Nach Auftritt von Konzernchef bei Trump: Zweifel an US-Milliarden für neues Audi-Werk

Die Kritik am Auftritt des Audi-Chefs bei Trumps Wahlveranstaltung war vernichtend. Jetzt zeigt sich: Die Zusagen der Amerikaner sind höchst wackelig.
Foto: Mike Stewart/AP/dpa
Der Imageschaden für Audi nach dem Auftritt von Konzernchef Gernot Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump war groß. Nun scheint fraglich, ob das Werk, das Döllner in den USA ankündigte, überhaupt gebaut werden kann. Denn im VW-Konzern mehren sich die Zweifel, ob die von US-Seite getätigten Zusagen für die 4-Milliarden-Dollar-Investition in Georgia Bestand haben können.
Konkret geht es um Milliardenhilfen vom Bundesstaat Georgia, außerdem hat die Trump-Regierung offenbar Zollerleichterungen für den gesamten VW-Konzern versprochen, wenn Audi kommt. Ohne diese könnte sich das US-Projekt, das den angeschlagenen Konzern in Übersee wieder in die schwarzen Zahlen bringen soll, aber möglicherweise nicht rentieren.
Dem Aufsichtsrat der Audi-Mutter Volkswagen, der den Bau des Werks mit 4.500 Mitarbeitern genehmigen muss, lägen bislang keine Verträge oder beschlussfähige Papiere zu den Details der Absprachen vor, meldet das Handelsblatt. Es gebe nur „blumige Absichtserklärungen“ in einem „Memorandum of Understanding“.
Besonders unsicher sei die Absprache mit Trump, für Importe von Fahrzeugen des gesamten VW-Konzerns aus Europa statt 15 nur noch 10 Prozent Zoll zu erheben. Audi wollte die Informationen nicht kommentieren. „Mit Döllners Auftritt sind wir dramatisch in Vorleistung gegangen“, zitiert das Handelsblatt einen „Entscheider aus dem Volkswagen-Konzern“. Allerdings habe Audi „dafür genau null Sicherheit bekommen“,
Kritik aus der Bundesregierung
Die Geschichte passt zu den Stellungnahmen mehrerer VW-Granden, laut denen der Bau des Werks noch gar nicht das Okay des obersten Aufsichtsgremiums des Konzerns habe. Das hatte auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) betont, der als Anteilseigner in dem Gremium sitzt. Niedersachsen hält etwa 20 Prozent an Volkswagen. Gleichwohl nannte Lies den Bau eines Audi-Werkes in den USA strategisch richtig. Nur so könne Audi den US-Markt besser erschließen. Arbeitsplätze in Deutschland dürften jedoch nicht verdrängt werden.
Die Werksplanungen haben Unruhe bei Audi-Beschäftigten in Deutschland gestiftet. Der Konzern ist wegen verschlafener Elektrifizierung, dem Wegfall der Märkte in China und den US-Zöllen in einer Schieflage. Dem Audi-Werk in Neckarsulm droht die Schließung.
Döllners Auftritt bei einer Wahlkampfveranstaltung der Republikaner am vergangenen Samstag hatte harsche Kritik in Deutschland nach sich gezogen. Döllner habe sich zur „Marionette“ in einer „Propagandashow“ gemacht, sagte VW-Gesamtbetriebsratschefin Daniela Cavallo. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) verurteilte die „unappetitlichen Umstände“. Zudem setze Audi „auf fossile Energien und damit auf ein totes Pferd“. In dem Werk sollen ausschließlich große Audi-SUV mit Verbrennermotor gebaut werden.
Angeblicher Druck aus Georgia
Döllner räumte in einem internen Schreiben zwar ein, dass sein Auftritt „Fragen und auch Unverständnis“ ausgelöst habe. Seine Pressestelle streute, dass die republikanische Regierung in Georgia die Deutschen gedrängt habe: entweder Döllner-Rede mit Trump oder kein Deal. Auch die konzerninterne Regel, dass Firmenvertreter drei Monate vor Wahlen nicht mit Politikern auftreten dürfen, sei nicht wirklich verletzt worden. Denn vor dem Erscheinen Döllners mit Trump zehn Tage vor den US-Zwischenwahlen sei der Aufsichtsrat „in Kenntnis gesetzt“ worden.
Ohne die Zusagen der US-Amerikaner wäre das geplante Werk möglicherweise nicht profitabel. Allein der Bundesstaat Georgia soll Subventionen in Höhe von bis zu 1,4 Milliarden US-Dollar beisteuern. Aber das wurde mit dem Team des scheidenden republikanischen Gouverneurs Brian Kemp verhandelt. Er stellt sich nicht mehr zur Wahl. Dass die Nachfolger – gleich welcher politischen Couleur – sich an seine Zusagen gebunden sehen, hält man in VW-Aufsichtsratskreisen nicht für ausgemacht.
Über zusätzliche Etatmittel müsste zudem das Parlament von Georgia entscheiden, dessen zwei Kammern am 3. November neu gewählt werden – parallel zu den Wahlen zum US-Kongress auf nationaler Ebene. Immerhin soll Georgias Wirtschaftsförderer Pat Wilson konkrete Angaben zu den Subventionen für „sehr bald“ angekündigt haben.
Über die Jahre noch wertvoller, aber noch viel wackeliger ist die angebliche Zusage aus dem Trump-Team, den Einfuhrzoll für VW insgesamt um 5 Prozentpunkte zu senken. Allein für die 160.000 Fahrzeuge, die Audi im vergangenen Jahr in die USA importierte, entrichtete der Konzern 1,2 Milliarden Euro Zoll an die US-Regierung. Angeblich ist mit Washington aber nur abgesprochen, dass Audi darüber Mitte oder Ende November sprechen könne. Erleichterungen für einzelne Konzerne sind trotz Trumps erratischer Handelspolitik bislang unbekannt. Und ob sich der launenhafte Präsident an seine Zusagen hält, ist höchst fraglich.
Indes steigt in Deutschland der Unmut über Audi-Chef Döllner. Dessen Gig in Georgia sei „heuchlerisch, unterwürfig sowie politisch ein Kniefall vor Trumps Erpressungsversuchen“ gewesen. Deshalb müsse er zurücktreten, heißt es in einer Online-Petition von Campact. Diese hatte bis Donnerstagnachmittag 127.000 Unterzeichnende.
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Kommentar von Kai Schöneberg
Die Kritik am Auftritt des Audi-Chefs beim US-Präsidenten ist vernichtend. Dass der schwächelnde Konzern ein Werk in den USA bauen will, verständlich.
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