Von Rybakina überflügelt – Tränen statt Triumph: Sabalenka und die neue Tennisordnung

Aryna Sabalenka fühlte sich sichtlich unwohl. Die langjährige Hartplatz-Dominatorin und einst unangefochtene Nummer 1 im Damentennis hielt ihren Silberteller fest umklammert und suchte nach der obligatorischen Siegerehrung sofort das Weite.
Hab Spass heute, morgen und bis zum Ende der Saison, so dass ich auch ein paar Titel gewinnen kann.
Ihren Schläger hatte die Belarussin nach dem 4:6, 7:5, 2:6 im US-Open-Finale gegen Jelena Rybakina im Affekt zerschlagen, untröstlich, wütend und ratlos suchte sie nach den passenden Worten. «Ich bin natürlich sehr enttäuscht, aber ich möchte Jelena zu einem unglaublichen Jahr und Turnier gratulieren», sagte Sabalenka unter Tränen.
«Geniess es», meinte sie anschliessend, nachdem sie sich wieder etwas gefangen hatte, mit einem Augenzwinkern «Hab Spass heute, morgen und bis zum Ende der Saison, so dass ich auch ein paar Titel gewinnen kann.»
Als Königin der Hartplätze entthront
Den ersten Platz in der Weltrangliste hatte die 28-jährige Sabalenka bereits durch Rybakinas Halbfinaleinzug in New York eingebüsst, am Samstag stürmte die ein Jahr jüngere Kasachin mit äusserlicher Ruhe und Konstanz in ihrem Spiel endgültig ihr Reich: Sabalenka ist nicht mehr die Königin der Hartplätze, nach den Australien Open ging in diesem Jahr auch der Siegerpokal der US Open im Finalduell an Rybakina.
Nach solchen Erfolgen wird das Aufwachen am Montag unglaublich sein.
Die gebürtige Russin, ein Gegenpol zur von ihren Emotionen lebenden und teils auch an ihnen scheiternden Sabalenka, wirkte fast ein wenig verloren im hellen Licht der Pyro-Fontänen. «Ich hatte das nicht erwartet, als ich zu diesem Turnier kam», meinte sie.
«Es ist eine Erleichterung», sagte Rybakina im Moment ihres grössten Triumphs. «Zwei oder drei Wochen lang folgt man immer denselben Abläufen. Es ist viel Arbeit und mit grosser Anspannung verbunden. Nach solchen Erfolgen wird das Aufwachen am Montag unglaublich sein.»
Anschliessend würdigte sie Sabalenka demütig als «grossen Champion» und meinte: «Die Matches gegen Aryna sind immer sehr schwierig. Ich habe das Gefühl, dass wir uns mit solchen Kämpfen gegenseitig dazu antreiben, besser zu werden. Ich weiss nicht, was die Zukunft für mich bereithält, aber ich hoffe auf weitere Erfolge und einige Siege mehr.»
Sabalenka neu in der Verfolgerrolle
Zumindest die Gegenwart gehört nun Rybakina. Wenn am Montag die neue WTA-Rangliste erscheint, steht sie an der Spitze – und Sabalenka, die seit März auf einen Turniersieg wartet nach drei erfolgreichen Jahren erstmals eine Saison ohne Grand-Slam-Titel beenden wird, muss sich wieder herankämpfen.
«Ich wünschte, ich hätte besser gespielt. Hoffentlich im nächsten Jahr», sagte Sabalenka und verschwand bald darauf in den Katakomben des riesigen Arthur Ashe Stadium, das sie 2024 und 2025 als Turniersiegerin verlassen hatte.
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