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Sunday, August 16, 2026

Fitnessboom in der Schweiz: Deswegen setzen Gymketten auf die junge Generation

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Nach dem Eintritt ins grösste Puregym-Studio der Schweiz im Zürcher Lochergut fallen zuerst die Sicherheitsstationen auf. Mitten im Raum steht ein hoher Glaskasten mit einem Erste-Hilfe-Set und einem Defibrillator. Unweit davon befindet sich eine Notrufstation, über die Mitglieder mit einem Sicherheitsmitarbeiter verbunden werden. Zu den unbetreuten Zeiten werden alle 45 Minuten Lautsprecherdurchsagen mit Hinweisen auf die Sicherheit gemacht.

Ein Kadermann, der die Journalistin durch das Studio führt, erklärt, dass es seines Wissens hierzulande kein anderes Fitnessstudio mit derart vielen Sicherheitsanweisungen gebe. Die Weisung dazu stamme aus dem Hauptquartier in Grossbritannien. Und das mit gutem Grund – dazu später mehr.

Ein britischer Riese erobert die Schweiz

Puregym ist die grösste Fitnesskette in Grossbritannien und eine der grössten in Europa. Nach eigenen Angaben trainieren weltweit über 2,5 Millionen Mitglieder in über 700 Studios. Mit eigenem Namen tritt Puregym in der Schweiz seit Ende 2021 auf. Bis dahin hatte die Kette alle Basefit-Studios rebrandet, die sie 2020 von der Muttergesellschaft Fitness World übernommen hatte.

Fünf Jahre später gehört Puregym mit fünfzig Standorten und nach eigenen Angaben mit über 100’000 Mitgliedern zu den grössten Ketten in der Schweiz. «Wir sehen weiteres Wachstumspotenzial in der Schweiz und planen, in den kommenden Jahren schweizweit zusätzliche Fitnessstudios zu eröffnen», antwortet Morten Bentzen, Geschäftsführer von Puregym Schweiz und Dänemark, schriftlich auf die Fragen der Handelszeitung.

Puregym zielt auf ein junges Publikum

Genaue Zahlen legt Puregym nicht offen, sicher aber ist, dass das Unternehmen mit seinem Angebot den Nerv einer jungen Generation trifft. Junge Menschen schätzen vor allem die «extreme Flexibilität» der Kette. So ist der Eintritt über die App 24 Stunden, sieben Tage die Woche in kompletter Eigenregie möglich. Ein weiterer Punkt sind die Preise. Puregym gehörte zu den ersten Fitnessketten im Land, die ein jederzeit kündbares Monatsabo im Angebot hatten. Die Preise variieren zwar nach Standort – monatlich 47 Franken für das Basisabo in Wil SG gegenüber 69 Franken in Zürich-Oerlikon –, doch lassen sich solche Beträge meist einfacher aufbringen als die Summe für ein Jahresabo.

Laut Bentzen richtet sich Puregym nicht an eine bestimmte Zielgruppe. Ziel sei es, «Trainingsräume für Menschen unterschiedlichster Altersgruppen und Geschlechter zu schaffen». Dennoch ist offensichtlich, dass sich vor allem junge Menschen angesprochen fühlen sollen. Das zeigt auch die aktuelle Werbekampagne in der Schweiz mit sehr jungen Models. Die Mitglieder von Puregym seien im Schnitt etwa dreissig Jahre alt, ist zu hören, und damit deutlich jünger als bei anderen Ketten wie dem Migros-Center Activ Fitness (vierzig Jahre) oder den Kieser-Studios (über 55 Jahre). Jung ist auch das Personal – die meisten Mitarbeitenden sind zwischen zwanzig und dreissig Jahre alt. Den jungen Kunden gefällt weiter, dass man rasch auf Trendsportarten reagiert, etwa mit eigenen Hyrox-Parcours an einzelnen Standorten.

Stereotype ändern sich

Gerade der Kraftraum hatte lange einen schlechten Ruf. Verbreitet war die Vorstellung einer Muckibude, in der muskelbepackte Männer in miefigen Kellern Hanteln stemmten und ab und zu mit Anabolika nachhalfen. Dieses Bild hat sich deutlich verändert, sagen befragte Fitnessprofis.

Das wirkt sich auf die ganze Branche aus. «Regelmässiges Training heute wird als fester Bestandteil eines gesundheitsbewussten Lebensstils angesehen – also als etwas, was in den Alltag eingebaut ist, nicht nur als Sport ab und zu», sagt Lisa Arnold vom Branchenverband Swiss Active.

