Federer warnt Tenniseltern – mit Rat, den sein Papi ihm einst gab

- Tennis-Legende Roger Federer rät Eltern und Trainern von Nachwuchsspielern zu Geduld statt Erfolgsdruck.
- Der 20-fache Grand-Slam-Sieger sagt gegenüber dem Medium 36Kr: «Ein Kind im Alter von 10, 12 oder 14 Jahren hat noch viel Zeit.»
- Er selbst schaffte den internationalen Durchbruch erst mit 16 oder 17 Jahren.
- Für China fordert Federer mehr zugängliche Tennisplätze und Trainer und nennt Li Na als Vorbild.
Wer als Kind intensiv Tennis spielt, muss noch keine Turniere gewinnen. Das findet zumindest Roger Federer. Im Gespräch mit dem chinesischen Branchenmedium 36Kr richtet sich der 20-fache Grand-Slam-Sieger mit einer Botschaft an junge Spieler, ihre Eltern und Trainer: «Ein Kind im Alter von 10, 12 oder 14 Jahren hat noch viel Zeit.»
Es ist ein Ratschlag, den Federer aus eigener Erfahrung kennt. Schliesslich gehörte er als Junior in der Schweiz zu den Besten, gewann nationale Meistertitel in den Altersklassen U12, U14 und U16. International schaffte er allerdings erst mit 16 oder 17 Jahren den Weg an die Weltspitze.
«Manchmal kommt die Entwicklung später», sagt Federer. Eltern und Trainer müssten deshalb genügend Geduld mitbringen. Nicht jedes Juniorenturnier sei entscheidend. Viel wichtiger sei die Entwicklung über Jahre hinweg.
Zuerst lernen – dann gewinnen
Federer erinnert sich an einen Rat seines Vaters, der seine Karriere prägte: Er solle frei spielen und nicht zu konservativ agieren, nur um ein Match zu gewinnen. Für den Schweizer geht es in der Nachwuchsförderung deshalb um mehr als Resultate und Ranglistenplätze.
Entscheidend sei, ob junge Spieler bereit seien zu lernen, Freude am Tennis hätten, ihren Trainern zuhörten und Erfahrungen sammelten. Statt sich auf den nächsten Turniersieg zu versteifen, sollten sie sich fragen, wo sie im Alter von 18 bis 24 Jahren stehen wollen – und in welche Richtung sie ihr Spiel entwickeln möchten.
Auch als Vater weiss Federer, wie wichtig diese Perspektive ist. Als er seinen langjährigen Trainer nach dem körperlichen Training seiner Kinder fragte, erhielt er eine beruhigende Antwort: Man müsse sich bewusst sein, dass genügend Zeit vorhanden sei. Genau diese Gelassenheit wünscht Federer offenbar auch anderen Eltern.
Chinas Tennis braucht mehr als Talente
Federer äussert sich im Interview auch zur Entwicklung des chinesischen Tennissports. Er sieht grosses Potenzial, betont aber, dass es dafür mehr als einzelne Ausnahmetalente brauche.
Nötig seien genügend zugängliche Tennisplätze und Trainer, damit Kinder regelmässig spielen könnten. Als Vorbilder nennt er Tennisnationen wie Frankreich, Spanien und Deutschland, wo Clubs und Plätze vielerorts zum Alltag gehören.
Auch das Clubleben habe seine eigene Kindheit geprägt: Er verbrachte Wochenenden mit seinen Eltern auf dem Tennisplatz, spielte gegen die Wand und traf dort Freunde. Die Basis für eine beispiellose Karriere.
Wie viel Druck vertragen Teenager im Spitzensport aus deiner Sicht?
Sebastian Rieder (sri), arbeitet seit 2024 für 20 Minuten als Stv. Leiter Sport. Der Generalist hat stets die besten Schweizer Fussballer im Fokus und begleitet die Nati als Reporter und Videojournalist.
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