VIP VIP, Hurra!: Applegates Schock, Brühls Angst und der irre Kaulitz-Rekord

VIP VIP, Hurra!Applegates Schock, Brühls Angst und der irre Kaulitz-Rekord

Christina Applegate erfährt, dass sie gar keine Multiple Sklerose hat, Daniel Brühl sorgt sich um die Zukunft seiner Kinder und Bill und Tom Kaulitz schaffen einen Rekord, noch bevor sie überhaupt auf der "Wetten, dass..?"-Couch Platz genommen haben. Und das war noch längst nicht alles!
"Frau Beier hat schon wieder geschimpft, dass du im Hort vor den anderen Kindern rumposaunst, dass wir Westfernsehen gucken! Du guckst nur mit, wenn du in der Schule die Schnute hältst, klaro?"
Klaro!
Mein Vater war ziemlich genervt. Er saß im Fernsehsessel, während Mutter an der Antenne der Glotze herumfuchtelte. ZDF und ARD lieferten ein fantastisches Bild, aber die Qualität der Privatsender war so anfällig wie die Laune meines Vaters, wenn ich wieder mal mit einem Eintrag im Hausaufgabenheft nach Hause kam, in dem stand, ich würde die anderen Kinder ermutigen, mehr Westfernsehen zu gucken.
Weil wir zu DDR-Zeiten zu jenen Privilegierten gehörten, die nicht "im Tal der Ahnungslosen" wohnten, wuchs ich mit all den coolen Serien der Achtzigerjahre auf und natürlich auch mit ihren Stars. Anfang der Neunzigerjahre kam dann "Eine schrecklich nette Familie" dazu. Ich weiß noch, wie ich mal meine Mutter fragte, ob ich mir die Haare so platinblond wie Kelly Bundy färben dürfe, und sie mir darauf sofort einen Vogel zeigte.
Ich bin mit Christina Applegate groß geworden und schon bald kassierte mein Vater von mir ähnlich freche Sprüche wie Al Bundy, und mit Sicherheit sind prägende Jahre in der Jugend auch ein Grund, wieso mich eine Meldung in dieser Woche regelrecht umgehauen hat.
Christina Applegate: alles auf Anfang
Bei der Schauspielerin, die als "Dumpfbacke" Fernsehgeschichte schrieb, war vor fünf Jahren Multiple Sklerose diagnostiziert worden. Wir alle kennen die Bilder in den Medien, die sie, anfangs noch so manches Mal den Tränen nahe, mit einem Gehstock zeigten. Auch optisch hatte sie sich im Verlauf der Krankheit verändert. Applegate aber war nie kleinzukriegen, sagte MS den Kampf an und war somit für viele andere Erkrankte ein Vorbild geworden. Doch nun die Nachricht, die einen perplex zurücklässt: Fehldiagnose! Sie habe gar keine MS und sei falsch diagnostiziert worden.
Was macht man nach einer solchen Info, die ja nicht bedeutet, dass man wie durch ein Wunder plötzlich geheilt ist? Im Gegenteil! Die Symptome sind nach wie vor da und mit ihnen die Schmerzen und die Frage: Wenn ich keine MS habe, was habe ich dann? In ihrem Podcast "MeSsy" erzählte die 54-Jährige unter Tränen, dass sie nun wieder ganz am Anfang stehe und nicht wisse, was mit ihr los sei.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass es nicht mehr lange dauert und die Welt, allen voran Europa, aus den Fugen bricht. Ich denke dann auch darüber nach, wie gesegnet ich bin, gesund zu sein. Gesundheit, das mag jetzt vielleicht ein bisschen pathetisch klingen, ist von unschätzbarem Wert. Und man weiß dieses Privileg, wie so oft, leider immer erst zu schätzen, wenn man eben nicht mehr gesund ist. Genauso wie wir es gewohnt sind, in Frieden zu leben. Einem Frieden, der gefühlt mit jedem Tag brüchiger wird.
Ich denke dann manchmal daran, Berlin, einem der Hotspots des Wahnsinns, den Rücken zu kehren und es genauso zu machen wie Daniel Brühl: reinhauen, ab in die Sonne. Die Winter in Berlin sind sowieso die trostlosesten überhaupt.
Der Schauspieler ist im Jahre 2022 mit seiner Familie nach Spanien gezogen und nannte als einen der Gründe, seiner Familie sei es in Berlin zu eng geworden. Dazu kam die Bedrohung durch den Ukraine-Krieg, die sich in der Hauptstadt besonders nah angefühlt habe. Das Leben in Spanien bezeichnete er als eine seiner besten Entscheidungen.
