Spezielle Zürcher Tradition – Zürcher Gruppe rudert bis nach Strassburg – wegen Hirsebrei

Severin Pflüger greift nach seinem «Überlebensset»: ein Sackmesser, eine Teilnehmerplakette und ein Bierbecher. Letzterer sei besonders wichtig, sagt Pflüger und lacht.
Um ihn herum stehen Männer in ganz unterschiedlichen Kostümen. Verschiedene Vereine organisieren die Hirsebreifahrt zusammen, jeder hat ein eigenes Kostüm. Pflüger etwa trägt das Sechseläuten-Gewand seiner Zunft. Es sei «ein wenig wie an der Fasnacht».
Ursprünglich sollte ein Topf Hirsebrei beweisen, wie schnell Zürich seinen Verbündeten zu Hilfe eilen konnte. 1456 brachten Zünfter den Brei angeblich noch warm nach Strassburg. Fast 600 Jahre nach der ersten Fahrt macht sich an diesem Mittwoch die nächste Delegation auf den Weg nach Strassburg. Zum Start ist auch der gesamte Zürcher Stadtrat an Bord.
Pflüger fährt zum ersten Mal im Boot mit, er hat im Organisationskomitee mitgearbeitet. «Ich muss das jetzt geniessen.» Einen der rund 80 Plätze zu erhalten, sei ein Privileg, sagt er.
Rudern für die Verbundenheit
Fünf Tage lang rudern die Teilnehmenden über Limmat, Aare und Rhein nach Strassburg. Insgesamt legen sie rund 235 Kilometer zurück.
Was einst als Demonstration der Bündnistreue begann, steht heute vor allem für die Freundschaft zwischen Zürich und Strassburg, aber auch mit den Städten entlang der Strecke. Unterwegs werden die Hirsebreifahrer von Behörden, Vereinen und der Bevölkerung empfangen.
Für Pflüger ist genau das ein Teil des Reizes. Zudem gehe es darum, Traditionen und Geschichte lebendig zu halten.
Anfang Bildergalerie
-
Bild 1 von 4. Spektakuläres Manöver: Ein Langschiff der Hirsebreifahrt saust die Schiffsmühle hinunter. Bildquelle: ZVG.
-
Bild 2 von 4. Die Ankunft der Hirsebreifahrt in Strassburg ist seit Generationen ein Höhepunkt der Reise. Bildquelle: ZVG.
-
Bild 3 von 4. Die Hirsebreifahrt von 1996 mit dem damaligen Zürcher Stadtpräsidenten Josef Estermann und Strassburgs Bürgermeisterin Catherine Trautmann. Bildquelle: KEYSTONE/Michael Kupferschmidt.
-
Bild 4 von 4. Ein Langschiff der Hirsebreifahrt legt 1976 am Weinplatz in Zürich Richtung Strassburg ab. Bildquelle: KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str.
Ende der Bildergalerie
Zurück zum Anfang der Bildergalerie.
Auf dem Zürcher Lindenhof herrscht an diesem Vormittag Feststimmung. Die Stadtmusik spielt, Besucherinnen stehen vor den Ständen, eine Delegation schenkt elsässischen Wein aus.
Mandeln, Rosinen, Honig
Während die Ruderer letzte Vorbereitungen treffen, rührt ein Team fleissig im Hirsebrei. «Seit sechs Uhr am Morgen kochen wir», sagt Sprüngli-Chef Tomas Prenosil. Die Grundlage lieferten alte Bücher. Die Confiserie tüftelte am perfekten Brei, fügte Mandeln, Rosinen, Honig dazu. «Das ist, so glauben wir, mehr oder weniger das Originalrezept von damals.»
Zu den Ruderern gehört dieses Jahr auch Michael. Als Junior habe er jeweils zugeschaut, wie die älteren Vereinsmitglieder aufbrachen. Nun ist er als junger Mann selbst dabei. Dass die Hirsebreifahrt nur alle zehn Jahre stattfindet, mache sie speziell. Michael sagt, er freue sich, auch wenn die Fahrt anstrengend werde: «Es gibt sicher Blasen an den Händen.»
Trockenheit erschwert die Fahrt
Drei Jahre lang hat das Organisationskomitee die Hirsebreifahrt vorbereitet. Nun, kurz vor dem Start, habe er ein gutes Gefühl, sagt OK-Präsident Franco Straub. «90 Prozent sind organisiert, und 10 Prozent werden wir improvisieren müssen.» Ganz ohne Herausforderungen bleibt die diesjährige Ausgabe nicht.
Wegen des tiefen Wasserstands können die Schiffe nicht die gesamte Strecke zurücklegen. Einzelne Abschnitte müssen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit dem Bus fahren. Die Vorfreude scheint das jedoch kaum zu trüben.
Gegen Mittag steigt Severin Pflüger auf Schiff Nummer zwei. «Jetzt freue ich mich einfach, aufs Wasser hinauszugleiten, die Stadt Zürich anzuschauen und mit den Kollegen zu schwatzen», sagt er. Kurz darauf fällt der Böllerschuss, die Ruder tauchen ins Wasser, die Boote setzen sich in Bewegung.
Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 19.08.2026, 12:03 Uhr ; thon/schm;noes
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.