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Sunday, November 8, 2026

Die Walküre ist zurück: Wenn Säuglingsgespenster auf Dorschbacken treffen

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Die Walküre ist zurückWenn Säuglingsgespenster auf Dorschbacken treffen

08.11.2026, 12:37 Uhr imageVon Thomas Badtke

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Die Westfjorde sind Schauplatz von Satu Rämös "Hildur"-Krimis. (Foto: picture alliance / imageBROKER)

Seit Jahren fasziniert die "Hildur"-Reihe von Satu Rämö Island- und Krimi-Fans gleichermaßen. Die nach einer Walküre benannte Ermittlerin von den Westfjorden ist diesmal im "Tal der Schuld" unterwegs - mit Drogen, Himbeerbier, Raben und ihrer Tante Tinna. Grandios! 

"Irgendeine Frau aus Finnland ist hierhergezogen und hat angefangen, Mordgeschichten zu schreiben. Ich habe es nicht gelesen, aber die Verkäuferin im Buchladen hat es gelobt." Schonungslos ehrlich. Das ist Hildur, namensgebende Heldin der gleichnamigen Krimireihe der finnischen Autorin Satu Rämö. Mordgeschichten? Lob? Passt alles - auf Rämö und Hildur gleichermaßen.

Die hat es in ihren früheren Fällen schon mit Blutstuten zu tun gehabt. Diesmal kommen rabenähnliche Säuglingsgespenster vor. Klingt skurril, ist aber eine Tatsache: Isländischen Sagen zufolge geht es dabei um Aussetzungen. Über Jahrhunderte hatten Mütter ihre Säuglinge an bestimmten Orten ausgesetzt und sie damit dem Tod übergeben, weil sie dazu gezwungen worden waren beispielsweise durch ungewollte Schwangerschaften. Die toten Kinder suchten den Ort dann als Gespenster heim, erinnerten so an ihr trauriges Schicksal.

Und genau diese Aussetzungen könnten das Motiv für einen Mord an einer jungen Deutschen in Island sein. Paula arbeitete für eine isländische Hotelkette als Fotografin. Sie reiste im Land herum, schoss wunderschöne Naturaufnahmen oder Bilder von den Hotels der Kette. Doch von ihrer letzten Reise kehrte sie nicht zurück. Stattdessen wurde sie bei einem Schafabtrieb entdeckt. Tot. Auf den ersten Blick könnte sie von einem Felsen gestürzt sein und sich dabei das Genick gebrochen haben.

Doch es ist der zweite Blick, die besondere Sicht auf die Dinge, die Hildur so erfolgreich in ihrem Polizeijob macht. Sie ahnt, dass Paula ermordet wurde. Islands einziger Rechtsmediziner gibt ihr dann recht - und setzt damit eine Reise in die Vergangenheit in Gang: Schon vor mehr als 20 Jahren gab es einen ähnlichen Fall. Die Verbindung: Beide Frauen waren schwanger.

Sagenhaft verstrickt

Allerspätestens an diesem Zeitpunkt will man "Hildur - Das Tal der Schuld", Band fünf der bei Heyne und Randomhouse Audio erschienenen Reihe, nicht mehr aus der Hand legen. Im Gegenteil: Man wird Fan! So man es vorher nicht schon war. Die "Hildur"-Reihe hat absolutes Suchtpotenzial.

Das liegt natürlich zum einen an Island und seiner einzigartigen Natur, den geheimnisvollen Sagen und den irgendwie schrullig-liebenswerten Menschen. Knapp 400.000 sind über das weite Land und die Inseln verteilt, wenn sie nicht gerade in der Hauptstadt Reykjavik leben. Dort hat Hildur zwar ihren Job gelernt, aber von den Westfjorden, wo sie ihre Kindheit verbracht hat, kriegt sie nun keiner mehr weg.

Dort genießt sie die Einsamkeit, die Leere, die Ruhe, die Natur. Sie geht surfen, sammelt Krähenbeeren, macht daraus Sirup. Genau wie ihre Tante Tinna. Tinna zog Hildur nach dem Tod der Eltern und dem spurlosen Verschwinden ihrer Schwestern auf. Voll Liebe, Geborgenheit - und mit dem Handicap, blind zu sein.

Und weil Hildur ihre Schwestern mittlerweile wiedergefunden hat, wobei eine im Gefängnis sitzt und die andere aktuell in Bulgarien weilt, um sich ihr Gesicht richten zu lassen (Spoiler: das sind jeweils andere Geschichten), hilft Hildur abseits ihrer polizeilichen Mordermittlungen nun ihrer Tante Tinna auf der Suche nach deren familiären Resten. Und weil in Island alles mit allem zusammenhängt, gilt das auch für diese beiden Erzählstränge. Irgendwo sind sie irgendwie miteinander verhakt, verstrickt, mit Island-Wolle.

Island ist Hildur, Hildur ist Island

Neben den beiden Frauen gibt es da ja auch noch Hildurs beruflichen Partner, Kriminalhauptmeister Jakob. Seines Zeichens Finne und mittlerweile alleinerziehender Vater. Er strickt voller Leidenschaft, auch am Arbeitsplatz oder bei Fahrten zu Tatorten. Jakob will seinen Magister der Rechtswissenschaften machen, weil das eine der Hauptvoraussetzungen dafür ist, Polizeichef werden zu können. Er will das, Hildur hat diesbezüglich keinerlei Ambitionen.

Dann schon lieber bei Tinna typisch isländisch essen: Hammelkeule, Thunfisch in Buttersoße, Schellfisch in Sahne oder in reichlich Butter gebratene Dorschbacken. Karamellisierte Kartoffeln. Und dann einen urigen Kesselkaffee, der erst dann richtig isländisch ist, wenn er einen Fettfilm auf der Zunge hinterlässt. Oder ein saures Himbeerbier aus einer der zahlreichen kleinen Dorfbrauereien? Herrlich!

Dazu packt Rätö erneut Island-Wissen für Party-Klugscheißer: Das Motto von Islands Polizei? Auf den Gesetzen ist das Land erbaut. Oder: Die drei größten Arbeitgeber für Ausländer in Island? Tourismus, Fischfabriken und Kitas. Und noch ein isländisches Sprichwort zum Schluss: Was drei Menschen wissen, weiß bald das ganze Volk Islands. So gesehen, bitte auf alle Fälle weitersagen: Die "Hildur"-Reihe ist Kult!

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