In dieser Woche wurde Brühl nun für sein Engagement für die europäische Idee ausgezeichnet und sprach anschließend auch über seine Sorgen angesichts der politischen Entwicklungen und darüber, in welcher Welt seine drei Kinder einmal leben werden. Brühl bezeichnet sich selbst als überzeugten Europäer, der angesichts dessen, was gerade passiert, mitunter einfach nur noch sprachlos und wütend sei. Er wünsche sich, dass seine Kinder einmal eine bessere Zukunft vorfinden. Mit diesen Gedanken ist er gewiss nicht allein, und ich denke, dass sich viele inzwischen ernsthaft Zukunftssorgen machen.
Ach, Manne! Das waren noch Zeiten
Apropos gute Schauspieler und die gute alte Zeit, die ja auch ihre Schattenseiten hatte, aber nehmen Sie es mir bitte nicht übel, lieber Leser, ich erreiche bald das Alter, das meine Großmutter hatte, als sie nach dem Mauerfall erstmals mit mir nach West-Berlin tigerte. Da verklärt man manchmal schon ein paar Dinge und ärgert sich dann, dass man ja doch plötzlich nostalgisch wird, obschon man sich fest vorgenommen hatte, es nie zu werden.
In dieser Woche jährte sich Manfred Krugs Todestag zum zehnten Mal. "Manfred Krug? Wer is'n ditte?", werden sich die Jüngeren nun vielleicht fragen, und am liebsten würde ich wie aus der Pistole geschossen antworten: Manne MUSS man einfach kennen! Vor allem in seinen Rollen als Rechtsanwalt Liebling in "Liebling Kreuzberg", mit seinen schrägen Krawatten und dieser frechen Berliner Schnauze, als Hannes Balla in "Spur der Steine" oder als Fernfahrer in "Auf Achse" - der Typ war einfach eine Naturgewalt!
Haha, und wo wir schon bei der guten alten Zeit sind: Da fallen mir doch auch sofort wieder Günter Pfitzmann und seine "Praxis Bülowbogen" ein, Dieter Krebs, Loriot und natürlich Evelyn Hamann, die mit einem einzigen Gesichtsausdruck mehr Lacher erzeugen konnte als die halbe deutsche Comedy-Szene zusammen.
Irgendwie traurig, dass die jüngere Generation mit diesen Namen kaum noch etwas anfangen kann. Aber jede Zeit hat ihre eigenen "Stars", und nicht jeder, der heute berühmt ist, muss deshalb ein begnadeter Schauspieler oder Komiker sein. Trotzdem schade, wenn große Künstler langsam aus dem kollektiven Gedächtnis verschwinden, während sich die Aufmerksamkeit immer häufiger auf Leute richtet, deren größte Leistung darin besteht, sich zur besten Sendezeit zu blamieren und es nicht einmal zu merken.
Zwei Brüder und eine große Wette
Womit wir bei zwei Herren wären, die nun wirklich nicht Gefahr laufen, so schnell aus dem kollektiven Gedächtnis zu verschwinden. Bill und Tom Kaulitz sind gefühlt überall. Im Fernsehen, auf Netflix, in Podcasts, auf roten Teppichen, als Pappaufsteller im Gang des Supermarktes. Man kann sich an den beiden durchaus ein bisschen sattgesehen haben. Und trotzdem muss man ihnen eines lassen: Sie haben einen ziemlich guten Riecher dafür, wie Unterhaltung funktioniert.
Am 5. Dezember werden sie erstmals "Wetten, dass..?" moderieren. Die legendäre Samstagabendshow kehrt nach drei Jahren Pause zurück, und schon jetzt hat das ZDF einen Rekord zu vermelden. Mehr als 250.000 Ticketwünsche sind inzwischen eingegangen. Und das bei gerade einmal 2.600 Plätzen! So einen Ansturm hat es in der Geschichte von "Wetten, dass..?" noch nie gegeben.
Nun macht eine ausverkaufte Halle in Halle noch keine gelungene Fernsehsendung, und Thomas Gottschalks Fußstapfen sind bekanntlich nicht gerade klein. Aber vielleicht könnte man den Zwillingen erst einmal die Gelegenheit geben, ihren Job zu machen, bevor man frotzelt, sie seien ungeeignet. Denn wenn sie etwas mitbringen, das dem deutschen Fernsehen gewiss guttut, dann sind es eine gewisse Leichtigkeit und die Fähigkeit, über sich selbst zu lachen. Und wer Bills Lache kennt, weiß, wie ansteckend sie ist.
Und vielleicht sollte man nicht vergessen, dass "Wetten, dass..?" einmal eine Sendung war, bei der es vor allem darum ging, gemeinsam ein paar Stunden eine gute Zeit zu haben. Und wenn das Ganze am Ende doch in die Hose geht? "Wetten, dass..?" dann wieder alle vorher gewusst haben wollen, dass das mit den beiden eh nichts werden kann? In diesem Sinne, schönes Wochenende!
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