Auf Puregym angesprochen, meint sie, dass es «sicherlich Fitnesskonzepte gebe, welche die jungen Zielgruppen stärker ansprechen als andere». Der Verband aber beobachte in allen Segmenten und Fitnesskonzepten eine Zunahme bei den jüngeren Zielgruppen. Denn Fitnesstraining gehöre heute zum Lifestyle, so die Medienchefin. Junge Erwachsene würden Fitness als Teil ihrer Identität, als Ausdruck von Leistungsfähigkeit, Attraktivität und mentaler Stärke sehen.

Das Segment der jüngeren Mitglieder wächst

Laut der Studie «Eckdaten der Schweizer Fitnesswirtschaft 2026» ist «insbesondere der starke Zuwachs bei jungen Trainierenden auffällig». Die Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen sei mit 26,1 Prozent erstmals die grösste Mitgliedergruppe und habe die 30‑ bis 39‑Jährigen überholt.

Claude Ammann ist Präsident des zweiten Branchenverbands, des Schweizerischen Fitness- und Gesundheitscenter Verbands (SFGV). Auch er beobachtet, dass das Segment der jüngeren Mitglieder wächst, vor allem in den günstigeren Zentren. Den Löwenanteil der Kosten verursachen die Mitarbeitenden; ein Zentrum mit vielen unbetreuten Öffnungszeiten könne natürlich billiger arbeiten.

Rekordlaune bei den grossen Ketten

Interessanterweise existieren bei 1,3 Millionen Menschen mit Fitnessabo gleich zwei grosse Branchenverbände in der Schweiz. Bei Swiss Active sind auch grosse Zentren angehängt, etwa Activ Fitness und der Migros Fitnesspark, Lets Go, Holmes Place und Puregym. Der Verband hat aktuell über 600 Studios. Zum SFGV gehören 450 eher kleinere und mittelgrosse, inhabergeführte Zentren. Eine Reihe von Betrieben ist bei keinem Verband Mitglied.

Spricht man mit den Verbänden über die Befindlichkeit der Branche, zeigt sich ein wachsender Graben (siehe auch Box). So sagt Arnold von Swiss Active, dass es der Branche so gut gehe wie noch nie: 92,1 Prozent der Betreiber beurteilten ihre wirtschaftliche Situation 2025 als gut oder eher gut – der höchste Wert seit Beginn der Erhebung. Nur 0,6 Prozent schätzten die Lage als schlecht ein. Positiv sei auch der Blick nach vorne: 79,3 Prozent der Betriebe erwarteten für das laufende Jahr eine weitere Verbesserung ihrer Lage.

Die Corona-Kredite nagen an den Einnahmen

Ganz anders dagegen Ammann vom KMU-Verband. «Corona hat vielen von uns fast das Genick gebrochen», erklärt er. «Weil die grossen Fitnesscenter ihren Mitgliedern die geschlossene Zeit kostenlos gutschreiben konnten, mussten die meisten von uns das auch machen. Das war sehr hart für uns, während es die grossen Ketten gut verkraften konnten.» Nach drei Jahren zahlten viele immer noch die Corona-Kredite ab. Einigen Zentren gehe es deshalb immer noch schlecht. Auch weil die Banken plötzlich Zinsen auf Corona-Kredite verlangen, obwohl «uns während der Vergabe zinslose Kredite versprochen worden waren», so Ammann.

Im «Branchenreport 2024/2025» vom SFGV ist zu lesen, dass das Eigenkapital über alle Umsatzgruppen hinweg noch im Jahr 2019 bei über 500’000 Franken lag. Ende 2024 waren es unter 100’000 Franken. Das hat Folgen: «Während und nach Corona haben wir 12 Prozent unserer Mitgliedcenter verloren», sagt Ammann. «Da allerdings über die Hälfte von anderen aufgekauft wurden, kam es hier nicht zu einer Bereinigung, sondern zu einer Marktverschiebung.»

Positiver Blick in die Zukunft

Dennoch ist auch er für die Zukunft positiv gestimmt. So konnten viele Mitglieder erfolgreich mit ihren Vermietern verhandeln, die Mieten für die Raumflächen seien deutlich gesunken. Zum anderen, das sagen alle Befragten, spiele der Branche «das Fitnessfeeling der Menschen, die möglichst lange fit und gesund bleiben wollen» in die Hände.

