Toter wird 18 Tage nicht eingeäschert – weil niemand zahlen will

Darum gehts
- In einem Bestattungsunternehmen im Raum Lugano lag ein Leichnam 18 Tage, weil niemand die Bestattungskosten übernehmen wollte.
- Nach Absprache mit der Gemeinde wurde der Tote eingeäschert – die Kostenfrage ist aber weiterhin ungeklärt.
- Betroffene Bestatter warnen: Einige Unternehmen lehnen bereits Aufträge ab, wenn die Kostenübernahme nicht sofort geklärt ist.
In einem Bestattungsunternehmen im Raum Lugano lag ein Leichnam 18 Tage, ohne eingeäschert zu werden. Der Grund: Niemand wollte die Bestattungskosten übernehmen. Mittlerweile hat der Bestatter den Toten nach Absprache mit der Gemeinde eingeäschert. «Aber ich weiss immer noch nicht, wer letztendlich dafür aufkommen wird», sagt er gegenüber Tio.ch.
Theoretisch sollte es nun Aufgabe der Gemeinde sein, die Situation mit der Bank des Verstorbenen zu klären und die Zahlungsmöglichkeiten zu prüfen. Alternativ könnte ein Verfahren beim kantonalen Nachlassgericht eingeleitet werden. «Die Gemeinde hat mir versichert, dass sie mir den Betrag vorschiessen könne», so der Bestatter.
Ähnliche Fälle lassen Bestatter zweifeln
Die Geschichte ist offenbar kein Einzelfall. «Leider hatte ich schon ähnliche Situationen», erzählt der Bestatter, «auch in anderen Gemeinden. Es passiert vorwiegend bei Menschen, die kaum finanzielle Mittel haben, allein sind oder vielleicht keinen Kontakt mehr zu ihren Angehörigen haben».
Wenn sich das so weiterentwickle, «wird es Bestattungsinstitute geben, die keine Aufträge mehr ohne vorherige Versicherung der Bezahlung annehmen», meint der Bestatter aus Lugano. «Ich kenne einige Unternehmen, die bereits Aufträge ablehnen, wenn nicht sofort geklärt ist, wer die Kosten trägt.»
«Fühlt sich wie Erpressung an»
Luca Andreetta, ein weiterer Bestatter aus dem Tessin, erklärt gegenüber tio.ch: «Das Problem ist, dass wir manchmal von den Angehörigen eines Verstorbenen kontaktiert werden und erst später erfahren, dass sie das Geld nicht haben. Wenn wir das vorher wüssten, könnten wir im Vorfeld Lösungen finden».
Die ganze Situation sei unglücklich wegen der Umstände. «Es fällt uns schwer, solche Themen mit Angehörigen anzusprechen, weil es sich im Angesicht des Todes wie Erpressung anfühlt», sagt Andreetta weiter. «Wir dürfen aber nicht vergessen, dass wir Unternehmen sind.»
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Simon Misteli (sim), Jahrgang 1995, arbeitet seit 2024 als Redaktor am Newsdesk. Dabei schreibt er über verschiedenste Themen mit einem Fokus auf Auslandsgeschichten.
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