Israel beginnt "Anti-Terror-Einsatz" im Westjordanland
Nach dem Tod zweier Soldaten bei einem Angriff bewaffneter Palästinenser hat die israelische Armee nach eigenen Angaben einen "Anti-Terror-Einsatz" im besetzten Westjordanland gestartet. In einer gemeinsamen Erklärung der israelischen Armee und des Inlandsgeheimdienstes Shin Bet heißt es, Sicherheitskräfte durchsuchten Ziele im Raum Hebron und befragten Verdächtige, um "terroristische Infrastruktur zu lokalisieren und zu zerschlagen".
Die israelischen Sicherheitskräfte rissen nach Angaben der Armee und des Shin Bet zudem "illegale Strukturen ab, die eine Sicherheitsbedrohung darstellen könnten". Der Einsatz werde voraussichtlich mehrere Tage dauern.
Attacke am Kontrollpunkt
Zwei Angreifer hatten am Freitagmorgen an einem Kontrollpunkt nahe Hebron mit einer Pistole und einem automatischen Gewehr das Feuer auf israelische Soldaten eröffnet. Sie töteten nach Armeeangaben zwei 20 und 23 Jahre alte Soldaten und verletzten drei weitere, bevor sie erschossen wurden. Die militant-islamistische Palästinenserorganisation Hamas feierte den tödlichen Angriff als "heldenhafte Operation", bekannte sich aber nicht dazu.

Nach dem Angriff stellte Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu eine "vollständige Abriegelung" des Palästinensergebiets in Aussicht. Darüber hinaus sprach er von einer Militäroffensive, wie es sie seit dem Sechstagekrieg nicht gegeben habe.
Netanjahus rechtsextremer Finanzminister Bezalel Smotrich verlangte eine Militäroffensive im Westjordanland "genau wie im Gazastreifen". In Israel wird am Dienstag ein neues Parlament gewählt. Netanjahu strebt dabei eine weitere Amtszeit an. Das Thema Sicherheit dominiert den Wahlkampf.
Seit dem Sechstagekrieg besetzt
Israel hält das Westjordanland seit dem Sechstagekrieg im Jahr 1967 besetzt. Dort leben etwa drei Millionen Palästinenser und mehr als 600.000 israelische Siedler, deren Siedlungen nach dem Völkerrecht illegal sind.
Die Palästinenser streben danach, im Westjordanland, im Gazastreifen und in Ost-Jerusalem einen eigenen Staat zu errichten. Die gegenwärtige israelische Regierung lehnt dies ab.
Hebron ist in einen palästinensisch verwalteten und einen von der israelischen Armee kontrollierten Teil mit israelischen Siedlern aufgeteilt. Zuletzt verschärften Siedlerangriffe auf palästinensische Olivenbauern die Spannungen. Umgekehrt gibt es im Westjordanland immer wieder Angriffe von Palästinensern, die sich gegen israelische Soldaten oder Zivilisten richten.

In den Gebieten des Westjordanlands, die unter palästinensischer Kontrolle stehen, regiert die von der Fatah dominierte Palästinensische Autonomiebehörde unter Präsident Mahmud Abbas. Dagegen wird der Gazastreifen von der Hamas beherrscht. Diese hatte am 7. Oktober 2023 ein Massaker auf israelischem Gebiet verübt, dem nach Angaben des israelischen Militärs etwa 1200 Menschen zum Opfer fielen. Rund 250 Personen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.
Beim darauffolgenden israelischen Militäreinsatz wurden nach Zahlen der Hamas-Behörden mehr als 74.000 Menschen in dem Palästinensergebiet am Mittelmeer getötet. Dabei wird nicht zwischen Kämpfern und Zivilisten unterschieden. Die Hamas wird von zahlreichen Staaten als Terrororganisation eingestuft.
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