Warum führt Kane jetzt auch noch Abstöße aus?
Gegen Arsenal spielte Harry Kane wieder mal nahe an der Perfektion. Und wieder tauchte dabei ein neues Element auf.

Spielmacher und Stürmer und alles andere: Harry Kane. IMAGO/Ulmer/Teamfoto
Manchmal lässt sogar der Vollprofi ein bisschen Humor zu, wobei es, wenn es nicht Harry Kane gewesen wäre, fast schon arrogant hätte klingen können. "Der Abstoß oder der Assist?", fragte der Bayern-Profi lächelnd zurück, nachdem er zu seinem herausragenden Pass befragt worden war. Und tatsächlich war die Rückfrage ja berechtigt, weil es zwar diesen einen besonders genialen Moment gab, aber eben auch viele weitere.
Was Kane am Mittwochabend gegen Arsenal auf dem Rasen veranstaltete, hatte wieder viel (oder fast alles) von dem, was ihn allerspätestens im Trikot des FC Bayern (für Bundesliga-Beobachter) so besonders macht, und ganz wenig von dem, was er eigentlich mal war oder sein sollte. Wer am Mittwochabend zufällig zum ersten Mal eingeschaltet hat, der wird danach ja kaum auf die Idee gekommen sein, Harry Kane als Stürmer zu verorten.
Gegen Arsenal bekam die Nummer 9 jedenfalls alle Freiheiten, die sie sich wünschen konnte. Weil neben Joshua Kimmich auch Michael Olise fehlte, blieb im Grunde jeder kreative Faktor am Überallspieler der Bayern hängen. Und dieses Mal wurde das sowieso schon sehr kuriose Bild endgültig noch kurioser: Kane, der als Teil einer Dreierkette gegen den Ball arbeitet und den Rechtsaußen Madueke im Blick behält. Kane, der im Mittelfeld Bälle behauptet und verteilt. Kane, der per Abstoß (!) die erste Bayern-Chance einleitet.
Ich habe das Gefühl, Bilder auf dem Platz zu sehen.
Harry Kane
"Es ist nicht der Sinn und Zweck, dass Harry irgendwann als Libero auftaucht, aber es kann eben auch mal sein", erzählte Sportvorstand Max Eberl später, wobei ihn dieser Abstoß zumindest mal überrascht haben dürfte. Es war übrigens nicht das erste Mal, dass Kane in dieser Rolle auftauchte. Also für die Bayern zwar schon, aber bei Tottenham sprang er 2014 mal in einem Europa-League-Spiel gegen Asteras Tripolis für den vom Platz gestellten Hugo Lloris ein, zog sich nach einem Dreierpack die Torwarthandschuhe an - und verschuldete ein Gegentor.

Der Davies-Faktor beim FC Bayern - und die Fragezeichen in der Defensive
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15:25 Minuten
Am Mittwoch hätte sein Abstoß beinahe zum 1:0 für Bayern geführt, wenn Serge Gnabry nach Zusammenspiel mit Alphonso Davies und Ismael Saibari etwas genauer gezielt hätte. Geplant schien dieser fast perfekte Angriff nicht, vielmehr sah es wie reine Intuition aus, als der Ball nach einer Arsenal-Ecke im Toraus landete, Kane ihn sah und einfach schnell schaltete.
"Ich habe das Gefühl, Bilder auf dem Platz zu sehen", erklärte Kane auf Nachfrage, bezweifeln muss man das nicht. "Ich habe vor dem Spiel zu Phonzy gesagt: 'Wenn ich den Ball habe, mach die Läufe, und ich versuche, dich zu finden.'" Das klappte nicht nur beim Abstoß, sondern auch vor dem 1:1, als Kane aus der Tiefe kommend kurz schaute und einen perfekt getimten Ball "in einen Raum" spielte, "der nicht existiert", wie es Arsenal-Trainer Mikel Arteta so schön formulierte.
Ach und übrigens: Kane traf dann später noch selbst, im zehnten Champions-League-Spiel in Folge. Aber das ist inzwischen ja eher so Beiwerk - und Grundlage neuer Statistik-Kompositionen: Laut Opta ist Kane seit Beginn der detaillierten Datenaufzeichnung 2003/04 der erste Spieler, der in der Champions League ein Tor erzielt, eines vorbereitet und einen Abstoß ausführt.
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