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Monday, September 14, 2026

Hochschulen – Die Illusion vom bequemen Diplom dank KI

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Künstliche Intelligenz hat den Studienalltag in wenigen Jahren grundlegend verändert. Texte erstellen, Ideen strukturieren oder Zusammenfassungen generieren: Was früher Stunden dauerte, gelingt heute per Mausklick.

Die Botschaft ist klar: KI kann Arbeit erleichtern, ersetzt aber keine Kompetenz. Hochschulen wie die Universität Zürich (UZH) oder die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) wollen diesem Problem mit Prüfungsanpassungen begegnen.

Person, die auf einem Blatt Papier schreibt, während sie Notizen hält.
Legende: Ein Studium im Partymodus soll es auch mit KI nicht geben. Keystone/Martin Rüetschi

«Die Gefahr besteht, dass Studierende sich die Denkarbeit abnehmen lassen», sagt Gabriele Siegert, Vize-Rektorin der Universität Zürich. Dennoch steht für Hochschulen nicht ein KI-Verbot im Vordergrund, sondern neue Formen der Leistungsüberprüfung.

Die klassische Doktor- oder Bachelorarbeit als alleiniger Leistungsnachweis verliert an Bedeutung. Was zählt, ist nicht das fertige Produkt, sondern der Weg dahin, heisst es.

Eine gute Seminararbeit zeigt nicht automatisch, dass jemand etwas verstanden hat.

Fachkompetenzen müssen weiterhin ohne technische Hilfsmittel abrufbar sein, sagt Lisa Messenzehl, Leiterin der Fachgruppe Lehrtechnologien und Didaktik im Rektorat der ZHAW. «Eine Physiotherapeutin muss die Anatomie des Körpers auch ohne Chatbot beherrschen.» Ein Studium im Partymodus soll es auch mit KI nicht geben.

Renaissance der mündlichen Prüfung

Beide Hochschulen setzen verstärkt auf mündliche Prüfungen, Präsentationen oder die Verteidigung von Bachelorarbeiten. So soll sichtbar werden, ob die Kompetenzen tatsächlich vorhanden sind. «Eine gute Seminararbeit zeigt nicht automatisch, dass jemand etwas verstanden hat», sagt auch Gabriele Siegert von der UZH.

Studierende sollen Argumente erklären, Entscheidungen begründen und Ergebnisse kritisch hinterfragen können. Nicht das fertige Dokument steht im Zentrum, sondern der Weg dorthin.

Wenn ich selbst Muskeln aufbauen möchte, dann nützt es nichts, wenn ich die Freundin ins Gym schicke.

Um die Eigenständigkeit studentischer Leistungen zu sichern, zeichnet sich deshalb ein Wandel in der Prüfungskultur ab: Siegert erwartet künftig mehr mündliche Prüfungen und Präsentationen.

Bei 800 bis 1000 Studierenden sei dies jedoch kaum umsetzbar. Deshalb sei es wichtig, dass etwa schriftliche Multiple-Choice-Prüfungen vor Ort in einer KI-freien, geschützten Umgebung stattfinden können.

Mit KI-Detektoren Betrug aufdecken

Um Betrug vorzubeugen, gibt es sogenannte KI‑Detektoren. Die ZHAW verzichtet jedoch auf deren Einsatz. «Wir haben uns bewusst gegen die Verwendung solcher Erkennungssysteme entschieden, weil sie nachweislich nicht zuverlässig funktionieren», sagt Lisa Messenzehl.

Kein Freipass für KI-Spezialisten

Trotz aller Diskussionen betonen beide Hochschulen, dass KI-Kompetenz heute eine wichtige Zukunftskompetenz ist. Wer die Werkzeuge nicht beherrscht, wird im Berufsleben Nachteile haben. Doch KI ersetzt kein Fachwissen: Wer Physiotherapeutin, Ingenieur oder Juristin werden will, muss das notwendige Wissen selbst beherrschen.

Das verdeutlicht auch die ZHAW-Expertin: «Wenn ich selbst Muskeln aufbauen möchte, dann nützt es nichts, wenn ich die Freundin ins Gym schicke.» Der Vergleich bringt die zentrale Erkenntnis auf den Punkt. KI kann die Arbeit erleichtern. Lernen, Verstehen und Kompetenzen aufbauen müssen Studierende jedoch weiterhin selbst. Das vermeintlich bequeme KI-Diplom bleibt damit vor allem eines: eine Illusion.

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