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Wednesday, October 14, 2026

Sexuelle Ausbeutung – «Armut öffnet Kindesmissbrauch auf den Philippinen Tür und Tor»

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Eine Zahl, die schockiert: Rund 500’000 Minderjährige sind während eines Jahres auf den Philippinen Opfer von Kinderpornographie geworden. Das zeigt ein Bericht der Menschenrechts­organisation International Justice Mission, über den CNN berichtete. Demnach wurden Kinder vor laufender Kamera missbraucht, während Pädokriminelle zuschauten – auch aus der Schweiz. Der freie Journalist Carsten Stormer in Manila erklärt, warum diese Fälle ausgerechnet auf den Philippinen ein solches Ausmass angenommen haben.

Carsten Stormer

Freier Journalist in Manila

Carsten Stormer ist deutscher Journalist, Autor und Dokumentarfilmer. Er hat viele Jahre aus Krisen- und Konfliktgebieten berichtet. Seit 2008 lebt er in Manila und berichtet von dort.

Mehr zur Person

SRF News: Warum ist das Ausmass auf den Philippinen so gross?

Carsten Stormer: Hier treffen mehrere Faktoren aufeinander: grosse bis extreme Armut, gute Englischkenntnisse und die Digitalisierung. Englisch ist Amtssprache. Selbst in ärmeren Regionen findet man fast überall schnelle Internetverbindungen. Das öffnet Tür und Tor für Missbrauch.

Über Internetforen und Onlinenetzwerke wie Roblox können sie an Kinder herantreten.

Was hat die englische Sprache damit zu tun?

Englisch wird weltweit gesprochen. Deshalb können Täter aus aller Welt – den USA, Europa oder der Schweiz – hier Menschen erreichen, mit ihnen kommunizieren und sie überreden. Über Internetforen und Onlinenetzwerke wie Roblox können sie an Kinder herantreten. Auch über Datingseiten kommt man sehr leicht an Kinder heran. Ich habe vor vielen Jahren dazu recherchiert. Auf einer Datingseite wurden uns in weniger als zehn Minuten Kinder unter zehn Jahren angeboten. Die Menschen dort hatten sich als junge Frauen angeboten, die offen für westliche Freier waren.

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Welche Formen des Missbrauchs haben Sie beobachtet?

Es gibt analog und online alle Formen von Missbrauch. Es fängt bei sexuellem Missbrauch durch Sextourismus an und geht bis zum Onlinemissbrauch von Kindern. Es gibt auf den Philippinen Sextourismus-Hotspots wie Angeles City oder Olongapo. Wer dort gezielt nach Kindern sucht, bekommt sie innerhalb kurzer Zeit angeboten. Bei unserer Recherche fanden wir zwei minderjährige Mädchen, deren Tante die Kinder über einen amerikanischen Freier angeboten hatte. Dieser hatte sie gefilmt und sexuell missbraucht.

Wenn man sexuellen Onlinemissbrauch von Kindern unterbinden will, muss man die Armut bekämpfen.

Warum ermöglichen auch Angehörige den Missbrauch?

Wegen der Armut. Wenn man sexuellen Onlinemissbrauch von Kindern unterbinden will, muss man die Armut bekämpfen. Die Leute brauchen dringend Geld, und es ist leicht verdientes Geld. Als ich recherchierte, kostete der Missbrauch eines Kindes um die 20 Euro. Heute könnten das rund 50 Euro sein. Ich habe auch Minderjährige getroffen, die damit einen Computer, Schulbücher oder Fliesen für den Badezimmerboden bezahlen wollten. Für banale Dinge haben diese Menschen mit ihren Körpern bezahlt oder sie wurden dafür sexuell ausgebeutet, teilweise von der eigenen Familie.

Das Unrechtsbewusstsein ist sehr gering.

Empfinden diese Angehörigen Schuld?

Wir haben damals mit einer Mutter gesprochen, die ihr neugeborenes Kind live vor einer Kamera missbraucht hatte. Sie empfand wenig Schuld: Es bleibe innerhalb der Familie und sei nur vor einer Kamera. Das Unrechtsbewusstsein war sehr gering. Gleichzeitig ist der finanzielle Notstand so gross, dass man oft darüber hinwegsieht.

Gibt es auch organisierte Ausbeutung?

Es gibt Ausbeutungsringe, die Kinder in Häusern, Wohnungen oder Hütten halten. Dort werden sie gezielt missbraucht und sitzen am Computer, während ausländische Männer aus aller Welt zuschauen.

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