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Wednesday, September 23, 2026

«Aggressiv und arrogant»: Hat Ermotti «Lex UBS» provoziert?

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  • Der Ständerat beschliesst mit 29 zu 16 Stimmen, dass die UBS ausländische Beteiligungen zu 90 Prozent mit hartem Eigenkapital unterlegen muss.
  • Bankenexperte Peter V. Kunz macht UBS-Chef Sergio Ermotti mitverantwortlich: Seine «aggressiven und arroganten» Interviews hätten den Entscheid verschärft.
  • Kunz warnt, dass höheres Eigenkapital allein nicht reiche – die Schweiz brauche auch einen funktionierenden Abwicklungsmechanismus für Grossbanken.

Der Ständerat will die Kapitalvorschriften für die UBS deutlich verschärfen. Mit 29 zu 16 Stimmen hat die kleine Kammer am Mittwoch beschlossen, dass Beteiligungen an ausländischen Tochtergesellschaften künftig zu 90 Prozent mit hartem Eigenkapital unterlegt werden sollen. Damit geht der Ständerat deutlich weiter als seine vorberatende Kommission, die 50 Prozent gefordert hatte, bleibt aber unter den 100 Prozent des Bundesrats.

Entschieden ist die Sache allerdings noch nicht: Als Nächstes befasst sich der Nationalrat mit der Vorlage. Doch was bedeutet der Entscheid des Ständerats konkret für die UBS, ihre Aktionäre und ihre Kunden? Und wäre die Schweiz mit höheren Kapitalanforderungen tatsächlich besser vor einer erneuten Grossbankenkrise geschützt? Bankenexperte Peter V. Kunz ordnet ein.

Der Fall «Lex UBS»

Hintergrund der sogenannten «Lex UBS» ist der Untergang der Credit Suisse im Jahr 2023. Höhere Kapitalanforderungen sollen dafür sorgen, dass Verluste aus ausländischen Tochtergesellschaften vom Schweizer Stammhaus besser aufgefangen werden können. Faktisch ist von der geplanten Verschärfung vor allem die UBS betroffen. Sie warnt davor, dass dadurch Milliarden gebunden würden und ihr im internationalen Wettbewerb Nachteile entstünden.

Herr Kunz, hat Sie der Entscheid des Ständerats überrascht?

«Ja, ich bin zutiefst überrascht, dass der Ständerat bei den Vorschriften doch relativ scharf ist. Ich bin davon ausgegangen, dass er UBS-freundlicher sein würde. Persönlich glaube ich, dass die UBS diesen Entscheid auch Herrn Ermotti verdankt. Mit seinen Interviews der vergangenen Tage hat er im Ständerat wahrscheinlich einen grossen Teil des Goodwills verloren. Sie waren aus meiner Sicht aggressiv und arrogant. Jetzt sagen auch bürgerliche Politiker im Ständerat Nein. Die scharfe Linie geht für mich auch auf das Konto von Herrn Ermotti.»

Wie hart trifft das die UBS?

«Es wird für die UBS teurer als bisher. Ich glaube aber nicht, dass es ein so grosses Problem wird, wie es von der UBS dargestellt wird. Die UBS muss mehr Geld bei der Bank behalten und kann dieses nicht einfach an die Aktionäre ausschütten. Diejenigen, die nicht glücklich sein werden, sind deshalb die Aktionäre. Es könnte Anpassungen bei den Aktienrückkäufen und der Dividendenpolitik geben.»

Gleichzeitig profitiert die Bank von mehr Sicherheit. «Das ist gut für den Finanzplatz, gut für die Steuerzahler und letztlich auch gut für die UBS. Gerade in der Vermögensverwaltung bringt man sein Geld lieber zu einer Bank, wenn man sagen kann: Mein Geld ist sicher.»

Müssen UBS-Kunden jetzt mehr bezahlen?

