Schweizer Beck schliesst deutsche Fabriken – 250 Jobs weg

Gewerkschaft und Politk hässig
Schweizer Beck schliesst deutsche Fabriken – 250 Jobs weg
Schock für 250 Mitarbeitende! Aryzta, der Backwaren-Gigant aus Schlieren ZH, schliesst 2026 zwei Fabriken in Deutschland. Er will sparen und legt die Produktion zusammen. Die Gewerkschaft nennt das Vorgehen «schäbig», die Politik spricht von einer «Sauerei».
Publiziert: vor 19 Minuten
- Aryzta schliesst 2026-2027 zwei Werke in Deutschland, 250 Stellen betroffen
- Gewerkschaft kritisiert Entscheidung als «schäbig», Linke spricht von «Sauerei»
- Konzern erwartet 40 Millionen Euro weniger Umsatz nach Umstrukturierung
Patrik BergerRedaktor Wirtschaft
Es sind bittere Neuigkeiten für Hunderte Angestellte: Der Tiefkühlbackwaren-Riese Aryzta mit Sitz in Schlieren ZH will in Deutschland gleich zwei Produktionsstandorte dichtmachen. Betroffen sind die Werke in Nordhausen (D) in Thüringen und Gerolzhofen (D) in Bayern. Insgesamt sollen rund 250 Arbeitsplätze verschwinden, wie Aryzta in einer Medienmitteilung schreibt.
Der Konzern will kräftig sparen und die Produktion zusammenlegen. In Nordhausen werden seit 20 Jahren Brötchen, Ciabatta und Pfannkuchen hergestellt. Heute arbeiten 170 Angestellte in der Fabrik, in Gerolzhofen sind es 270. Ein Teil der insgesamt 440 Beschäftigten soll die Möglichkeit erhalten, ins Werk nach Eisleben (D) in Sachsen-Anhalt zu wechseln. Dort will Aryzta die Produktion künftig bündeln.
Gewerkschaft spricht von «schäbig»
Der Konzern kämpft auf dem deutschen Markt mit einer schwächeren Nachfrage. Deshalb soll das Sortiment verkleinert werden. Produkte, die nur in geringen Mengen verkauft werden, fliegen raus. Stattdessen will sich Aryzta auf besonders profitable Backwaren konzentrieren. Der Umbau soll 2026 und 2027 erfolgen. Aryzta rechnet dadurch mit bis zu 40 Millionen Euro weniger Umsatz.
Bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) sorgt die Entscheidung für Wut. Gewerkschafter Olaf Klenke bezeichnet das Vorgehen gegenüber der «Bild» als «schäbig». Die Linke im Thüringer Parlament spricht von einer «Sauerei». Der Konzern wolle so nur seine Gewinne steigern und die Aktionäre wieder mit Dividenden bedienen.
Durchbruch mit dem «Turbogipfel»
Die Geschichte von Aryzta beginnt 1967 in einer ehemaligen Wäscherei in Zürich-Wipkingen. Dort gründet der damals 24-jährige Bäcker Fredy Hiestand (83) mit gerade einmal 5000 Franken Startkapital seine eigene Firma. Seine geniale Idee: tiefgekühlte Gipfeli-Teiglinge, die erst kurz vor dem Verkauf frisch gebacken werden. 1988 gelingt ihm mit dem vorgegarten «Turbogipfel» der Durchbruch. Hiestand wird zum «Gipfeli-König».
Aus der kleinen Backstube wächst ein internationaler Backwarenkonzern. 1997 geht Hiestand an die Börse. 2003 zieht sich der Gründer zurück und baut mit Fredy's ein neues Unternehmen auf. 2008 fusioniert Hiestand mit der irischen IAWS-Gruppe zur heutigen Aryzta. Der Konzern beliefert Supermärkte, Tankstellen, Restaurants und Bäckereien mit Tiefkühlbackwaren. Die Marke Hiestand gibt es bis heute.
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