionale Zentren fungieren, sagt Politikwissenschaftler Michael Strebel. «Viele von ihnen sind in der Nähe von grösseren Städten wie Zürich oder Basel. Sie sind deshalb starker Konkurrenz ausgesetzt.» Dazu komme die Konkurrenz durch Einkaufszentren und den Onlinehandel.

Den Erfolg eines City-Managements kann man allerdings nur schwer in Zahlen fassen. «Die Städte stehen ja nicht in einem Labor. Es gibt immer verschiedene Faktoren, die es zu berücksichtigen gilt», sagt Strebel.

Liestal versucht nun, aussagekräftige Zahlen zu sammeln. Die Stadt hat Sensoren installiert, die Menschen und Fahrzeuge im Zentrum erfassen. Belastbare Zahlen hat Liestal zwar noch keine. Ein erstes Fazit wagt Stadtpräsident Daniel Spinnler aber trotzdem: «Ich denke, die Stimmung im Stedtli hat sich spürbar verbessert.»

Regionaljournal Basel Baselland, 3.9.2026, 17:30 Uhr ;  kenc;ledn;noes

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