«Die Angst, dass die zusätzlichen Kosten irgendwann bei den Schweizer Kunden und Geschäftspartnern landen, ist berechtigt. Möglich seien etwa höhere Gebühren oder Anpassungen bei der Kreditvergabe. Die UBS hat zwar kein Monopol. Aber bei den Grossbanken ist sie in der Schweiz so dominant, dass viele Leute kaum eine Alternative haben.»

Dramatische Folgen erwartet der Experte allerdings nicht. «Es wird nicht so sein, dass plötzlich kein KMU mehr ein Darlehen bekommt oder ein Bankkonto horrende Gebühren kostet. Hier gibt es sehr viel Schwarzmalerei.»

Auch intern dürfte die UBS nach Sparmöglichkeiten suchen. «Ein Teil der Kosten wird durch KI aufgefangen werden. Es könnte beispielsweise weniger Bankkundenberater brauchen.»

Wird die UBS gegenüber ausländischen Banken benachteiligt?

«Der Wettbewerbsnachteil besteht tatsächlich. Aber er ist sachlich begründet. Ein Vergleich mit US-Grossbanken greife zu kurz: «Eine amerikanische Grossbank ist für die USA ein viel kleineres Risiko als die UBS für die Schweiz.»

Deshalb müsse der Staat andere Prioritäten setzen. «Bei den Eigenkapitalregeln dürfen wir nicht in erster Linie auf die Wettbewerbsfähigkeit der UBS schauen. Das Parlament muss in erster Linie die Schweiz schützen und nicht die UBS.»

Peter V. Kunz ist Bankenexperte und ordnet den Entscheid des Ständerats ein.

Peter V. Kunz ist Bankenexperte und ordnet den Entscheid des Ständerats ein.Tamedia AG/Nicole Philipp

Ist die Schweiz damit vor der nächsten Bankenkrise geschützt?

«Höheres Eigenkapital macht die UBS sicherer und damit auch den Finanzplatz. Aber die ganze Diskussion wird für mich am falschen Ende aufgehängt. Denn auch strengere Vorschriften bieten keine Garantie. Die UBS kann auch untergehen, wenn sie sehr viel Eigenkapital hat.»

Entscheidend sei deshalb, was im Ernstfall mit der Bank passiert. «Der Schweizer Steuerzahler ist erst dann wirklich sicher, wenn wir eine gute Regelung für die Abwicklung einer Grossbank haben. Und da haben wir in der Schweiz bis heute keine überzeugende Lösung.»

Dass eine Grossbank irgendwann wieder in eine schwere Krise gerät, hält er für unvermeidbar. «Ich bin überzeugt, dass es passieren wird. Wann, kann ich nicht sagen.» Dabei erinnert er auch an die Vergangenheit: «Heute betrachtet man die UBS als Retterin der Credit Suisse. Dabei wurde die UBS selbst im Jahr 2008 von der Eidgenossenschaft gerettet.»

Wie müsste sich die Schweiz auf diesen Ernstfall vorbereiten?

«Entscheidend ist nicht nur genügend Eigenkapital. Die Schweiz braucht auch einen funktionierenden Abwicklungsmechanismus, falls eine Grossbank trotzdem in Schieflage gerät.»

Der Experte vergleicht es mit der Titanic: «Der Captain versucht, den Eisberg zu vermeiden – das ist das Eigenkapital. Wenn die Titanic trotzdem absäuft, braucht es Rettungsboote.» Bei der UBS müsse deshalb vorher klar sein, welche Bereiche gerettet werden. «Bankkonten und Zahlungsverkehr müssen weiterfunktionieren. Das Investmentbanking könnte dagegen abgewickelt werden.»

Hier sieht er eine Lücke: «Dafür haben wir bis heute keine überzeugende Lösung.» Auch die 90-Prozent-Regel dürfte noch nicht definitiv sein. «Ich könnte mir vorstellen, dass wir am Ende bei 60 bis 75 Prozent hartem Eigenkapital landen. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.»

Wie stehst du zu strengeren Kapitalvorschriften für die UBS?

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Martine Anastasiou

Martine Anastasiou (man), Jahrgang 2001, arbeitet seit 2025 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Wirtschaft.

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