Krankenversicherung für Tiere – Sanitas versichert als erste Schweizer Krankenkasse Haustiere

Ein Knochenbruch, eine Zahnsanierung, eine komplexe Operation: Tierbehandlungen können schnell mehrere tausend Franken kosten. Wer dann nicht vorgesorgt hat, steht vor einem Dilemma. Tierethiker und Praxis-Mitinhaber Nico Müller von der Universität Basel bringt es auf den Punkt: «Es kostet plötzlich einen vierstelligen oder fünfstelligen Betrag, wenn es ganz schlimm kommt. Dann hat man die Verantwortung, das zu tragen.» Als Lösung empfiehlt er entweder ein zweckgebundenes Haustierkonto – oder eine Versicherung.
Was eine Tierversicherung bringt
Für Müller hat eine Versicherung einen klaren Vorteil: «Wenn man eine Tierversicherung abgeschlossen hat, dann weiss die Tierärztin, die nötigen Kosten werden übernommen. Die Kundin weiss, sie muss keine Angst haben vor den Kosten. Und beide können sich besser darauf konzentrieren, was wirklich sinnvoll ist für das Tier.»
Haustierversicherungen gibt es in der Schweiz zwar schon länger – neu ist jedoch, dass Sanitas das Risiko als erste Krankenkasse selbst trägt, statt nur als Vermittlerin aufzutreten.
Sanitas sieht Parallelen zur Humanmedizin
Dass sich eine Krankenkasse ins Tierversicherungsgeschäft wagt, mag überraschen. Michel Kull, Leiter Tierversicherungen bei Sanitas, sieht das jedoch anders: «Gesundheit respektive die Humanmedizin ist nicht wie Veterinärmedizin, aber es hat sehr viele Ähnlichkeiten. Es geht um Medikamente, Diagnosen, um stationäre Kosten, Operationen und komplexe Leistungsfälle.» Das Marktpotenzial schätzt Sanitas als erheblich ein: In der Schweiz sind rund zwei Millionen Hunde und Katzen registriert, aber nur etwa zehn Prozent davon versichert. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Versicherungsdichte bei rund 25 Prozent, in skandinavischen Ländern teils bei 75 bis 90 Prozent.
Tierhalterinnen sind gespaltener Meinung
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Wie sehen das die Betroffenen selbst? Eine Befragung von SRF bei den Passanten in Zürich zeigt ein gemischtes Bild. Einige haben nie eine Versicherung gehabt und auf Rücklagen gesetzt. Andere hatten zwar eine Versicherung, diese hätte sich aber nie gelohnt. Andere waren froh um die Versicherung, etwa weil ihre Hunde rassentypische Probleme haben oder im Alter gesundheitliche Probleme bekamen.
Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz SKS, rät zur Zurückhaltung. Neben den ihrer Ansicht nach hohen Prämien empfiehlt sie, das Kleingedruckte genau zu lesen und zu prüfen, welche Ausschlusskriterien es gebe, also was alles nicht versichert sei, welche örtlichen Einschränkungen man habe und was die Karenzfrist sei. Sanitas betont, die Ausschlusskriterien seien klar definiert – darunter fallen unter anderem bösartige Tumore, Asthma und Allergien.
Marketinggag oder echtes Geschäft?
Tierethiker Nico Müller zweifelt daran, dass sich das Angebot für Sanitas finanziell wirklich lohnt. Er vermutet andere Motive: «Aus der Sicht grosser Versicherungen sind diese Tierversicherungen nicht lukrativ. Es geht eher darum, Aufmerksamkeit zu erzeugen, sich abzuheben von der Konkurrenz am Versicherungsmarkt und eine bestimmte Zielgruppe anzusprechen.»
Sanitas widerspricht dieser Einschätzung. Die Debatte darüber, wie weit unsere Verantwortung gegenüber Haustieren reicht – und was sie kosten darf – dürfte damit noch lange nicht abgeschlossen sein.
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