InquirerSara Duterte trial: Prosecution may call Jaime Cruz as witnessRTP Desporto18h30 Portugal de Jesus já está a trabalharESPNJaMarcus Shephard pays tribute to Mike Leach, other former coaches with game-day ensemblesESPN Deportes¿Qué esperar de Checo Pérez en el GP de Azerbaiyán de F1?The Jerusalem PostKurdish Peshmerga completes its long process of unification - explainerDeadlineTaylor Frankie Paul Says She Doesn’t “Desire To Move Forward” With ‘The Secret Lives Of Mormon Wives’SRF NewsKrieg in der Ukraine – Berichte: EU will Sanktionen gegen russische Milliardäre kippenHipertextualRoborock estrena en España sus nuevos robots aspiradores que cambian la forma de limpiar la casa20 MinutenWas unterscheidet den Fall Xhaka von der Fischer-Affäre?CNN بالعربيةأصيب في ظهره.. فيديو يوثق ما بعد إطلاق النار على سائق فنزويلي في تكساسCBS NewsFlights disrupted at NYC-area airports due to equipment outage, FAA saysABC NewsFlights stopped at Newark, Philadelphia airports due to equipment outage: FAA
The Daily Newsstand · Free, Always
Monday, September 21, 2026

Justiz in Syrien: Auch in den eigenen Reihen gilt das Recht

Translate

Bei Kämpfen an der syrischen Küste wurden im Jahr 2025 wurden vor allem alawitische Zi­vi­lis­t*in­nen getötet. Nun fallen die ersten vier Urteile dazu.

Julia Neumann

Die neuen Machthaber in Syrien haben Gerechtigkeit und Gerichtsbarkeit versprochen. Anfang der Woche gaben die internen Sicherheitskräfte gleich drei Verhaftungen bekannt: des ehemaligen Luftwaffengenerals Zakaria Mohammad Sannoun wegen Angriffen auf Zivilisten; des ehemaligen hochrangigen Kommandeurs Ahmad Mohammad Ismail sowie des ehemaligen Geheimdienstoffiziers Suleiman Ahmad Hassan. Die staatliche Nachrichtenagentur veröffentlichte Fotos von ihnen in Häftlingskleidung.

Wie Aufarbeitung und Übergangsjustiz im neuen Syrien laufen, zeigt aber ein anderer Fall. Niemand steht über dem Gesetz – auch nicht Angehörige der Regierung. Das sollen die Gerichtsprozesse wegen der Massaker gegen Zi­vi­lis­t*in­nen an Syriens Westküste zeigen. Auf der Anklagebank vor dem Militärgericht in Aleppo saßen nicht nur Anhänger des gestürzten Assad-Regimes, sondern auch Angehörige der neuen Behörden. Syriens Regierung ließ die Prozesse sogar live im Fernsehen übertragen. Am vergangenen Donnerstag fielen die Urteile gegen vier der Täter: Todesstrafe, lebenslange Haft und 20 Jahre Haft, Freispruch.

Die Massaker an Zi­vi­lis­t*in­nen an Syriens Westküste im März 2025 gehören zu den blutigsten Ereignissen nach dem Sturz von Ex-Baschar al-Assad. Damals hatten noch mit Assad verbündete Gruppen Sicherheitskräfte der neuen Regierung angegriffen und getötet. Damaskus schickte daraufhin rund 200.000 Kämpfer in die Gegend, es gab heftige Kämpfe.

Bei systematischen Hausdurchsuchungen sollen Angehörige der Streitkräfte Berichten zufolge gefragt haben: „Bist du Alawit?“ – also Teil der Religionsgemeinschaft, der auch Assad angehört. Über 1.400 Menschen wurden getötet.

Bald soll es weitere Urteile geben

Angeklagt sind nun sieben Assad-Anhänger und sieben Mitglieder der derzeitigen Regierungstruppen und Sicherheitsbehörden, darunter des Verteidigungs- und Innenministeriums. Sie sollen Zi­vi­lis­t*in­nen getötet, Eigentum zerstört und geplündert haben.

Von den vier Urteilssprüchen betrifft nur einer ein Mitglied der neuen Behörden. Basel Marai al-Hassan, Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums, muss wegen vorsätzlichen Mordes für 20 Jahre ins Gefängnis. Während des Prozesses hatte er Videobeweise bestritten, die ihn bei der Tötung eines Zivilisten zeigten.

Hadi Qablan, Anhänger des Assad-Regimes, bekam das Todesurteil wegen Anstiftung zum Bürgerkrieg und Mitgliedschaft in einer bewaffneten Bande. Tahani Ahmad Schafik, ebenfalls Assad-Anhänger, bekam lebenslange Haft. Er war laut Gericht Teil einer bewaffneten Bande, deren Ziel es war, zu plündern und töten. Er hatte gestanden, Militärfahrzeuge geklaut und weiterverkauft zu haben.

Hassan Halibia saß auf der Anklagebank wegen Aufstachelung zum Bürgerkrieg und Angriffe auf Sicherheitskräfte. Das Gericht sprach ihn wegen mangelnder Beweise frei. Er wird aus der Untersuchungshaft entlassen.

„Einzelfälle“, so eine Kommission der syrischen Regierung

Nächsten Donnerstag möchte das Gericht weitere Urteile fällen. Zehn weitere Menschen sind angeklagt.

Auf die Kämpfe an der Küste folgte deutliche internationale Kritik. Die Übergangsregierung kündigte damals an, die Massaker transparent aufzuarbeiten. Und richtete daraufhin die unabhängige Nationale Untersuchungskommission ein. Laut dieser wurden mindestens 1.426 Menschen getötet, darunter 238 Angehörige der Sicherheitskräfte.

Die Täter waren aber viel mehr als die bisher 14 Angeklagten. Die Kommission zählte 298 Täter von Übergriffen auf alawitische Zi­vi­lis­t*in­nen sowie 265, die demnach Regierungstruppen angriffen. Der Kommission zufolge waren die Gräueltaten gegen Zi­vi­lis­t*in­nen „Einzelfälle, nicht jedoch organisierte Taten“.

Kritik an den Verfahren

Laut einer Untersuchung der Vereinten Nationen hingegen war die Gewalt regierungstreuer Gruppen gegen Zi­vi­lis­t*in­nen „weitverbreitet und systematisch“. Häuser seien gestürmt worden, Menschen nach ihrer Religion befragt. „Alawitische Männer und Jungen wurden abgeführt, um hingerichtet zu werden“, so der Bericht. Zu dem gleichen Ergebnis kommt auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch.

Die Verfahren sind wichtig für Rechenschaftspflicht und Übergangsjustiz. Be­ob­ach­te­r*in­nen wie die syrische Menschenrechtsorganisation My Rights Mena haben aber ernsthafte Bedenken, ob internationale Standards für faire Verfahren eingehalten werden. Sie sagen, die Rechenschaftspflicht dürfe nicht selektiv sein. Zudem müssten Opfer und ihre Familien einbezogen werden und es brauche eine Wiedergutmachung für sie.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

View the original on taz

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.