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Monday, October 19, 2026

Buch von Elisa von Hof – «Unsichtbare Musen»: Von Anbetung bis Abwertung

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Musen, das sind doch diese feenhaften Wesen, die wie ein Dünger für kreatives Schaffen wirken? Von Musikern besungen, von Dichtern angeschmachtet, von Regisseuren in Szene gesetzt. Doch Musen tun und taten weit mehr, als Genies zu küssen, in Kameras zu lächeln oder sich vor einem Maler nackt in Kissen zu räkeln.

Ohne Muse läuft nix

Musen halten männlichen Künstlern «den Rücken frei». Sie kreieren einen paradiesisch sorglosen Raum, in dem das Genie sich austoben kann. Musen erledigen lästige Haus- und Schreibtischarbeiten. Sie kochen, zahlen Rechnungen und verhandeln Honorare, tippen und redigieren Manuskripte, besorgen Farben, ziehen Leinwände auf, kommentieren, kritisieren und gestalten so die entstehenden Werke mit. Und wenn es mal nicht gut läuft, päppeln sie die zarte Künstlerseele auf.

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  • Bild 1 von 7. Camille Claudel kam einst als Schülerin zum Bildhauer Auguste Rodin, um von ihm zu lernen. Sie stieg zu seiner Muse auf, worüber ihr eigene Kunst lange Zeit vergessen blieb. Bildquelle: IMAGO/Bridgeman Images.

    Schwarz-weiss Porträt einer Person mit lockigem Haar und einem neutralen Gesichtsausdruck.
  • Bild 2 von 7. Inzwischen sind ihre Werke unter anderem im Musée d'Orsay (hier: «Maturity», 1897) als auch im Musée Rodin oder im nach ihr benannten Musée Camille Claudel ausgestellt. Bildquelle: IMAGO/GODONG.

  • Bild 3 von 7. Kennen Sie die Dame rechts im Bild? Gala Dalí war über 50 Jahre mit Salvador liiert und managte dessen künstlerisches Schaffen, was ihr böse Beleidigungen einbrachte. Bildquelle: Getty Images/Apic.

  • Bild 4 von 7. Überhaupt wurden viele Musen von Aussen kritisiert, so auch Yoko Ono für ihren Einfluss auf das Werk von Ehemann John Lennon. Bildquelle: Imago/piemags.

  • Bild 5 von 7. Die Muse Lou Andreas-Salomé bewegte sich ebenfalls in illustren Kreisen: Sie war befreundet mit Friedrich Nietzsche (rechts), Leo Tolstoi, Sigmund Freud, Rainer Maria Rilke und einigen mehr. Von Nietzsche und Paul Rée (ebenfalls im Bild) lehnte sie allerdings dessen Heiratsanträge ab. Bildquelle: Wikimedia.

  • Bild 6 von 7. Picassos Gemälde von seiner Muse Dora Maar (Henriette Theodora Markovitch) wurde auf 50 Millionen US-Dollar taxiert. Bildquelle: GettyImages/Bloomberg.

  • Bild 7 von 7. Die surrealistische Künstlerin und Fotografin war jedoch weitaus mehr als Muse (hier in ihrem Studio) und dokumentierte unter anderem die Entstehung des berühmten Anti-Kriegs-Gemäldes «Guernica». Bildquelle: IMAGO/Album.

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«Ohne Muse hätte das Genie, in welchem Bereich auch immer es arbeitet, nicht so arbeiten und wirken können, wie es gewirkt hat. Das heisst, die Karriere des Genies ist in vielerlei Hinsicht unmittelbar verbunden mit der Arbeit der Muse», sagt Elisa von Hof. Die deutsche Journalistin hat sich intensiv damit beschäftigt, wie Frauen künstlerisch tätige Männer unterstützen. In der Geschichte, aber auch in der Gegenwart.

«Ein schönes Stück Fleisch»

Eigentlich müssten wir den Musen unendlich dankbar sein, dass sie Künstlern geholfen haben, ihre Werke zu schaffen. Doch meist werden Musen einfach vergessen. Oder, noch schlimmer: mit Hass und Häme bedacht. Zum Beispiel Christiane Vulpius. Fast 30 Jahre lebte sie an der Seite des Dichterfürsten Goethe. Kümmerte sich um seinen Haushalt und rettete ihm sogar das Leben, als napoleonische Truppen ins Haus eindrangen. Von der Mit- und Nachwelt wurde sie als ungebildete Bettgenossin beleidigt. Noch Thomas Mann nannte sie «un bel pezzo die carne» («ein schönes Stück Fleisch»).

Oder Jelena Dmitrijewna Djakonowa, besser bekannt als Gala Dalí. Sie war Modell, Mitarbeiterin, Managerin, kurz: Muse. Zunächst für den Dichter Paul Eluard. Später für den Maler Salvador Dalí, dessen Karriere sie einen kräftigen Kick gab. Künstlerkollegen Dalís quittierten das, indem sie Gala Dalí als «russische Hexe» beschimpften.

Das Genie – gibt's das überhaupt?

Krasse Einzelfälle? Nein, eher Normalfall. Elisa von Hof nennt in ihrem Buch zahlreiche Beispiele aus Kunst, Musik, Literatur und Mode.

Eigentlich wissen wir aus ganz vielen Bereichen unseres Lebens, wie wichtig ein Team ist. Aber in der Kultur gibt es immer noch einen Geniemythos, der die Einzelleistung feiert.

Weshalb Musen, also Frauen, die Künstler in ihrem Schaffen unterstützen, so gehasst werden? Elisa von Hof sagt: Weil sie am Geniemythos kratzen. «Eigentlich wissen wir ja aus ganz vielen Bereichen unseres Lebens, wie wichtig ein Team ist. Teamarbeit wird überall postuliert. Aber in der Kultur gibt es immer noch einen Geniemythos, der die Einzelleistung feiert. Das heisst, wir haben immer noch den Eindruck, gerade bei grossen Männern, bei grossen Genies: Die schaffen ihre Kunst aus sich selbst heraus.»

Mitarbeiterinnen passen da nicht ins Bild. Und je klüger, kompetenter und kreativer sie sind, desto mehr stören sie. Ein Denkmuster, das noch heute wirkt. Über Jahrzehnte hing an John Lennons zweiter Frau Yoko Ono der Ruf, sie habe die Beatles auseinandergetrieben. Ein Vorwurf, der dem Blick auf ihre Kunst lange im Weg stand.

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