Sachsen-Anhalt: AfD und BSW setzen Antrag zur Ukraine durch
Mit den Stimmen von AfD und BSW hat der neue Landtag von Sachsen-Anhalt ein sofortiges Ende sämtlicher Ukraine-Hilfen und die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland verlangt.
Ein entsprechender Antrag der beiden Fraktionen mit dem Titel "Friedensgespräche statt Ausweitung des Krieges in der Ukraine" wurde in einer außerordentlichen Sitzung am Mittwoch in Magdeburg mehrheitlich angenommen. AfD und BSW kommen im neuen Landtag zusammen auf 44 der 83 Stimmen.
Erstmals haben AfD und BSW in Sachsen-Anhalt gemeinsam eine Sondersitzung des Landtags durchgesetzt. Sie fordern, Waffenlieferungen an die Ukraine zu stoppen.
14.10.2026 | 2:42 minDie Aussprache war von lauten Zwischenrufen geprägt. Der geschäftsführende Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) sowie Redner von CDU, SPD, Grünen und Linken verurteilten den Antrag scharf. Weil zunächst kein Konsens über Redezeiten bestand, wurde die Sitzung vor Eintritt in die Tagesordnung für eine Stunde unterbrochen.
AfD und BSW fordern Initiative im Bundesrat
In dem Antrag wird die geschäftsführende Landesregierung aufgefordert, "sich mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln, insbesondere durch eine entsprechende Initiative im Bundesrat, für eine Verhinderung der weiteren Eskalation in der Ukraine und für die Verwirklichung einer friedensschaffenden Politik einzusetzen". Der Fokus solle auf Diplomatie liegen.
Weiter heißt es: "Die Wirtschaftssanktionen gegen Russland müssen sofort aufgehoben werden." Die Unterstützung der Ukraine mit Finanzmitteln müsse sofort eingestellt werden, soweit sie über humanitäre Hilfe hinausgeht. Waffenlieferungen seien auszusetzen.
Der 6. Oktober 2026 war historisch: AfD-Politiker Tobias Rausch wurde zum Landtagspräsidenten gewählt, als Vertreter ein Partei, die in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem eingestuft ist.
13.10.2026 | 11:33 minFür die Landesregierung verwies der geschäftsführende Ministerpräsident Schulze auf die zivilen Opfer der russischen Angriffe. Diesem Land und den Menschen die Unterstützung entziehen zu wollen, sei "beschämend". Russland sei gefordert, den Krieg zu beenden. Schulze nannte den Antrag mit Blick auf die geplante Ministerpräsidenten-Wahl im Dezember ein "Brautgeschenk an das BSW".
"Billige Inszenierung" und "Schmierentheater"
SPD-Fraktionschefin Katja Pähle sprach von einer "billigen Inszenierung". Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion, Olaf Meister, betonte, der Landtag sei der völlig falsche Ort für das Thema. Linken-Fraktionschefin Eva von Angern nannte den Antrag "eine Attrappe" und "Schmierentheater". Er gaukle Handlungsfähigkeit vor, wo keine vorhanden sei.
AfD-Fraktionschef Ulrich Siegmund, der sich im Dezember zum Ministerpräsidenten wählen lassen will, sprach dagegen von einem guten Tag. Erstmals seit Kriegsbeginn vor viereinhalb Jahren gehe von einem deutschen Parlament eine Friedensinitiative aus. Insgesamt würden 125 Milliarden Euro für Ukraine-Hilfen ausgegeben, "die unserem eigenen Land vorenthalten wurden". Siegmund forderte: "Unser Geld für unser Land." Den anderen Fraktionen warf er vor, eine Politik gegen die Interessen des Landes zu machen.
Sven Schulze verteidigt den CDU-Beschluss zur Ministerpräsidentenwahl. Die Fraktion wolle sicherstellen, dass keine Stimme an die AfD geht.
14.10.2026 | 6:16 minBSW-Spitzenkandidatin Claudia Wittig nannte die Ukraine einen Spielball globaler geopolitischer Interessen. Sie sagte: "Das BSW gibt denen eine Stimme, die sich Frieden wünschen." Es sei Zeit für Verhandlungen.
Ukrainischer Botschafter: "Gipfel der Absurdität"
Der ukrainische Botschafter Oleksij Makeiev hatte vor der Sitzung von einem "Gipfel der Absurdität" gesprochen. Bezogen auf die Forderung nach einem Stopp der Waffenlieferungen an die Ukraine sagte der Diplomat in den Funke-Medien wörtlich:
Sie nehmen demjenigen die Waffen weg, der sich verteidigt - und helfen damit dem Mörder.
Oleksij Makeiev, Botschafter der Ukraine
Wichtige Entwicklungen und Ukraine-News finden Sie in unserem Liveblog:
Seit Februar 2022 führt Russland einen Angriffskrieg gegen die Ukraine, die Kämpfe dauern an. Alle Entwicklungen und Ukraine-News im Liveticker.
14.10.2026Quelle: epd
Über das Thema berichtete das ZDF-Morgenmagazin am 14.10.2026 ab 05:30 Uhr.
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