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Saturday, September 19, 2026

Tränen bei Céline Dion: «Ich habe versprochen, zurückzukommen»

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Tränen bei Céline Dion

«Ich habe versprochen, zurückzukommen»

Niemand kann sich bei ihrem Comeback in Paris ihrer Ausstrahlung entziehen: Céline Dion scheint auf der Bühne von innen zu leuchten. Dabei zeigt sie auch als Superstar, wie verletzlich sie ist und wie viel Kraft ihr gleichzeitig die Musik gibt.

Publiziert: vor 16 Minuten

Aktualisiert: vor 3 Minuten

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft

  • Céline Dion begeistert nach sechsjähriger Pause 35'000 Fans in Paris
  • Trotz Stiff-Person-Syndrom meistert sie 25 Songs in 2 Stunden 15 Minuten
  • 2024 plant sie 26 Shows, darunter Auftritt bei Olympia-Eröffnung in Paris

Sie hat sich vorgenommen, nicht zu weinen. Dann betritt Céline Dion die Bühne – zum ersten Mal seit sechs Jahren – und die ersten Takte von «On ne change pas» erklingen. Sie singt mit Stolz, doch die Tränen kann sie nicht zurückhalten. 35 000 Menschen in der ausverkauften Plenitude Arena bei Paris halten ihre Handys in die Höhe, singen mit, tragen sie über die Emotionen hinweg. «Ich habe versprochen, zurückzukommen», ruft Céline (58) der jubelnden Menge zu. «Jetzt bin ich hier. Ich singe für euch, für mich, für das Leben.» Dann singt sie weiter. 25 Songs, zwei Stunden und 15 Minuten lang.

Nella Martinetti hätte diesen Abend geliebt. Vielleicht wäre sie sogar weit vorne gesessen. Persönlich eingeladen von ihrer Freundin Céline, die stets an sie dachte, wenn sie in Europa war. Die beiden verband der Zauber des frühen Erfolgs. Nella schrieb den Text zu «Ne partez pas sans moi», dem Lied, mit dem die damals 20-jährige Kanadierin 1988 in Dublin den Eurovision Song Contest gewann. Für die Schweiz. Nella erzählte später, dass Céline sie noch Jahre nach ihrem Triumph anrief, wenn sie in der Gegend war, und sie zu ihren Konzerten einlud. Nach dem Tod von Nella 2011 trauerte Dion um die «liebe und talentierte Frau», die mitgeholfen habe, ihre Karriere zu formen.

Schon in Dublin war unverkennbar, was 38 Jahre später die Menschen in Paris noch immer tief bewegt: diese Stimme! Gross, glasklar, präzise – und offenbar grenzenlos. Céline Dion kann einen Ton nicht nur treffen. Sie lässt ihn anschwellen, nimmt ihn zurück, lässt ihn fast verschwinden – und schleudert ihn im nächsten Augenblick wieder in den Raum. Komponist Jean-Jacques Goldman, der einige ihrer wichtigsten französischen Lieder mit ihr schuf, sagt: «Sie ist eine Musikerin, deren Instrument die Stimme ist.»

Perfekt als Sängerin – nicht als Mensch

Doch Gesangstechnik allein erklärt nicht das Phänomen Céline Dion. Vielleicht liegt das Geheimnis darin, dass diese fast perfekte Sängerin als Mensch nie perfekt wirken wollte. Céline war nie cool. Sie weint, lacht, zieht Grimassen, redet drauflos. Selbst wenn sie in Paris in Dior und Givenchy und mit Boucheron-Collier auf der Bühne steht, wird aus ihr keine unnahbare Diva.

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Denn ihre persönliche Geschichte ist von Bodenhaftung geprägt. Als jüngstes von 14 Kindern wächst sie in bescheidenen Verhältnissen im kanadischen Québec auf. Mit zwölf hört Musikmanager René Angélil eine Aufnahme von ihr. Er glaubt so sehr an dieses Mädchen, dass er sein Haus mit einer Hypothek belastet, um ihre erste Platte zu finanzieren. Er wird ihr Manager, später ihr Partner, 1994 ihr Ehemann. Gemeinsam bauen sie eine Weltkarriere auf: «The Power of Love», «Because You Loved Me» – und natürlich «My Heart Will Go On», der Titelsong des Kinodramas «Titanic».

René ist weit mehr als der Mann an Célines Seite. Er ist Stratege, Vertrauter, Vater ihrer drei Söhne – die Konstante in ihrem Leben. Als er 2016 an Krebs stirbt, legt sie sich noch einmal zu ihm ins Bett. «Du hast dir Sorgen um meine Karriere gemacht. Um die Kinder. Um alles», erzählt sie später über diesen Moment. «Es ist genug. Vertraust du mir? Bitte tu es.» Zwei Tage später erliegt auch ihr Bruder Daniel einem Krebsleiden.

Trotz der Schicksalsschläge: Céline singt weiter. 2008 merkt sie während einer Tournee, dass sie ihre Stimme nicht mehr kontrollieren kann. Hohe Töne klingen verkrampft, Muskeln versteifen sich, das Gehen fällt ihr schwer. Ärzte diagnostizieren das Stiff-Person-Syndrom, eine seltene neurologische Erkrankung. Sie beeinträchtigt jene Muskeln, die Atmung und Stimme lenken. Céline beschreibt das Gefühl drastisch: Es sei, «als würde jemand meine Kehle strangulieren». Sie muss pausieren und intensive Therapien durchstehen.

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!

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Stimme mit einer neuen Bedeutung

Ihr Schicksal berührt die Menschen. Nicht, weil sich Céline Dion als Heldin inszeniert, sondern weil sie sich als Superstar verwundbar zeigt. «Die Krankheit ist immer noch in mir», sagt sie. Im Dokumentarfilm «I Am: Celine Dion» lässt sie zu, dass die Kamera einen schweren Krampfanfall erfasst. Da ist keine Popikone. Man sieht eine Frau, die leidet – und wieder singen will. Für ihr Comeback wählt sie Paris. Das ist kein Zufall. Frankreich nennt sie ihre zweite Heimat. Hier entstand mit Goldman «D’eux», das erfolgreichste französischsprachige Album aller Zeiten. Hier wurde aus der kanadischen Sängerin auch eine französische Ikone. Hier setzt sie 2024 das erste Zeichen ihrer Rückkehr: auf dem Eiffelturm, bei der Eröffnung der Olympischen Spiele, mit Edith Piafs «Hymne à l’amour». Vier Minuten. Ein Auftritt – aber noch kein Konzert.

Jetzt ist sie zurück. Für 26 Abende. Nicht geheilt. Nicht mehr ganz mit jener scheinbar mühelosen stimmlichen Eleganz von einst. Aber mit einer neuen Bedeutung. Zum Schluss singt Céline Dion «All By Myself». Alle warten auf jene hohe Passage – früher die Machtdemonstration ihres Gesangsvolumens. Diesmal liegt über diesem Ton eine andere Spannung. Dion schafft ihn, wirkt erleichtert. Im Publikum weinen Menschen. Da ist sie, die Magie von Céline Dion: früher bewundert, weil ihre Stimme keine Grenzen kannte. Heute geliebt, weil sie uns ihre Grenzen zeigt – und trotzdem singt.

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