7 Monate bedingt, kein Landesverweis: «Letzte Chance» für Stift

St. Gallen/Gossau SG
Shop-Überfall inszeniert, Beute geteilt: Lehrling vor GerichtEin Lehrling (21) steht am Montag vor Gericht, weil er sich vor zwei Jahren von einem Freund in einem Handyshop überfallen liess. Die Beute wurde danach aufgeteilt. Ihm droht Landesverweis.
Darum gehts
- Ein Lehrling soll mit einem Kumpel einen Raubüberfall auf seinen Arbeitgeber inszeniert und die Beute geteilt haben.
- Zudem soll er seinen Arbeitgeber mit unbezahlten Paysafe-Karten um 6080 Franken geschädigt haben.
- Die Staatsanwaltschaft fordert neun Monate bedingt, 1500 Franken Busse und fünf Jahre Landesverweisung.
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23.08.2026
Sonntag
Um 9 Uhr geht es los
Der Prozess ist auf 9 Uhr am Montagmorgen angesetzt. Getagt wird am Kreisgericht St. Gallen. 20 Minuten tickert live vor Ort
23.08.2026
Sonntag
Das ist die Anklage
Die Staatsanwaltschaft verlangt eine Verurteilung wegen folgender strafbarer Handlungen:
- Irreführung der Rechtspflege
- Falscher Alarm
- Mittäterschaft bei einfachem Diebstahl
- Gewerbsmässiger betrügerischer Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage
Die Staatsanwaltschaft fordert eine Verurteilung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von neun Monaten, wobei drei Tage, die der Lehrling 2024 in Untersuchungshaft verbrachte, davon abzuziehen sind. Die Probezeit soll zwei Jahre betragen. Zudem soll der junge Mann eine Busse von 1500 Franken sowie die Verfahrenskosten bezahlen. Ausserdem sei der Libyer für fünf Jahre des Landes zu verweisen und die Landesverweisung soll im Schengener Informationssystem (SIS) ausgeschrieben werden.
23.08.2026
Sonntag
Das ist passiert
Im Juli 2024 traf sich ein damals 19-jähriger Lehrling mit einem Kumpel nahe einem Bahnhof im Thurgau. Der Lehrling arbeitete in einem Handyshop. Laut Anklageschrift beschlossen die beiden, den Shop zum Schein zu überfallen und danach die Beute aufzuteilen.
Gesagt getan stand der Kumpel einige Tage später, als der Lehrling alleine im Laden arbeitete, um 13.01 Uhr im Handyshop und forderte Geld. Laut Polizeimeldung von damals unterstrich er seine Forderung mit vorgehaltenem Messer. So erbeutete der Kumpel über 3500 Franken. Drei Minuten später, um 13.04 Uhr, rief der Lehrling beim Notruf an und meldete einen Raubüberfall.
Am selben Abend trafen sich die beiden zwischen 18 und 19 Uhr an einem Bahnhof im Kanton Thurgau. Dort teilten sie die Beute auf.
Motiv laut Anklageschrift: um sich zu bereichern. Der Lehrling hatte damit offenbar schon Erfahrung. In der Anklageschrift geht hervor, dass er im Zeitraum von April 2024 bis Ende September 2024 zwei Dutzend Male im Shop Geld auf sogenannte Paysafe-Karten lud, ohne jedoch dafür zu bezahlen. Insgesamt erleichterte der Libyer seinen Arbeitgeber mit dieser Masche um 6080 Franken.
Einen grossen Teil des Geldes soll er in Online-Casinos eingesetzt haben. Einen Teil soll er zudem für seinen Lebensunterhalt verwendet haben.
Jeremias Büchel (jeb) arbeitet seit 2015 im Ressort Ostschweiz in St. Gallen und ist seit 2026 als Korrespondent tätig.
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