«Teuerster Verkauf meines Lebens»: Frau verliert 40’000 Franken

- Eine Frau aus der Romandie verliert 40'000 Franken durch einen Betrug auf der Verkaufsplattform Ricardo.
- Betrüger verschaffen sich über einen gefälschten Kundendienst und einen QR-Code Zugriff auf ihr E-Banking und leeren ihr Sparkonto.
- Die Echtzeitüberweisung lässt sich nicht mehr rückgängig machen – die Frau hat bis heute kein Geld zurückerhalten.
Im Mai stellt die Frau ein Spielzeug, das ihre Kinder nicht mehr wollen, auf die Verkaufsplattform Ricardo. Für ihr Verkäuferkonto scannt sie ihre Identitätskarte. Bankdaten gibt sie keine an. An einem Freitag wird das Spielzeug gekauft. «Der teuerste Verkauf meines Lebens», sagt sie gegenüber «24 Heures».
Am nächsten Tag meldet sich die Käuferin per Whatsapp, und zwar von einem Geschäftskonto. Die Frau will das Spielzeug verschicken, sobald das Geld per Twint eingetroffen ist. Dann schreibt die Käuferin, es gebe ein Problem, und sie solle den Ricardo-Kundendienst kontaktieren. Tatsächlich liegt eine E-Mail im Posteingang. Weil es ihr erster Verkauf sei, müsse sie ihr Bankkonto sichern. Die Absenderadresse scheint korrekt.
45 Minuten zu spät gemerkt
An einem Morgen kontaktiert sie den falschen Kundendienst und scannt einen QR-Code, wie «24 Heures» weiter berichtet. Damit verschafft sie den Betrügern Zugriff auf ihr E-Banking. Sie glaubt, per Push-Nachricht einen Login-Code zu bestätigen. In Wirklichkeit genehmigt sie einen Zahlungsauftrag. Ihr Sparkonto wird komplett geleert: 40’000 Franken.
So erkennst du möglichen Betrug
Vor einem Onlinekauf sollte man das Inserat genau prüfen: Gibt es mehrere Bilder, werden mögliche Mängel transparent erwähnt, sind die Lieferbedingungen fair und ist der Artikel tatsächlich sofort verfügbar? Besonders wichtig ist ein realistischer Preis. Wird etwa eine neue Playstation 5 für nur 50 Franken angeboten, deutet dies stark auf einen Betrug hin.
Vorsicht ist auch geboten, wenn Verkäufer oder Käufer Druck machen und auf einen möglichst schnellen Abschluss drängen. Zudem warnt Fuks davor, QR-Codes für Zahlungen zu scannen, die per E-Mail, SMS oder WhatsApp zugestellt werden. Gleiches gilt für Links zu angeblich offiziellen Zahlungsseiten von DHL oder der Post.
Erst bei der Arbeit erkennt sie dank eines Kollegen ihren Fehler und ruft die Bank an. Seit dem Betrug sind 45 Minuten vergangen. Doch die Echtzeitüberweisungen lassen sich nicht mehr rückgängig machen. Das Empfängerkonto war unter der gestohlenen Identität eines anderen Opfers eröffnet worden. Die Bank leitete ein Rückrufverfahren ein, warnte aber, die Erfolgschancen seien sehr gering. Auf Anfragen ihres Anwalts hat sie bis heute keine Antwort erhalten. Inzwischen hat die Frau die Bank gewechselt.
Rückruf nur bei Privatbanken üblich
Carlo Lombardini ist Anwalt für Bankenrecht und Professor an der Universität Lausanne. Er bestätigt gegenüber «24 Heures», dass die Regeln in der EU Kundinnen und Kunden besser schützen als jene in der Schweiz. Hierzulande sei ein Rückruf bei hohen Transaktionen nur bei reichen Kunden von Privatbanken üblich. Der Trend gehe dahin, die Verantwortung dem Kunden zuzuschieben. «Man muss die Vorgehensweisen gemeinsam mit den Polizeibehörden erfassen und Lösungen entwickeln, die auf den Erfahrungen einzelner Fälle beruhen», sagt Lombardini.
Was hältst du vom Umgang mit Online-Betrug wie im Ricardo-Fall?
Florian Osterwalder (fos) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten und ist stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks.
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