Geld für die US-Midterms – Elon Musk will die Republikaner retten

Es ist die grösste bekannte Zahl für einen einzelnen Spender: 276 Millionen US-Dollar spendete Elon Musk allein in den Monaten Juli bis September für den Midterms-Wahlkampf der Republikaner. Zusätzlich zu rund 100 Millionen Dollar in den Monaten davor.
Das ist selbst für den für seine Sprunghaftigkeit bekannten Musk eine spektakuläre Kehrtwende.
Zurück im Weissen Haus
Nach seinem Bruch mit Donald Trump und dem Rauswurf aus dem Weissen Haus vor einem Jahr sagte Musk noch, er werde «in Zukunft sehr viel weniger politische Spenden» tätigen.
Doch nun ist Musk nicht nur der grösste bekannte Einzelspender der republikanischen Partei, er scheint auch zurück in der Gunst des Präsidenten. Bei einer Ehrung nannte ihn Donald Trump «meinen Freund» und verglich ihn mit Thomas Edison, dem Erfinder der Glühlampe: «Wenige Amerikaner haben mehr für die nationalen Interessen der USA getan als Elon Musk.»
Dass Musk nun so viel Geld für den republikanischen Wahlkampf spendet, ist kaum Zufall. Seine Kampagnen warnen vor einem «sozialistischen» Amerika, sollten die Demokraten die Zwischenwahlen gewinnen. Musk, dessen Unternehmen von millionenschweren Regierungsaufträgen profitieren, fürchtet nichts so sehr wie staatliche Regulierung. «Wir müssen die Regierung aus dem Leben der Leute raushalten,» so Musk bei einem Wahlkampfauftritt mit Donald Trump im Oktober 2024. «Freiheit hat Amerika gross gemacht.»
Die Weltsicht der «Tech-Bros»
Der Historiker Quinn Slobodian sitzt in einem alten Büro mit knarrendem Holzboden und hält sein Buch über den Mann in den Händen, der mit seinen Visionen den Mars besiedeln will. «Muskismus. Aufstieg und Herrschaft eines Technoking» heisst das Buch auf Deutsch, und Slobodian schreibt darin nicht nur über Musk, sondern denkt auch über die Folgen für unsere Gesellschaften nach.
«Was an Elon Musk als Erstes auffällt – und das gilt nicht nur für ihn, sondern die gesamte Führungselite des Silicon Valley –, ist sein Ingenieursdenken», sagt Slobodian. «Musk betrachtet die Welt wie ein Computerprogrammierer, und versteht Demokratie darin lediglich als eine Art Hindernis bei der Ausführung des Programms.»
Am liebsten kein Widerspruch
Für Musk sind heutige Gesellschaften nicht mehr in der Lage, die dringlichsten Probleme der Menschheit zu lösen. Das könnten nur technologische Durchbrüche sein, erzielt durch herausragende Ingenieursleistungen.
«Wenn sich Menschen dem nun widersetzen, wird dies nicht als etwas betrachtet, dem man durch einen konsensorientierten Prozess – der zu einer für alle akzeptablen Einigung führt – Rechnung tragen müsste», sagt Slobodian. «Vielmehr werden sie als Programmfehler angesehen, die für eine optimale Funktionsweise des Systems aus diesem heraus programmiert werden müssen.»
Die Kettensäge hat Musk bisher nicht wieder hervorgeholt. Aber viel Geld.
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