Quer durch Island im Kult-Offroader

75 Jahre Toyota Land Cruiser
Quer durch Island im Kult-Offroader
Der Land Cruiser wird 75. Zu diesem Jubiläum spendierten die Japaner ihm etwas Besonderes: ein paar Technikdetails und eine Ausfahrt ins isländische Hochland.
Publiziert: vor 18 Minuten
Geht es um Geländewagen-Ikonen, denken die meisten sofort an Jeep oder den alten Land Rover Defender. Beide verbindet, dass sie nicht nur hochgeländegängig sind, sondern dass ihre Serienfertigung schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg begann und bis heute andauert – natürlich in abgewandelter und weiterentwickelter Form. Und noch ein Fahrzeug gehört hier dazu: der Toyota Land Cruiser.
Auch ihn gibt es schon seit 1951. Anders als der Amerikaner und der Brite wurde er im Laufe der Jahrzehnte zu einer ganzen Modellfamilie ausgebaut, die heute drei Stränge kennt: die sogenannte Heavy-Duty-Line, die heute vor allem in Afrika als sogenanntes Buschtaxi ihre Dienste verrichtet. Dazu die grosse Linie, die unter der Bezeichnung 300 besonders für die USA gebaut wird, und schliesslich die Prado-Linie. Diese Land-Cruiser-Modelle, als 250 bezeichnet, sind auch hierzulande erhältlich. Alle Baureihen verbindet dabei die robuste Geländetechnik: Leiterrahmenbauweise, Allradantrieb, Differentialsperre, Untersetzungsgetriebe und exzellente Achsverschränkung.
Test auf dem Abenteuerspielplatz
Nur: Wo kann man das alles ausprobieren? Zum Beispiel in der Einsamkeit des isländischen Hochlands. Und weil es von jeher der Anspruch von Toyota ist, den Spagat zwischen Offroad-Fahren und komfortablem Reisen zu meistern, ist die allerneueste Ausführung des Land Cruiser 250 genau die richtige Wahl für so eine Tour.
Das Fahrzeug wurde 2024 eingeführt, hat aber in jüngerer Zeit schon einige Updates bekommen. So besitzen zum Beispiel jetzt alle Land-Cruiser-Versionen serienmässig elektrisch entkoppelbare Frontstabilisatoren. Bislang gab es das nur für bestimmte Modellversionen. Doch auch ohne diese Technik hat der aktuelle Land Cruiser eine um zehn Prozent vergrösserte Verschränkung. Mit dem Disconnect-Mechanismus sind es dann weitere zehn Prozent. Da muss das Gelände schon richtig anspruchsvoll sein, um das nutzen zu können. Selbst auf Island braucht man es eher nicht.
Mildhybrid und Nostalgie-Look
Auch beim Antrieb gibt es Neues. Geblieben ist die Basis, der 205 PS (151 kW) starke 2,8-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel. Mancher mag da seine Nase rümpfen, doch passt das Aggregat zum Anspruch, ein gemütlicher Cruiser zu sein. Allerdings wurde der Antrieb zum Modelljahr 2026 mit 48-Volt-Technik zum Mildhybrid aufgerüstet. Ausser bei der deutlich sanfteren und schnelleren Start-Stopp-Automatik ist das aber kaum wahrnehmbar.
Ähnlich ist es mit den Detailänderungen im Innenraum: Sie sind chic und praktisch, aber nichts, was den Land Cruiser revolutionär macht. Ein anderes Designdetail dürfte indes Fans des Offroad-Urgesteins besonders freuen: Während die betont luxuriöse Invincible-Version (ab 90'700 Franken) mit den bekannten flachen LED-Scheinwerfern ausgestattet ist, kehren mit der geländegängigeren, 82'900 Franken teuren Style-Version die Rundscheinwerfer zurück. Sie erinnern an alte Land-Cruiser-Generationen und waren bislang nur in einer Sonderserie zur Markteinführung des 250ers erhältlich.
