„Alle Wege führen nach Rom“: Datenanalyse zu Römerstraßen entkräftet Sprichwort
Im Römischen Reich haben gar nicht alle Straßen nach Rom geführt und schnurgerade waren sie seltener als moderne Straßen. Das sind etwas zugespitzt die Ergebnisse einer datenbasierten Untersuchung der umfangreichsten Karte des Straßennetzes im Römischen Reich, berichtet die Universität Aarhus. Die habe aber bestätigt, wie die Römer mit ihren Straßen die moderne Welt nachhaltig geprägt haben, denn es bestehe ein Zusammenhang zwischen der Dichte des antiken römischen Straßennetzes und den wichtigen modernen Verkehrsadern. Die Analyse zeige, dass die Römer zu ausgefeilten Entscheidungsprozessen fähig waren. Gleichzeitig werfe sie neue Fragen darüber auf, wie sie diese Entscheidungen „zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit auf kontinentaler Ebene planten, konzipierten und umsetzten“.
Römerstraßen nicht immer gerade
Die schon länger online verfügbare Karte der Römerstraßen trägt den Namen Itiner-e und umfasst seit einem großen Update vor etwa einem Jahr fast 300.000 km davon in großer Detailtiefe. Die Karte umfasst das gesamte Römische Reich zur Zeit seiner größten Ausdehnung um das Jahr 150 – vom westlichen Mittelmeerraum über Frankreich, Süd- und Westdeutschland, Großbritannien und den Balkan bis nach Nordafrika und in den Nahen Osten. Man kann beliebig weit hineinzoomen und auch Satellitenaufnahmen über die Karten legen. Dieses erste einen ganzen Kontinent umspannende Transportnetzwerk hat das Forschungsteam jetzt untersucht und dabei einige schon sprichwörtliche Annahmen entkräftet.
Wie die Universität zusammenfasst, hat die Datenanalyse unter anderem ergeben, dass „Alle Wege führen nach Rom“ so auch im Römischen Reich nicht gestimmt habe. Das antike Byzanz (heute Istanbul) „spielte eine zentralere Rolle für die Mobilität im gesamten Reich“, auch andere Großstädte wie Antiochia, Ankyra (beide in der heutigen Türkei) und Korinth (Griechenland) seien zentraler gewesen. Auch die sprichwörtliche Geradlinigkeit der Römerstraßen habe man nur in geeignetem Gelände vorgefunden. In weniger günstigem Gelände seien die Straßen auch nicht so gerade gebaut worden. Insgesamt seien die römischen Straßen sogar weniger gerade gewesen als ihre modernen Gegenstücke. Diese und weitere Befunde werden in einem Fachartikel in Nature Communications vorgestellt.
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