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Thursday, September 10, 2026

Lagarde: Inflation wird "schlimmer, bevor sie besser wird"

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Die Inflation steigt, auch durch die Schließung der Straße von Hormus. EZB-Chefin Lagarde spricht über Handlungsspielräume, die politische Dimension steigender Preise und die Bargeld-Zukunft.

10.09.2026 | 13:18 min

Steigende Lebenshaltungskosten sind längst ein zentrales Wahlkampfthema und spielen den Rechtspopulisten in die Hände. Wie gefährlich ist die Inflation für Europas Gesellschaften und Demokratien? Was kann, was muss die Geldpolitik gegen die Teuerung tun? Und Europa steht vor einer weiteren Veränderung: Neue Euro-Banknoten sollen kommen, zugleich wird am digitalen Euro gearbeitet. Brauchen wir Bargeld überhaupt noch?

Im Interview mit ZDFheute erklärt EZB-Präsidentin Christine Lagarde, was die Europäische Zentralbank im Kampf gegen Inflation unternimmt und warum Bargeld auch in einer zunehmend digitalen Welt eine Zukunft haben soll. Das sagt Christine Lagarde ...

... zu den zuletzt wieder steigenden Preisen

"Die Antwort, die ich Ihnen geben kann, ist, dass wir alles unternehmen werden, um sicherzustellen, dass die Inflation mittelfristig bei zwei Prozent liegt. Wir tun alles, was nötig ist, um dieses Ergebnis zu erreichen."

Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins um ein viertel Prozentpunkt auf 2,5 Prozent gehoben. Es ist eine Reaktion auf die gestiegene Inflation. Die letzte Anhebung erfolge Mitte Juni.

10.09.2026 | 0:25 min

... zu den Grenzen der Einflussnahme der EZB

Der seit Ende Februar schwelende Krieg zwischen den USA und Iran hat die Teuerung kräftig nach oben getrieben. "Wir können die Straße von Hormus nicht wieder öffnen", sagt Lagarde. "Eine Zentralbank, so mächtig sie auch sein mag, kann das nicht tun."

Aber wir können versuchen, die Folgen der Schließung der Straße von Hormus zu verringern, und genau das tun wir: Mittelfristige Preisstabilität schaffen.

Also dafür sorgen, dass die Preise nicht dauerhaft und auf breiter Front steigen werden.

Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins auf 2,5 Prozent erhöht. ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann erläutert, was das für Verbraucher bedeutet.

10.09.2026 | 1:07 min

... zur weiteren Entwicklung der Inflation

"In unseren aktuellen Prognosen steigt die Inflation bis Ende 2026 weiter."

Sie [die Inflation] wird also schlimmer, bevor sie besser wird, aber sie wird besser.

Lagarde geht davon aus, dass die EZB ihr Inflationsziel von um die zwei Prozent Ende 2028 erreichen wird.

... zur Gefahr steigender Preise für Europas Demokratien

"Unsere Aufgabe als Zentralbank ist es, Preisstabilität zu gewährleisten. Es gibt mehrere Dinge, die dafür tatsächlich eine Rolle spielen. Finanzstabilität ist das eine, denn man kann das eine nicht ohne das andere haben. Deshalb achten wir auch darauf.

Was ich in meinem Leben als Leiterin des Internationalen Währungsfonds acht Jahre zuvor und seit sieben Jahren als Leiterin der EZB beobachtet habe, ist, dass wir auch eine gewisse politische Stabilität brauchen und nicht geopolitische Instabilität, wie wir sie in anderen Regionen der Welt beobachten, um diese Preisstabilität zu gewährleisten. Es ist also politische Stabilität, finanzielle Stabilität, Preisstabilität."

Und wir sind für die Preisstabilität verantwortlich, aber es gibt andere Faktoren, die ich gerne kontrollieren würde, aber nicht kann.

... zum digitalen Euro und der Sorge, dass das Bargeld abgeschafft werden könnte

"Banknoten sind Zentralbankgeld, denn wohin auch immer du gehst, deine 20-Euro-Note wird überall geehrt. Und warum ist das so? Weil die Zentralbank garantiert, dass es sich um eine 20-Euro-Note handelt."

Auf der Webseite der Europäischen Zentralbank kann über neue Designs der Euroscheine abgestimmt werden. Zur Auswahl stehen zehn Vorschläge. Die Abstimmung läuft bis zum 21. September 2026.

23.07.2026 | 0:46 min

Nun werde aber alles digital, die Menschen kauften immer öfter online ein, sagt Lagarde weiter. "Deshalb müssen wir sicherstellen, dass auch das Geld der Zentralbank digital ist, denn wir dürfen von diesem Spiel nicht ausgeschlossen werden."

Es wird also weiterhin Banknoten geben, schöne, hoffe ich, und einen digitalen Euro, denn falls alles sehr digital wird, müssen wir bei beiden im Spiel sein: Banknoten und digital.

Ob Christine Lagarde auch noch in einem Jahr die Präsidentin der EZB sein werde, ließ sie im Gespräch offen. Offiziell läuft ihre Amtszeit noch bis zum 31. Oktober 2027. Gerüchte über ein vorzeitiges Ausscheiden hatte die Französin zuletzt selbst angeheizt.

Das Interview führte Florian Neuhann. Er ist Leiter des ZDF-Teams Wirtschaft und Finanzen.

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