Toyota Land Cruiser im Schnellcheck
Antrieb: 2,8-l-R4-Turbo-Diesel, 205 PS (151 kW)@3000/min, 500 Nm@1600-2800/min, Achtgang-Automatik, Allradantrieb
Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h 12,3 s, Spitze 165 km/h
Masse: L/B/H 4,93/1,98/1,94 m, Leergewicht 2550 kg, Kofferraum 742–1895 l, Anhängelast gebremst 12% 3500 kg, ungebremst 750 kg, Bodenfreiheit 220 mm (240 mm mit Spezial-Reifen), Böschungswinkel vo/hi 31/22 Grad, Watttiefe 700 mm
Umwelt: WLTP/Test 10,5 l / 10,8 l/100 km, 275 g/km CO₂ Energieeffizienz G
Preis: Toyota Land Cruiser Comfort ab 74'900 Franken, Style (mit runden Scheinwerfern) ab 82'900 Fr., Invincible ab 90'700 Fr.
Antrieb: 2,8-l-R4-Turbo-Diesel, 205 PS (151 kW)@3000/min, 500 Nm@1600-2800/min, Achtgang-Automatik, Allradantrieb
Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h 12,3 s, Spitze 165 km/h
Masse: L/B/H 4,93/1,98/1,94 m, Leergewicht 2550 kg, Kofferraum 742–1895 l, Anhängelast gebremst 12% 3500 kg, ungebremst 750 kg, Bodenfreiheit 220 mm (240 mm mit Spezial-Reifen), Böschungswinkel vo/hi 31/22 Grad, Watttiefe 700 mm
Umwelt: WLTP/Test 10,5 l / 10,8 l/100 km, 275 g/km CO₂ Energieeffizienz G
Preis: Toyota Land Cruiser Comfort ab 74'900 Franken, Style (mit runden Scheinwerfern) ab 82'900 Fr., Invincible ab 90'700 Fr.
Doch eigentlich sind das Nebensächlichkeiten. Denn letztlich geht es bei einem Geländewagen immer nur um die Frage: Wie weit kommt man mit ihm? In 75 Jahren hat der Land Cruiser zwar schon bewiesen, dass er nahezu überall hinfährt – trotzdem spendierte man ihm für diese Tour Reifen, wie man sie in Island besonders gut gebrauchen kann: grobstollige, 35 Zoll grosse Riesenräder. Mit ihnen wächst nicht nur die Bodenfreiheit von ohnehin schon üppigen 21 auf mehr als 24 Zentimeter, sondern auch die im Gelände so wichtige Reifenaufstandsfläche. Das sorgt für Traktion. In der Schweiz gibt es die Umbau-Walzen gar nicht – auf Island zahlt man dafür umgerechnet 7000 Franken Aufpreis.
Mühelos über jeglichen Untergrund
Los geht die Geburtstagsfahrt dort, wo man die Walzen eigentlich gar nicht braucht und wo jeder Island-Reisender ankommt: auf Asphalt. Hier zeigt sich der Land Cruiser von seiner zurückhaltenden Seite. Sowohl in Reykjavik als auch auf den geteerten Überlandstrassen rollt der Toyota trotz seiner Riesenreifen ohne Krawall ab. Vor allem folgt er akkurat den Lenkkommandos, sowohl beim schnellen Spurwechsel als auch bei raschen Kurvenkombinationen. Dazu trägt die neue elektrische Servolenkung ihren Teil bei, weil sie präzise ist und dem Fahrer mehr Rückmeldung gibt.
Richtig spektakulär wird es auf Schotterpisten voller Lavagestein und Schlaglöchern: Der Toyota zieht durch wie auf einer Rallye-Piste. Hier ist Schluss mit Cruisen im Cruiser, der auch unter diesen Bedingungen mit der Gelassenheit eines Weltenbummlers unterwegs ist. Dabei spielt die Modellüberarbeitung ihr elektronisch gesteuertes Bremssystem gut aus. Es ist besser dosierbar und hat einen klaren Druckpunkt. Letztlich aber wichtiger: Selbst auf der isländischen Waschbrettpiste gibt es kein Quietschen und kein Klappern.
Langsam verliert sich der Trail. Jetzt wird es technisch, denn der Schotter weicht dem Lavageröll – grosse Brocken, die irgendwie überwunden werden müssen. Richtig mühelos wird das mit aktivierter Crawl Control. Weder fehlt es dann an Schub, noch an Traktion und auch nicht an Bodenfreiheit. Schliesslich folgt das, was Geländewagenfahrer an Island so lieben: unzählige Wasserläufe. Flüsse queren von links nach rechts und zurück oder darin entlangfahren. Es ist für den Land Cruiser wie ein gigantischer Abenteuerspielplatz mit Wasserspass. Für die wenigen Einheimischen, die es dorthin verschlägt, ein nur notwendiges Muss, um ihr Ziel zu erreichen.
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