Als besonders hoch bezeichnen alle Fitnesscenter den Wettbewerbsdruck. Der neue CEO der Movemi-Gruppe, Markus Wolf, erklärt, dass sich Fitnesscenter jetzt genau überlegen müssten, wie sie auf diese umkämpfte Situation reagierten. Der frühere Unihockey-Spieler und Trainer, der auch als CEO des Skiverbands Swiss-Ski amtete und zuletzt als CEO das Tourismusunternehmen Weisse Arena Gruppe führte, übernahm am 1. Januar 2026 die operative Führung der unter der Marke Movemi vereinten Migros-Fitnessanlagen Activ Fitness und Fitnesspark. Diese ist gemessen an der Zahl der Studios die Nummer eins im Land.

Heute hätten 16 Prozent der Bevölkerung einen Mitgliederausweis in einem Fitnessstudio, sagt Wolf. «Menschen wollen länger gesund leben, und ich gehe davon aus, dass es sich um einen langfristigen und nachhaltigen Trend handelt und die Branche weiter wachsen wird.»

Die Antwort auf den Druck

Dennoch müsse sich jedes Studio genau überlegen, welche Zielgruppen mit welchem Angebotsmix bedient werden sollen, um so ein langfristig überlebensfähiges Betriebsmodell zu haben, sagt er. Möglich seien die verschiedensten Modelle von den kleinen fokussierten Studios bis hin zu grösseren Ketten. Es brauche Vielfalt im Markt. Auch Movemi wird bei den betreuten Studios von Activ Fitness bald auf erweiterte Öffnungszeiten umstellen. Zudem werden neue Filialkonzepte eingeführt, etwa das smarte Training mit Maschinen, die für jeden Trainierenden anhand seines Mitgliedsarmbands das korrekte Programm und den richtigen Widerstand einstellen; weiter geplant sind ein breiteres Kursangebot und Flächen für neue Formate.

Dass junge Menschen mehr trainieren, stösst überall auf Zuspruch, alle Befragten äussern sich zu Konzepten wie demjenigen von Puregym selbst hinter vorgehaltener Hand positiv. Dennoch stufen Befragte, darunter auch Eltern von Teenagern, zwei Punkte als problematisch ein. Zum einen die vielen unbetreuten Stunden. Passiere dann ein Übergriff oder ereigne sich ein medizinischer Notfall, könne das trotz den vielen Sicherheitsstationen sehr schnell sehr gefährlich werden, sagen Befragte.

QR-Codes statt Personal

Das Zweite ist die mangelnde Betreuung durch das Personal. So erhalten Neumitglieder bei Puregym kein kostenloses Einführungstraining. Stattdessen gibt es an jedem Gerät einen QR-Code, der die Nutzung erklärt.

Claude Ammann gibt zu bedenken: «Zeigt jemand eine Übung auf Youtube, dann kann diese Übung richtig gut sein, auch richtig gut erklärt. Nur: Es kann aber für eine bestimmte Person die komplett falsche Übung sein.» Eine falsch ausgeführte Liegestütze sei für eine Person mit Übergewicht fatal, ebenso können falsch ausgeführte Kniebeugen kontraproduktiv sein, wenn jemand Arthrose hat. «Ich bin davon überzeugt, dass gerade auch ein Anfänger, der noch nie Krafttraining gemacht hat, eine korrekte Einführung braucht und jemanden, der auf seine individuellen Bedürfnisse eingeht», sagt Ammann.

Puregym-Schweiz-Chef Bentzen verweist darauf, dass in den längeren unbesetzten Zeiten Videoüberwachung, Notrufstationen, Sicherheitsstationen und Defibrillatoren für Schutz und Unterstützung sorgen. Diese Massnahmen hätten sich weltweit bewährt und ermöglichten es, Sicherheit, faire Mitgliedsbeiträge und maximale Flexibilität weiterzuentwickeln, so Bentzen.

Info

Zwei Verbände, zwei Welten

Ungleich gross Wie können zwei Verbände der gleichen Branche zu derart entgegengesetzten Aussagen kommen? Laut Swiss Active geht es den Fitnessstudios so gut wie noch nie zuvor. Der Schweizerische Fitness- und Gesundheitscenter Verband (SFGV) zeichnet dagegen ein deutlich schwärzeres Bild zur aktuellen Befindlichkeit der Fitnessbranche. Ein Thema ist sicher die Grösse der Mitglieder. Für viele der KMU-Zentren beim SFGV ist es schwierig, mit steigenden Kosten und mehr Regulierung umzugehen. Swiss Active dagegen vertritt auch die grossen Fitnessketten, die Krisen leichter bewältigen können.

