«Stück Kies in der Wunde»: Lorenzo und Louis sauer auf Zürich

- «Es hat überall Löcher, man hat Angst zu fahren», sagt Lorenzo (12) über den Biketrack in der Brunau.
- Mit Louis (15) fordert er in einem viralen Video, den Pumptrack in Zürich neu zu teeren.
- Louis schlägt als Kompromiss vor, nur den Teil mit den kleineren Hügeln zu erneuern.
«Ansage an die Stadt Zürich»: Mit diesen Worten beginnt Lorenzo (12) das mittlerweile virale Video auf Instagram und Tiktok. Die Forderung folgt sogleich: «Teert den ganzen Pumptrack Brunau», sagt er demonstrativ. Dazu lenkt Kameramann Louis (15) den Blick auf den stark verwitterten Belag des Bikeparks.
Um das Problem zu verdeutlichen, führen die Jungs es gleich selbst vor: Kaum fährt der 12-Jährige mit dem Freestyle-Trottinett eine Kurve hinunter, bleiben die kleinen Räder im unebenen Belag hängen – und er wird vom Scooter geworfen. «Es hat überall Löcher, man hat Angst zu fahren», erklärt er. Für Freestyle-Fahrer sei dieser Bereich des Zürcher Brunau-Areals derzeit schwer nutzbar.
«In den Ferien bin ich täglich den ganzen Tag hier»
Louis und Lorenzo lernten sich beim Scooterfahren kennen. In den Ferien verbringen sie täglich viele Stunden auf der Sportanlage Allmend Brunau. «Ich war die letzten zwei Wochen fast jeden Tag den ganzen Tag hier», sagt Lorenzo im Gespräch mit 20 Minuten. «Und während der Schulwochen sind wir sicher drei- bis viermal pro Woche auf dem Scooter», erzählt Louis.
Der Skaterpark, in dem sie viel Zeit verbringen, besteht hauptsächlich aus Pools. Deshalb suchen sich die Buben manchmal Abwechslung auf dem Biketrack. Dort geht es über Wellen und Hügel, und sie können mit ihren Scootern weitere Sprünge machen.
Das Problem: Der Grossteil des Biketracks besteht aus einem körnigen Belag, der immer wieder von kleineren und grösseren Schlaglöchern durchzogen ist. Ein Augenschein vor Ort bestätigt: Mehrere Löcher sind mindestens so gross wie die Räder eines Freestyle-Scooters.
Louis schlägt Kompromiss vor
Die Angst vor schweren Verletzungen begleitet Louis und Lorenzo schon länger. «Ich habe mehrmals gesehen, wie Kinder hier gestürzt sind», erzählt Lorenzo. Louis selbst machte auf dem Biketrack mit dem BMX schmerzhafte Erfahrungen: «Erst im Spital bemerkten wir, dass ein ganzes Stück Kies in meiner offenen Wunde steckte.»
«Weil wir Kinder sind, werden wir nicht ernst genommen.»
An einem Herbsttag wurde die Situation erneut zum Problem: «Wir trauten uns nicht zu fahren», sagt Louis. Kurzerhand beschlossen die beiden, ein Video aufzunehmen, um auf das Problem aufmerksam zu machen. «Ich habe das Gefühl, wir werden bisher nicht so ernst genommen, weil wir Kinder sind», sagt der 12-Jährige. Doch das Video stösst auf Resonanz: Bereits nach einem Tag zählte es auf Tiktok über 11’000 Aufrufe.
Den beiden sei bewusst, dass der Biketrack für Velos mit grösseren Rädern ausgelegt ist. Sie beobachten jedoch auch, dass Biker auf den glatten Flächen des Skateparks fahren. Gleichzeitig besteht der Biketrack aus zwei Bereichen: einem mit grösseren Hügeln und längeren Sprungstrecken und einem mit kleineren Hügeln.
Louis schlägt einen Kompromiss vor: «Man könnte auch nur den Teil mit den kleineren Hügeln neu teeren.» Dieser werde von Bikern weniger genutzt und wäre mit einem glatten Belag ideal für Scooterfahrer.
Das sagt das Sportamt der Stadt
Das Sportamt Zürich kenne das Video und habe sich Anfang der Woche bei Lorenzo gemeldet, wie es auf Anfrage von 20 Minuten mitteilt. Gleichzeitig räumt die Stadt ein, dass der Biketrack, den die Jungs mit ihrem Kickboard befahren wollen, für Kickboards gefährlich sein kann.
Der Bikepark Allmend Brunau besteht aus vier Bereichen mit unterschiedlichen Belägen. Nicht jede Strecke eignet sich deshalb für jedes Sportgerät.
Der Laufrad- und der Pumptrack können mit dem Kickboard befahren werden. «Der Junge im Video befindet sich jedoch auf einem Biketrack, dessen Belag für Velos ausgelegt ist. Die kleinen Kickboardräder können dort schnell an ihre Grenzen geraten, was gefährlich werden kann», so das Sportamt.
Bei der nächsten Sanierung wolle man jedoch die unterschiedlichen Bedürfnisse der Nutzendengruppen berücksichtigen und den Streckenbelag nach aktuellen technischen Erkenntnissen und Sicherheitsstandards modernisieren. Ziel sei es, langfristig ein optimales und sicheres Fahrerlebnis zu gewährleisten.
Welcher Bereich einer Anlage wäre dir am wichtigsten?
Josephine Schertenleib (jos), Jahrgang 2001, arbeitet seit September 2024 für 20 Minuten und ist Teil des Regionen-Teams.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.
