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Friday, October 30, 2026

Wahlleiter fürchten Trumps Griff nach Stimmen

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Vor den US-Zwischenwahlen geht die Angst vor Beeinflussung und Manipulation um.

28.10.2026 | 6:12 min

"Ich hoffe, dass er es nicht tut", sagt Steve Schleiker, und seine Stimme zittert, als er weiterspricht, "das würde dieses Land wirklich zerbrechen. Es würde auch mich tief treffen. Denn jedes Mal, wenn ich wähle, denke ich an alle, die ihr Leben dafür gegeben haben, dass ich dieses Wahlrecht habe". Schleiker ist Republikaner, trotzdem traut der Wahlleiter in El Paso County im US-Bundesstaat Colorado Donald Trump zu, FBI-Agenten in die Wahlkreise zu schicken, Stimmzettel zu beschlagnahmen, das Land in eine Verfassungskrise zu stürzen.

Wahlhelfer werden bedroht

Der Präsident hat kein Recht, sich in die Wahlen einzumischen, die Regeln werden nach der Verfassung allein vom Kongress und von den Bundesstaaten gemacht. Schleiker ist genervt von Trumps ständigem Gerede von massenhaftem Wahlbetrug, das sein ganzes Team gefährde: "Viele unserer Wahlhelfer haben aufgegeben, gesagt, ich kann das nicht mehr, weil sie verfolgt wurden, bis auf die Toiletten, bis an ihre Autos, auch meine Wahlmanagerin bekam Todesdrohungen."

Die Angst vor der US-Einwanderungsbehörde ICE prägt den Alltag vieler Latinos in Texas. Zwischen Enttäuschung über die Republikaner und religiösen Überzeugungen wägen sie ihre Wahlentscheidung ab.

29.10.2026 | 2:48 min

Der Republikaner ließ alle Wahllokale mit schweren Türen und schusssicheren Fenstern ausstatten und hat Notfallpläne für den Wahltag und die Tage danach. Regelrecht empört ist Schleiker über den Anruf, den er Mitte 2025 aus dem Heimatschutzministerium in Washington bekam: "Der Anrufer wollte Zugang zu unserem Wahlsystem. Da habe ich knallhart nein gesagt."

Auch Carly Koppes, Schleikers Amtskollegin im nahen Weld County, Colorado, ebenfalls Republikanerin, ließ einen Anrufer aus dem Heimatschutzministerium abblitzen: "Ich sagte, ich weiß zu viel, um mich an der Nase rumführen zu lassen, und ich würde nicht ihr Handlanger sein."

Korruption werde von Wählern stärker wahrgenommen, so USA-Korrespondentin Claudia Bates bei ZDFheute live. Laut Umfrage sei die Unzufriedenheit darüber die höchste seit 20 Jahren.

28.10.2026 | 12:41 min

Die große Angst: Beschlagnahmung von Wahlzetteln

Bei unserem Besuch im September zeigte Koppes dem ZDF, wie die Wahlmaschinen noch einmal auf Verlässlichkeit geprüft werden, damit niemand hinterher behaupten kann, es sei manipuliert worden. Nach den Tests wurden alle Geräte verplombt und versiegelt. Sie können nicht gehackt werden, weil sie nicht mit dem Internet verbunden sind. Und wenn es beim automatischen Zählen der Stimmen Probleme gibt, entscheiden die sogenannten Wahlrichter, jeweils ein Republikaner und ein Demokrat.

Trotzdem fürchtet auch Koppes, dass Donald Trump hinterher alle Stimmzettel beschlagnahmen lassen könnte, so wie Ende Januar 2026 in einem Landkreis in Georgia. Dort nahmen FBI-Agenten alle Stimmzettel aus dem Jahr 2020 mit, wohl auf der Suche nach Beweisen für Trumps Lüge von der gestohlenen Präsidentschaftswahl gegen Joe Biden.