Ungleiche Daten Unterschiedlich sind zudem die Erhebungsmethoden. Der SFGV erhebt zusätzlich zu Umsatz- und Mitgliederzahlen weitere Daten, etwa zum Eigenkapital, zu Personalkosten oder Raummieten. Swiss Active dagegen stützt sich auf ihre nicht allzu zahlenlastige Eckdatenstudie, die über die Verbandsmitglieder hinaus erhoben wird. Informationen, etwa zum Eigenkapital, werden nicht nachgefragt. Den Puls fühle man auch beim regelmässigen Austausch mit den Mitgliedern, heisst es. Präzisiert wird, dass obige Aussage für die Branche gelte; auch bei Swiss Active gehe es nicht allen Mitgliedern gleich gut.

Ungleiche Zertifikate Die beiden Verbände haben nicht den besten Draht zueinander. Der Zwist soll zurückgehen auf Uneinigkeiten rund um die Zertifizierungen in den 1990er-Jahren. Genaue Auskunft darüber will niemand geben. In der Schweiz gibt es heute drei Zertifizierungen für Fitnesscenter: Fitnessguide, Qualitop und Qualicert. Diese ermöglichen es Mitgliedern, die über eine Zusatzversicherung verfügen, einen Beitrag ihrer Krankenkasse einzufordern.

Ungleiche Politik Uneinig sind sich die Verbände auch über das politische Engagement für die Branche. Der SFGV ist politisch sehr aktiv, etwa beim Einsatz für die Bekämpfung überhöhter Kreditkommissionen, gegen die Besteuerung von Trinkgeldern, gegen Krankenkassenkommissionen und für die Einführung von Titeln für das Fachpersonal. Swiss Active dagegen setzt sich eher im Hintergrund bei direkten Gesprächen mit Behörden für Themen ein, die regulatorische oder gesundheitspolitische Fragen zur Branche betreffen.

Zwei Verbände, zwei Welten

Ungleich gross Wie können zwei Verbände der gleichen Branche zu derart entgegengesetzten Aussagen kommen? Laut Swiss Active geht es den Fitnessstudios so gut wie noch nie zuvor. Der Schweizerische Fitness- und Gesundheitscenter Verband (SFGV) zeichnet dagegen ein deutlich schwärzeres Bild zur aktuellen Befindlichkeit der Fitnessbranche. Ein Thema ist sicher die Grösse der Mitglieder. Für viele der KMU-Zentren beim SFGV ist es schwierig, mit steigenden Kosten und mehr Regulierung umzugehen. Swiss Active dagegen vertritt auch die grossen Fitnessketten, die Krisen leichter bewältigen können.

Ungleiche Daten Unterschiedlich sind zudem die Erhebungsmethoden. Der SFGV erhebt zusätzlich zu Umsatz- und Mitgliederzahlen weitere Daten, etwa zum Eigenkapital, zu Personalkosten oder Raummieten. Swiss Active dagegen stützt sich auf ihre nicht allzu zahlenlastige Eckdatenstudie, die über die Verbandsmitglieder hinaus erhoben wird. Informationen, etwa zum Eigenkapital, werden nicht nachgefragt. Den Puls fühle man auch beim regelmässigen Austausch mit den Mitgliedern, heisst es. Präzisiert wird, dass obige Aussage für die Branche gelte; auch bei Swiss Active gehe es nicht allen Mitgliedern gleich gut.

Ungleiche Zertifikate Die beiden Verbände haben nicht den besten Draht zueinander. Der Zwist soll zurückgehen auf Uneinigkeiten rund um die Zertifizierungen in den 1990er-Jahren. Genaue Auskunft darüber will niemand geben. In der Schweiz gibt es heute drei Zertifizierungen für Fitnesscenter: Fitnessguide, Qualitop und Qualicert. Diese ermöglichen es Mitgliedern, die über eine Zusatzversicherung verfügen, einen Beitrag ihrer Krankenkasse einzufordern.

Ungleiche Politik Uneinig sind sich die Verbände auch über das politische Engagement für die Branche. Der SFGV ist politisch sehr aktiv, etwa beim Einsatz für die Bekämpfung überhöhter Kreditkommissionen, gegen die Besteuerung von Trinkgeldern, gegen Krankenkassenkommissionen und für die Einführung von Titeln für das Fachpersonal. Swiss Active dagegen setzt sich eher im Hintergrund bei direkten Gesprächen mit Behörden für Themen ein, die regulatorische oder gesundheitspolitische Fragen zur Branche betreffen.

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