Frauen mit Hochschulbildung – Männer sind anpassungsbereit im Partnermarkt

Bei der Partnersuche zwischen Männern und Frauen gibt es folgendes Klischee: Gebildete Frauen suchen sich gerne Männer mit einem ähnlichen Bildungsstand. Männer hingegen würden sich in dieser Hinsicht gerne auch nach unten orientieren. Vor 25 Jahren war es tatsächlich so: Da hatte nur jeder vierte Mann mit Uniabschluss eine Partnerin, die auch studiert hat. Heute hat sich der Anteil der Frauen mit Hochschulabschluss verdreifacht. Er ist bei den heute 30- bis 40-Jährigen gleich hoch wie bei den Männern. Marco Giesselmann von der Universität Zürich hat dies in einer Studie für heterosexuelle Parternschaften mituntersucht.
Marco Giesselmann
Soziologieprofessor der Universität Zürich
Marco Giesselmann unterrichtet Soziologie an der Uni Zürich. Er unterrichtet im Bereich Datenmanagement, empirische Sozialforschung und quantitative Datenanalyse. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Methodik quantitativer Sozialforschung, Lebensverlaufs- und Ungleichheitsforschung und Familien- und Migrationssoziologie.
SRF News: Haben Sie erwartet, dass hochgebildete Frauen auf dem Partnermarkt Probleme haben?
Marco Giesselmann: Ja, das war unsere Erwartungshaltung angesichts der Verschiebungen in der Bildungsverteilung zwischen Männern und Frauen. Wir erwarteten eine Verdrängung von hochgebildeten Frauen aus dem Partner- oder Heiratsmarkt. Proportional gibt es zu viele hochgebildete Frauen, sodass es nicht mehr aufgeht mit den Partnerschaften.
Der Überhang an hochgebildeten Frauen wurde durch die veränderte Bereitschaft hochgebildeter Männer, sich mit hochgebildeten Partnerinnen zu verpartnern, quasi aufgefangen.
Nun hat sich gezeigt, dass es diesen Engpass nicht gibt. Haben sich die Männer angepasst oder wie ist das zu interpretieren?
Man kann das als eine Form der Anpassungsleistung von Männern interpretieren. Wir sehen deutlich, dass gerade hochgebildete Männer die Gruppe sind auf dem Heiratsmarkt, die ihre Partnerschaftsmuster in den letzten 20 Jahren am stärksten verändert haben. Der Überhang an hochgebildeten Frauen wurde durch die veränderte Bereitschaft hochgebildeter Männer, sich mit hochgebildeten Partnerinnen zu verpartnern, quasi aufgefangen.
Es spricht einiges dafür, dass sich präferenztechnisch nicht so viel verändert hat.
Stimmt das Klischee nicht mehr, dass Männer in Partnerschaften tendenziell beruflich höher gestellt sein wollen?
Ja, es hat eine Anpassung gegeben. Über die Motive dahinter wissen wir wenig. Männer sind mehr und mehr dazu bereit, sich auch mit Frauen zu verpartnern, die bildungsstechnisch ebenbürtig sind. Ob es eine Anpassung aus der Not heraus ist oder ob sie sich auf Basis von Neigungsänderungen vollzogen hat, das sehen wir in den Daten nicht. Es spricht aber einiges dafür, dass sich präferenztechnisch nicht so viel verändert hat. Wenn wir uns nämlich die Heiratsmuster auf Ebene der Einkommensverteilung anschauen, sehen wir, dass da weiterhin das klassische Modell gilt.
Den auf Bildungsebene gleichgestellten Partnerschaften liegen nach wie vor ökonomische Muster zugrunde, die ins klassische Bild passen: Der Mann hat einen höheren Status als die Frau.
Das heisst, Männer verdienen in der Tendenz in diesen Partnerschaften immer noch mehr als die Frauen?
Genau. Den auf Bildungsebene gleichgestellten Partnerschaften liegen nach wie vor ökonomische Muster zugrunde, die in das klassische Bild passen: Der Mann hat einen höheren Status als die Frau.
Haben Männer ohne Hochschulabschluss die schlechteren Karten auf dem Partnerschaftsmarkt?
Da muss man differenzieren. Es gibt zum einen die Männer im mittleren Bildungssegment. Auch hier beobachten wir, dass es zu Anpassungen in den Partnerschaftsmustern kam. Tatsächliche Verdrängungseffekte beobachten wir im Bereich der Männer mit einem niedrigen Bildungsabschluss. Am Ende der Kette bleiben diese quasi übrig. Bei ihnen sehen wir in den letzten 20 Jahren einen Anstieg des Risikos, ohne Partnerinnen zu bleiben.
Früher sagte man den Mädchen «ihr dürft nicht zu gescheit sein, sonst kriegt ihr keinen Mann» – das stimmt so nicht?
Nein, das lässt sich in unseren Daten nicht ablesen. Wir sehen auf Ebene der Bildung eine klare Anpassungsbereitschaft von Männern oder des Marktes. Die Personen, die auf dem Partnermarkt agieren, passen sich grösstenteils den Strukturen an.
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