8 Tote in Bondo GR: Jetzt stehen fünf Personen vor Gericht

Prozessauftakt
8 Tote in Bondo GR: Jetzt stehen fünf Personen vor GerichtBeim Bergsturz in Bondo kamen auf einem Wanderweg acht Personen ums Leben. Ab Montag stehen deswegen fünf Personen vor Gericht. 20 Minuten tickert live vom Regionalgericht Maloja.
Darum gehts
- Am 23. August 2017 ereignete sich in Bondo ein Bergsturz: Drei Millionen Kubikmeter Felsmaterial stürzten ins Tal.
- Auf einem Wanderweg kamen acht Personen ums Leben, weil sie verschüttet wurden.
- Ab Montag stehen deshalb fünf Personen vor Gericht.
- Ihnen wird mehrfache fahrlässige Tötung vorgeworfen, weil sie die Gefahren falsch eingeschätzt hatten und Wanderwege nicht sperren liessen.
- Die Staatsanwaltschaft wird das geforderte Strafmass während des Prozesses bekannt geben.
Deine Meinung zählt
23.08.2026
So 22:03
So beurteilten die heute Angeklagten die damalige Gefahr
Nach den Akten war die damalige Gemeindepräsidentin Anna Giacometti, heute Bündner FDP-Nationalrätin, über die Gefahrenlage am Pizzo Cengalo informiert. Die heute Angeklagten waren gemäss Anklage für deren Beurteilung sowie für Schutzmassnahmen zuständig.

Nach einem Augenschein vom 12. August 2017 stuften die beteiligten Fachleute die Lage als ruhig ein. Eine weitere Messung wurde auf den 1. September terminiert. Am 14. August gingen sie von einem möglichen Bergsturz «in den nächsten Wochen und Monaten» aus.
Die Gemeinde aktualisierte Warn- und Informationstafeln, informierte Eigentümer gefährdeter Gebäude und hielt den bereits gesperrten Viale-Weg geschlossen. Die Val Bondasca blieb offen. Auch nach einer Simulation vom 15. August mit einem möglichen Absturz von fünf Millionen Kubikmetern wurden die Warnhinweise nicht erweitert.
Laut Staatsanwaltschaft hätten die Beschuldigten die Sperrung der Wege empfehlen beziehungsweise verfügen müssen. Der zentrale Streit ist, ob eine Sperrung nötig gewesen wäre, obwohl sich der Zeitpunkt eines Bergsturzes nicht genau prognostizieren liess.
23.08.2026
So 22:02
Der präzise Anklagevorwurf
Laut Anklage hätten die fünf Beschuldigten die Gefahr ab dem 14. August 2017 (9 Tage vor Bergsturz) pflichtwidrig falsch eingeschätzt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen nicht vor, den exakten Zeitpunkt des Bergsturzes voraussagen zu müssen. Sie hätten jedoch aufgrund der bekannten Vorzeichen einen Bergsturz in den folgenden Tagen nicht ausschliessen dürfen.
Als Warnzeichen nennt die Anklage beschleunigte Bewegungsraten in den Radarmessungen, häufigere Sturzaktivität in der Nordostflanke, grössere Felsstürze am 12., 13. und 21. August sowie ein stark aufgelockertes Anrissgebiet.
Besonders wichtig: Laut Anklage war die Trennung zwischen Nordwest- und Nordostflanke «sachlich nicht gerechtfertigt».
23.08.2026
So 22:00
Warum es überhaupt zum Prozess kommt
- 23. August 2017
Bergsturz am Pizzo Cengalo in Bondo GR acht Berggänger sterben. - 2018
Strafuntersuchung eröffnet - Juni 2019
Staatsanwaltschaft stellt das Verfahren ein, Bergsturz sei nicht vorhersehbar gewesen. - Januar 2020
Kantonsgericht stützt die Einstellung - Januar 2021
Bundesgericht heisst Beschwerde der Angehörigen gut; es verlangt ein unabhängiges geologisches Gutachten - Februar 2023
Vorgeschlagener Experte wird wegen möglicher Befangenheit abgelehnt - Dezember 2023
Gutachter des Waaadtländer Geologen Thierry Oppikofer beurteilt die Nichtschliessung der Wege als «inakzeptables Risiko». - Januar 2024
Fünf Personen werden wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung beschuldigt - 22. Juli 2024
Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen fünf Personen. - 2024/2025
Mehrere Verschiebungen, unter anderem wegen Ausständen im Gericht - 24.–26. August 2026
Hauptverhandlung in Pontresina
22.08.2026
Samstag
Um 9 Uhr geht es los
Die Staatsanwaltschaft stellte das Strafverfahren 2019 zunächst ein. Angehörige zogen den Fall weiter ans Bundesgericht. Dieses hiess ihre Beschwerde 2021 gut und verlangte eine unabhängige geologische Beurteilung.
Am Montag beginnt deshalb die Hauptverhandlung vor dem Regionalgericht Maloja. Sie findet ab 9 Uhr im Kongress- und Kulturzentrum Rondo in Pontresina statt und ist auf drei Tage angesetzt.
21.08.2026
Freitag
Nationalrätin Giacometti unter den Angeklagten
Angeklagt sind fünf Personen: zwei Geologen, ein Forstingenieur, ein Förster sowie die damalige Gemeindepräsidentin von Bregaglia, Anna Giacometti. Sie ist heute Bündner FDP-Nationalrätin.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten vor, die Warnzeichen falsch eingeschätzt und nötige Schutzmassnahmen für Wanderer in der Val Bondasca nicht empfohlen beziehungsweise umgesetzt zu haben.
Die Anklage lautet auf mehrfache fahrlässige Tötung. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung. Das Strafmass beantragt die Staatsanwaltschaft erst an der Hauptverhandlung.
19.08.2026
Mittwoch
Das ist passiert
Am 23. August 2017 ist es Bregaglia GR zu einem Bergsturz gekommen. Acht Menschen, die auf einem Wanderweg unterwegs waren, sind dabei gestorben. Drei Millionen Kubikmeter Felsmaterial lösten sich vom Piz Cengalo und stürzten ins Tal. 8 Persomen die von der Sciorahütte abstiegen, wurden verschüttet und kamen ums Leben. Ihre Leichen wurden nie gefunden.
Thomas Sennhauser (ths), arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er begann als Videojournalist und wechselte nach zwei Jahren ins Ressort News wo er über gesellschaftliche Themen und Analysen zu Geschehnissen im Ausland schreibt.
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