US-Zwischenwahlen

:Wahlbeobachter kritisierten Trump - und sind nun unerwünscht

Zu den Midterms sind erstmals keine Wahlbeobachter der OSZE eingeladen. Die Organisation kritisiert die "Abkehr von einer etablierten demokratischen Praxis" - nicht zum ersten Mal.

Julian Schmidt-Farrent, Washington, D.C.

mit Video1:17

Wähler in de USA

Lange Liste der versuchten Einflussnahme durch Trump

Die Liste der versuchten Einflussnahme des US-Präsidenten auf die Wahlen ist lang: Mehr als 150 Mal redete er bei öffentlichen Auftritten von massivem Betrug durch die Demokraten. Er erließ neue Regeln für Briefwahlen, wurde aber vom obersten Gericht gestoppt. In Kalifornien versuchte er, mit juristischen Mitteln die Zulassung von 20.000 Wählerstimmen zu verhindern.

In Alaska hat er das Justizministerium präventiv klagen lassen, um die Zertifizierung der Wahl zu stoppen, falls der republikanische Senatskandidat verliert.

Bei den Midterms zeichnet sich in Texas ein knappes Rennen ab. Elon Musk steckt viele Millionen in den Wahlkampf des Republikaners Ken Paxton gegen den Demokraten James Talarico.

29.10.2026 | 2:44 min

In neun Bundesstaaten sind Fälle belegt, in denen Bundesagenten von Haus zu Haus gingen, um zu prüfen, ob die Bewohner wirklich wahlberechtigt sind. Bürgerrechtsgruppen sprechen von gezielter Einschüchterung. Und im Wahlkampf droht der Präsident dem politischen Gegner.

Am Wochenende nahm er den demokratischen Senatskandidaten von Michigan Abdul El-Sayed in Visier: "Ich bin hier, um zu verhindern, dass ein dschihadistisches Mitglied der Muslimbruderschaft US-Senator wird. Und das ist Tatsache. Das werden wir nicht zulassen. In neun Tagen werden die Menschen in Michigan Abdul Mohammed al-Sayed besiegen - einen Mann, der niemals Zutritt zu den Hallen unseres großartigen, wunderschönen Kapitols in Washington erhalten sollte."

US-Präsident Trump kämpft um die Mehrheit im Kongress, die Demokraten um ihren Kurs. Die Midterms entscheiden über die Machtverteilung in Washington und den politischen Kurs Amerikas.

27.10.2026 | 29:38 min

Strategien gegen missliebige Gewinner

Damit, so glauben Kritiker, legt er eine Grundlage, um einem möglichen Wahlsieger El-Sayed den Amtsantritt zu verwehren, wenn der neugewählte Kongress Anfang Januar zusammentritt.

Das Center for Renewing America hat dafür bereits eine juristische Rechtfertigung erarbeitet. Weil ein Parlamentarier in seinem Amtseid schwöre, "die Verfassung gegen alle Feinde zu verteidigen" - so heißt es in dem Papier der trumpnahen Denkfabrik - dürfe man Personen, deren Verfassungstreue angezweifelt werden kann, von solch einem Amt ausschließen.

Sollten Donald Trump und seine Helfer das versuchen, wäre Amerika in einer Verfassungskrise. Aber schon vorher könnte es zur Eskalation kommen. Wenn die Wahllokale am Dienstag schließen, wird der Streit um die Verlässlichkeit der Ergebnisse vollends entbrennen.

Zwischenwahlen im November

:Midterms in den USA: So steht es in den Umfragen

Werden Donald Trump und die Republikaner die Mehrheit im Kongress verlieren? Das entscheidet sich bei den Midterms im November. Laut Umfragen ist der Wahlausgang noch ungewiss.

von Robert Meyer

mit Video6:01

Donald Trump an einem Rednerpult, dahinter eine Grafik zu einer Umfrage

Grafiken

Elmar Theveßen ist Studioleiter und Korrespondent im ZDF-Studio Washington.

Über dieses Thema berichtete das auslandsjournal am 28.10.2026 ab 22:15 Uhr sowie das heute journal am 29.10.2026 ab 21:45 Uhr.

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